Was bringt die verschärfte Maskenpflicht im Kampf gegen Corona?

Traunsteiner Infektiologe: „Korrekt angewendet bietet die FFP2-Maske mehr Sicherheit“

Infektiologe Professor Prof. Dr. med. Thomas Glück von den SOB Kliniken Traunstein
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Infektiologe Professor Prof. Dr. med. Thomas Glück von den SOB Kliniken Traunstein im Gespräch mit chiemgau24.de zur FFP2-Maskenpflicht in Handel und ÖPNV.
  • Marina Birkhof
    vonMarina Birkhof
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Wer in Pandemiezeiten einkaufen oder Bus und Bahn fahren möchte, darf dies nur mehr mit einer FFP2-Maske tun. Eine von vielen Verordnungen der Regierung, die die Infektionszahlen mit dem Coronavirus drücken soll. Wie die Maske richtig sitzt, damit sie auch wirklich schützt und warum die Corona-Impfung mittelfristig wohl der einzige Weg zurück in eine normales Leben ist, erklärt uns Professor Dr. med. Thomas Glück.

Traunstein - Die Verordnung der FFP2-Maskenpflicht in Handel und ÖPNV (Paid-Artikel rosenheim24.de) lasse erkennen, dass es der Staatsregierung darum gehe, die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern - insbesondere dort, wo Menschen auf engem Raum öffentlich zusammenkommen.

„Die Meinungen unter den Experten allerdings gehen auseinander, ob es sinnvoll ist, FFP2-Masken verpflichtend beim Einkaufen und im öffentlichen Personennahverkehr zu tragen“, erklärt Professor Glück, als chiemgau24.de sich bei dem Chefarzt der Inneren Abteilung an der Kreisklinik Trostberg sowie der Abteilung für Klinische Infektiologie der Kliniken Südostbayern nach seiner Ansicht der verschärften Maskenpflicht erkundigt.

Mehr Sicherheit - aber nur bei korrekter Anwendung der FFP2-Maske

Demnach sei es „nicht einfach damit getan, sich eine FFP2-Maske vor das Gesicht zu binden - das muss auch richtig gemacht werden.“ Der Professor ist überzeugt: „Insbesondere muss diese Maske sehr gut sitzen. Dadurch, dass sie höher filtert, hat sie auch einen höheren Atemwiderstand. Sind jedoch wesentliche Lecks vorhanden, indem sie nicht richtig anliegt, sucht sich die Ein- und Ausatemluft einen Weg über dieses Leck nach außen. Zudem muss der Nasenbügel modelliert werden, sodass die Maske vor allem um die Nase abschließt und korrekt sitzt.“

„Wird sie also korrekt angewendet bietet die FFP2-Maske entsprechend mehr Sicherheit“, fährt Professor Glück fort. Dies gelte jedoch nur für FFP2-Masken ohne Ausatem-Ventil, die mit seien ohnehin verboten. Asymptomatisch Infizierte, die noch gar nichts von ihrer Infektion wissen, könnten sonst völlig ungefiltert Viren in der Gegend verbreiten.

Verschiedene Filterleistungen: Schlauchtücher sogar „kontrapdroduktiv“

Die Filterleistung bei den verschiedenen Masken sei indes unterschiedlich zu bewerten: Die medizinische OP-Maske filtere etwa 70 bis 75 Prozent, Stoffmasken im Bereich von 50 Prozent und die FFP2-Maske bis zu 95 Prozent. Ganz schlecht hingegen würden Schlauchtücher in Untersuchungen abschneiden. Diese seien geradezu „kontraproduktiv, da sie die Tröpfchen, die ausgeatmet werden, noch feiner zerstäuben und verteilen“.

„Nicht jede Maske passt auf jedes Gesicht“

„Die Filterwirkung einer FFP2-Maske wird bei Personen mit Wangen- und Kinnbart sicherlich beeinträchtigt“, unterstreicht der Professor auf die Frage nach der Wirksamkeit von FFP2-Masken bei Bartträgern. Dort gehe ein mehr oder weniger großer Luftstrom, der nicht hindurch gefiltert werden könne, an der Maske vorbei.

Es müsse jedoch der Einzelfall betrachtet werden und es hänge auch immer mit der Struktur des Bartes zusammen. Für den Sitz der Maske aber sei es eindeutig besser, wenn kein Bart vorhanden sei, sich die Maske so an das Gesicht anschmiegen könne. Diese Ansicht teilt Professor Glück mit Dr. Gerd Schauerte, Leiter des CJD Asthmazentrums in Berchtesgaden, der die Maskenpflicht für uns bereits aus ärztlicher Sicht beurteilt hat (Paid-Artikel BGLand24.de). Es sei jedoch zu beachten, dass es unterschiedliche Gesichtsformen und Maskengrößen gebe. „Nicht jede Maske passt auf jedes Gesicht“, schließt Professor Glück seine Erklärung.

Professor Glück rät von Mehrfachverwendung der FFP2-Maske ab

Was die Tragedauer anbelangt empfiehlt er in Hinblick auf den Gesundheitsschutz: “Technisch gesehen darf man eine solche FFP2-Maske acht Stunden lang tragen. Danach sollte sie als Einmalprodukt entsorgt werden.“ Werde sie nur eine Stunde am Tag benutzt, weil man beispielsweise nur kurz einkaufen gehe oder im Bus sitze, liege die Vermutung nahe, dass die Maske mehrfach verwendet werden könnte. Allerdings werde die Maske insbesondere durch kondensierten Atem beim Sprechen kontaminiert.

„Es könnten sich so Bakterien vermehren, weshalb ich eher abraten würde, eine Maske über mehrere Tage herumliegen zu lassen und sie öfter zu tragen. Von Tipps zur Aufbereitung wie Waschen, desinfizieren im Backofen oder ähnlichen Vorgängen würde ich Abstand nehmen, weil die Maske dadurch ihre wesentlichen Eigenschaften verlieren kann.“ Fazit: Lieber eine neue verwenden - zumal die FFP2-Masken zu inzwischen bezahlbaren Preisen flächendeckend erhältlich sind.

Hoffnung auf Rückkehr der Normalität durch Corona-Impfung

Erfreulich in den Augen des Professors: „Wir sehen im Moment, dass die Sieben-Tage-Inzidenz im Trend nicht weiter ansteigt und die Fallzahlen sinken. Allerdings haben wir im Krankenhaus weiterhin viele Patienten, die aufgrund einer Covid-19- Infektion behandelt werden müssen.“

Er setzt daher alle Hoffnung in die Impfstoffe als Perspektive für die kommenden Monate: „Es stehen bereits sehr gut wirkende Impfstoffe zur Verfügung, die eine hohe Effektivität der Schutzwirkung besitzen und die auch peu à peu risikoabgestuft an die Bevölkerung und die Mitarbeiter im Gesundheitswesen prioritär verimpft werden. So erhält die ganze Bevölkerung Zug um Zug einen effektiven Schutz gegen das Coronavirus. Das könnte natürlich schneller vorangehen, wenn wir mehr Impfstoffe zur Verfügung hätten.“

Professor Glück appelliert abschließend an die Vernunft der Bürger, sich durch seriöse Quellen zu informieren und warnt vor Falschmeldungen, die in erster Linie übers Internet verbreitet werden: „Von Unfruchtbarkeit bis hin zum Implantieren von Chips: Das ist Unsinn, schürt aber dennoch Angst. Die Impfung ist hochwirksam und sicher - das wurde an vielen tausenden Menschen angewendet und erprobt, ohne dass wesentliche Nebenwirkungen aufgetreten sind. Mittelfristig ist die Impfung für uns die einzige Möglichkeit zu einem normalen Leben zurückzukehren, das wir uns alle sehr wünschen.“

mb

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