Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ukraine-Konflikt

„Mich hatten alle gewarnt“ - Ukrainer aus Kaufbeuren beim Heimatbesuch vom Krieg überrascht

Sergiy Kolomiets ist gebürtiger Ukrainer und lebt seit zwei Jahren in Kaufbeuren.
+
Sergiy Kolomiets ist gebürtiger Ukrainer und lebt seit zwei Jahren in Kaufbeuren
  • VonTheresa Kuchler
    schließen

Sergiy Kolomiets ist gebürtiger Ukrainer und lebt seit zwei Jahren in Kaufbeuren. Am Samstag reiste der 41-jährige Rangierbegleiter in den Norden der Ukraine, um seine Familie zu besuchen. Die russischen Angriffe rissen ihn aus dem Schlaf.

Herr Kolomiets, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie nach dieser schrecklichen Nacht?

Sergiy Kolomiets: Nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut. Ich bin mit meiner Frau und meiner Tochter in einer Stadt im Norden der Ukraine, in Nizhyn. Die Stadt hat einen Flughafen, der auch angegriffen wurde. Ich weiß nicht, ob die Informationen stimmen, aber anscheinend sind dabei fünf oder sechs Personen verletzt oder getötet worden.

Haben Sie den Angriff selbst mitbekommen?

Sergiy Kolomiets: Meine Familie und ich sind wach geworden, weil es so laut war. Der Angriff war um fünf oder halb sechs Uhr morgens. In der Früh hatten wir alle große Angst. Ich habe viel gelesen und stand mit Freunden in Kiew in Kontakt, die ähnliche Situationen erlebt haben. Inzwischen haben sich alle etwas beruhigt. Vor ein paar Stunden waren wir auch schon draußen.

Sind Sie in der Stadt Menschen begegnet, die in Panik waren?

Sergiy Kolomiets: Ich habe vor allem lange Schlangen vor den Supermärkten, Apotheken und Bankautomaten gesehen. Viele waren am Telefon und haben mit ihren Verwandten und Freunden gesprochen. Ich denke, am schwierigsten waren für alle die ersten Stunden. Es hatten alle gehofft, dass kein Krieg kommt. Man sagt ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Hoffnung ist heute gestorben.

Was wollen Sie jetzt tun?

Sergiy Kolomiets: Vielleicht fahren wir heute Abend noch in ein Dorf, raus aus der Stadt. Da können wir in das Haus von einem Freund, der in Kiew ist. Hier wohnen wir im fünften Stock. In der Nacht hätte ich Angst, dass etwas passiert. Gott sei Dank gab es bis jetzt ja keine Angriffe auf die Stadt, sondern nur auf den Flughafen. Im Dorf sind wir aber sicherer.

Und dann wollen Sie so schnell wie möglich wieder zurück nach Bayern?

Sergiy Kolomiets: Mit dem Flugzeug kann ich nicht mehr zurück. Ich will morgen oder übermorgen mit dem Auto nach Polen und dann weiter nach Deutschland fahren. Als ich am Samstag in die Ukraine gekommen bin, um meine Familie zu besuchen, hatten mich schon alle Freunde gewarnt. Ich hatte aber einfach gehofft, dass kein Krieg kommt.

              Dieses Interview führte Theresa Kuchler