DEBATTE UM MILCHQUOTE

Über 2300 Milchbauern gaben auf

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Selten werden die Berufsgenossen dieser Milchbäuerin. Mit Milcherzeugung lässt sich derzeit kaum Geld verdienen. DPA

München – Immer mehr bayerische Milchbauern können oder wollen nicht mehr: Seit dem Frühjahr 2015 haben 2353 Betriebe im Freistaat aufgegeben, das ergab eine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung.

Bundesweit machten im gleichen Zeitraum insgesamt mehr als 5600 Höfe dicht. In Bayern gibt es jetzt noch gut 30 000 Milchviehhalter – Tendenz weiter fallend.

Die Lage ist dramatisch, darin sind sich der Bayerische Bauernverband (BBV) und der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) einig. Darüber, wie man dem Höfesterben begegnen soll, sind die beiden Verbände allerdings geteilter Meinung – besonders, was eine gesetzliche Deckelung der Milchproduktion angeht. Den Referenz-Zeitraum für ihre Anfrage haben die Grünen nicht zufällig gewählt: Der 1. April 2015 markiert das Ende für die EU-weite Milchquote, die die Produktionsmenge der Bauern regelte. Muss zur Rettung der Milchbauern die Quote wieder her? „Nein“, sagt BDM-Sprecher Hans Foldenauer. Eine totale Absage an eine gesetzliche Produktionsdeckelung ist dieses Nein aber nicht. „Wir brauchen über einen längeren Zeitraum stabile wirtschaftliche Bedingungen“, sagt Foldenauer. Nur so könne man die Milchviehhalter zum Weitermachen animieren. Dabei soll eine zeitlich befristete Produktionsdeckelung helfen, erklärt der BDM-Sprecher. Sie soll EU-weit greifen, wenn sich an der Brüsseler Milchmarktbeo–bachtungsstelle ein Überangebot abzeichnet. Sobald sich die Nachfrage wieder erholt, soll die Quote wieder aufgehoben werden, so der BDM-Vorschlag. BBV-Präsident Walter Heidl überzeugt das nicht. „Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat nichts mit der Abschaffung der Milchquote zu tun“, sagt er. Und rechnet vor, dass sich die Zahl der Milchviehbetriebe während den 30 Jahren, in denen die Deckelung in Kraft war, alle zehn Jahre halbiert habe, also trotz Quote auf ein Achtel geschrumpft sei.

Heidl sieht die Politik vielmehr in der Pflicht, den Einzelhandel daran zu hindern, „generell Schleuderpreise zu fahren“, zum Beispiel durch ein Verbot der Rabattaktionen, „die mittlerweile Dauerzustand sind“. Produktionsmengen könnten nur durch Vereinbarungen der Landwirte mit den Molkereien begrenzt werden, es gelte dabei, die Position der Milchbauern zu stärken. Dann gebe es auch für kleine Betriebe mit 60 bis 80 Kühen eine Zukunft.

In Bayern hätten rund fünf Prozent der Betriebe seit Wegfall der Quote aufgegeben, erklärt BDM-Sprecher Foldenauer. In Sachsen-Anhalt seien es rund 18 Prozent gewesen. Dass sich das Höfesterben in Bayern verhältnismäßig weniger dramatisch in der Statistik zeige, liege daran, dass es in Bayern viele kleine Familienbetriebe gebe. Diese betrieben Milchwirtschaft oft nur im Nebenerwerb und müssten anders als Großbetriebe keine Arbeitskräfte bezahlen. „Wir hängen an unseren Höfen“, sagt Foldenauer, der selbst Milchkühe hält, und zieht ein bitteres Fazit zum Überlebenskampf der Kleinen: „Wir können uns viel länger ausbeuten.“ Josef Ametsbichler

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