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„Ein hochsensibles Thema“

Ukraine-Krieg: So sehr hängt Bayern an Putins Gas

Unverzichtbarer Rohstoff Gas: Blick auf einen Speicher in Sachsen-Anhalt
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Unverzichtbarer Rohstoff Gas: Blick auf einen Speicher in Sachsen-Anhalt
  • VonMarc Beyer
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Der Termin hat Brisanz. Wenn die Staatsregierung heute Vertreter von Industrie und Handwerk zum Bayerischen Energiekonvent einlädt, wirft der Krieg in der Ukraine einen langen Schatten in die Münchner Residenz.

Auch wenn Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Dienstagabend in Berlin noch einmal sein Nein zu einem sofortigen Importstopp von Öl, Kohle und Gas aus Russland bekräftigte, wird die Versorgungssicherheit und die Bezahlbarkeit von Rohstoffen ganz oben auf der Agenda stehen. Gerade im Freistaat, besonders abhängig von russischem Gas, sind das hochsensible Themen.

Der Wirtschaftsbeirat der Union (WBU) hat sich in einem Papier mit der deutschen Energieabhängigkeit von Russland befasst. Er kommt zu dem Schluss, dass man alle Alternativen prüfen und „keine Denkverbote zulassen“ solle. Die könne man sich nicht leisten.

Am einfachsten erscheint demnach die Suche nach einem Ersatz für russische Steinkohle, deren Anteil an den deutschen Importen bei 56 Prozent liegt. Der WBU verweist auf den Verein der Kohlenimporteure, der sich zuletzt optimistisch äußerte. „Es gibt einen gut funktionierenden, liquiden Weltmarkt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Alexander Bethe. Konkret nannte er Länder wie die USA, Kolumbien, Südafrika und Australien.

Auch für Ölimporte aus Russland, deren Stopp die USA vehement fordern, gäbe es womöglich Alternativen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) setzt darauf, dass Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Fördermengen erhöhen. Im Falle eines sofortigen Lieferstopps für russisches Erdöl würde die Deckungslücke laut BDI wohl nur für eine überschaubare Zeit klaffen.

Ernüchternder sieht die Situation beim Erdgas aus. Ein Verzicht auf russische Importe wäre aktuell nicht zu kompensieren. 55 Prozent seines Bedarfs deckt Deutschland mit Gas aus Russland. Besonders hoch ist die Abhängigkeit in Bayern. Während nördlichere Bundesländer mehr Energie aus Norwegen oder den Niederlanden beziehen, stammt es hier ganz überwiegend, zu 90 Prozent, aus russischen Quellen.

Kurzfristig, beklagt auch der WBU, „hätten wir nahezu keine Problemlösungen anzubieten“. Etablierte Lieferanten haben ihre Kapazitäten weitgehend ausgeschöpft, und der Markt für Flüssiggas (LNG) ist aufgrund von langfristigen Verträgen wenig flexibel. Auch die Infrastruktur (LNGTerminals, Schiffe) stößt an ihre Grenzen. Nicht zuletzt in Deutschland, wo es noch kein einziges Terminal gibt. Erst diesen Monat wurde eine Absichtserklärung für eine Anlage in Brunsbüttel unterzeichnet.

Die Abhängigkeit trifft Bevölkerung und Wirtschaft gleichermaßen. Laut BDI verbraucht Deutschland rund 1000 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Erdgas jährlich. Rund 366 Milliarden davon benötigt die Industrie, 127 Milliarden Gewerbe, Handel und Dienstleistungssektor. 126 Milliarden schlagen bei der Stromerzeugung in Gaskraftwerken zu Buche. Der zweitgrößte Posten aber, 306 Milliarden Kilowattstunden im Jahr, betrifft die Heizungen in privaten Haushalten.

„Vor diesem Hintergrund“, appelliert der Wirtschaftsbeirat, müsse man „alle denkbaren Optionen prüfen“, um bei einem Ausfall der Lieferungen aus Russland die Folgen „zumindest abmildern“ zu können. Konkret plädiert der Beirat dafür, eine Laufzeitverlängerung für die letzten drei Atomkraftwerke sowie ausgewählte Kohlekraftwerke zu prüfen.

Manfred Gößl rechnet mit dem Schlimmsten. Der Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, der heute ebenfalls am Energiekonvent teilnehmen wird, geht davon aus, dass ein russischer Lieferausfall, besonders beim Gas, „die bayerische Wirtschaft ins Mark treffen“ würde. Preisexplosionen, Rationierungen und Stilllegungen von Produktionen stünden dann „für unabsehbare Zeit auf der Tagesordnung“.

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