Türkische Lehrer beantragen Asyl

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Bundespolizei auf Streife im Flughafen-Gebäude. Am Dienstag wurden Polizisten zwei Mal von türkischen Staatsbürgern angesprochen, die Asyl beantragten. Foto: Polizei

Am Flughafen München haben zwei türkische Familien Asyl beantragt. Beide Väter sind Lehrer. Das sind keine Einzelfälle. Betrachtet man die Asylstatistik nach den Herkunftsländern, so rangiert die Türkei mittlerweile auf dem sechsten Platz.

AM FLUGHAFEN

München – Sie landeten, um zu bleiben: Am Flughafen München haben am Dienstag zwei türkische Lehrerfamilien Asyl beantragt. Ihr Ziel war beide Male dasselbe, so der Sprecher der Bundespolizei am Flughafen, Christian Köglmeier: „Schutz vor der Staatsmacht in ihrem Heimatland“. Auch fast zwei Jahre nach dem Putschversuch in der Türkei illustriert dies, wie viele Türken Angst haben vor Verhaftungen und Repressalien.

Der erste Fall spielte sich am frühen Morgen am Flughafen ab: Ein 30-Jähriger, der zusammen mit seiner drei Jahre jüngeren Ehefrau und dem zwei Jahre alten Sohn aus Singapur kommend gelandet war, sprach einen Bundespolizisten im Terminal 2 an: Er erzählte von Repressalien durch die Behörden und von Angst um das Leben der Familie. Der 30-Jährige gab an, er sei Lehrer, habe Türkisch in Bangladesch unterrichtet. Als er seinen Aufenthalt dort verlängern wollte, scheiterte das an Pass-Problemen: die Botschaft warf ihm Nähe zur Gülen-Bewegung vor und verweigerte ihm einen neuen türkischen Nationalpass. Daher hätte er nun in die Türkei zurückreisen müssen – was er keinesfalls wolle. Daher der Asylantrag.

Fall zwei traf dann am Abend am Flughafen ein: eine dreiköpfige türkische Familie. Der 36-jährige Familienvater erzählte dem Beamten am Grenzkontrollschalter des Terminals 1 „eine fast identische Geschichte“, so Bundespolizist Köglmeier. Auch der 36-Jährige gab an, er sei Lehrer in der Türkei gewesen, außerdem Kurde, und er fühle sich durch die Regierung seines Landes verfolgt. Zunächst seien sie vier Jahre im Irak gewesen, zuletzt schlug sich die Familie offenbar nach Casablanca in Marokko durch, wo sie einen Flug nach Kiew buchte und den Umstieg in München nutzte, um Asyl zu beantragen. Die Familien leben nun in einer Erstaufnahmeunterkunft, über ihre Asylanträge muss das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) entscheiden.

Ihre Aussichten sind nicht so schlecht. Türken haben mittlerweile eine sechsmal höhere Chance auf Asyl in Deutschland als noch vor einem Jahr. Die sogenannte Anerkennungsquote türkischer Asylsuchender beträgt 2018 über 42 Prozent, heißt es in der Asylgeschäftsstatistik des Bamf. 1103 Türken erhielten Stand Ende März in diesem Jahr schon Asyl in Deutschland, bei 1182 Personen wurde das Asylersuchen abgelehnt. Hinzu kommen 352 Fälle, in denen sich der Asylantrag aus anderen Gründen erledigte. In der Statistik der Herkunftsländer von Asylsuchenden ist die Türkei auf Platz 6 aufgerückt mit bisher 2091 Personen, die bis Ende März in Deutschland Asyl beantragten. Ganz vorne bei den Herkunftsländern steht nach wie vor Syrien (10 130 Personen), gefolgt von Irak (4720) und Nigeria (2908).  mm

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