Was tun, wenn die Lawine kommt?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Skitour auf der Alpspitze, dem Wahrzeichen von Garmisch-Partenkirchen. Der Alpenverein rät, nie ohne Notfall-Ausrüstung unterwegs zu sein. Foto: Martin becker

Skitouren fernab der Piste werden immer beliebter. Doch längst nicht alle Tourengeher sind ausreichend gerüstet. Der Deutsche Alpenverein rät dringend zu einer Notfall-Ausrüstung. Dazu gehört auch ein Verschüttetensuch-Gerät. Es kann Leben retten.

Alpenverein gibt Tipps

Skitouren fernab der Piste werden immer beliebter. Doch längst nicht alle Tourengeher sind ausreichend gerüstet. Der Deutsche Alpenverein rät dringend zu einer Notfall-Ausrüstung. Dazu gehört auch ein Verschüttetensuch-Gerät. Es kann Leben retten.

Von Nora Reim

Spitzingsee – Zum Thema „Lawinen gehen alle an“ informierte der Deutsche Alpenverein (DAV) auf seiner Hütte am Spitzingsee. Thomas Exner von der DAV-Sicherheitsforschung appellierte neben der Eigenverantwortung an das Risiko-Management eines jeden Tourengehers. Dazu gehöre, sich vorab über den Lawinen-Lagebericht im Internet zu informieren, um die geplante Tour entsprechend der fünf Gefahrenstufen anzupassen oder gar abzusagen. „Die Entschuldigung, man habe es nicht gewusst, zählt nicht mehr“, sagte er.

Ziel bei der Planung einer Tour fernab der Piste müsse es sein, Verschüttungen von Menschen zu vermeiden. Wird ein Skifahrer dennoch von einer Lawine erfasst, kann eine Notfall-Ausrüstung Leben retten. Dazu gehören laut Exner ein Lawinenverschüttetensuch-Gerät, ein sogenanntes LVS-Gerät, eine Sonde und Schaufel. Wie man einen Peilsender im freien Gelände, also jenseits der gesicherten Piste, anwendet, demonstrierte Eduard Koch an der LVS-Testanlage neben der Selbstversorgerhütte am Spitzingsee. „Alleingehern nützt ein LVS-Gerät nichts“, warnte Koch vor dem Übermut vereinzelter Tourengeher. Voraussetzung ist, dass das Lawinenopfer überhaupt einen Peilsender nahe am Körper trägt, der nicht durch einen Handy-Signal gestört wird. „Lawinen-Apps sind kein Ersatz für LVS-Geräte“, betonte der Ausbilder.

Hat man sich dem Verschütteten auf einen Abstand von rund drei Metern genähert, kann die Feinsuche beginnen. Dabei führt man den Peilsender nahe am Boden in einem Raster, um die Unglückstelle möglichst genau zu bestimmen. Anschließend kommt die Sonde zum Einsatz. Das ist eine Art zusammenklappbare Zeltstange, mit der sich in voller Länge im Tiefschnee stochern lässt. Dazu wird der Stab an verschiedenen Stellen durch die Schneedecke gebohrt, bis man auf etwas Weiches stößt.

Hat man Weichteile ertastet, die auf einen Menschen hindeuten, erfolgt die Ausgrabung mit der Metall-Schaufel. „Die Zeit ist entscheidend“, sagte Thomas Exner. Binnen 18 Minuten müsse die Bergung eines Verschütteten abgeschlossen sein, sonst „gräbt man nur noch Tote aus“. Ohne Schaufel verlängere sich die Zeit gar auf bis zu 50 Minuten, warnt der Experte.

Daher empfiehlt der DAV in seinem so genannten Risikocheck-Papier, sich vorab folgende Fragen zu stellen: „Wie gefährlich ist das Gelände? Wo sind die Gefahrenstellen? Was könnte eine Lawine auslösen?“

Um die Wahrscheinlichkeit einer Verschüttung zu verringern, hat der Verband vor zehn Jahren die so genannte Snow Card entwickelt. Auf einer Farbskala lässt sich auf der Karte mit Hilfe eines Pendels der Winkel eines Hangs bestimmen. „Je steiler das Gelände, desto gefährlicher“, sagt Exner. Dennoch gilt laut dem Sicherheitsexperten: „Ein Gerät ist nur so gut wie sein Benutzer.“

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare