Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Lawinen-Tragödien in Österreich, der Schweiz und der Region

Rabenschwarzes Wochenende fordert zwölf Tote und zahlreiche Verletzte

Lawinen-Unglück Österreich Bayern rabenschwarzes Wochenende
+
Schwere Lawinenunglücke gab es seit Donnerstag (3. Februar) in den österreichischen und bayerischen Alpen.
  • Martin Weidner
    VonMartin Weidner
    schließen

Innsbruck/Kufstein/Landkreis – Es war ein rabenschwarzes (langes) Wochenende von Donnerstag (3. Februar) bis Sonntag (6. Februar): Bei mehreren schweren Lawinenunglücken in Tirol, Vorarlberg, der Schweiz und Bayern starben insgesamt zwölf Menschen. Mehrere Personen wurden darüber hinaus zum Teil schwer verletzt.

Das mit Abstand schlimmste Unglück ereignete sich am Freitag (4. Februar) im Gemeindebereich von Spiss in einem abgelegenen Teil von Tirol. Eine fünfköpfige Gruppe aus Schweden war zusammen mit dem einheimischen Bergführer im Skigebiet Ischgl/Samnaun abseits der Pisten unterwegs gewesen, als sich oberhalb eine 400 Meter breite Lawine löste. Ein Schwede wurde nur zum Teil verschüttet und konnte zunächst per Handy einen Freund in seinem Heimatland verständigen. Der informierte ein Mitglied der Gruppe in Österreich, das an diesem Tag nicht mit auf Tour gegangen war und die örtliche Polizei alarmieren konnte. Der 42-Jährige mit dem Handy überlebte als einziger – vier Opfer zwischen 43 und 47 Jahren sowie der Bergführer (42) kamen ums Leben. Spiss gilt als die höchstgelegene und einwohnermäßig kleinste Gemeinde in ganz Österreich und liegt nahe der Schweizer Grenze und dem Kanton Graubünden.

Zwei Tote in der Wildschönau bei Kufstein

Tödlich endete auch der Ausflug zweier Menschen, die am selben Tag in Tirol in der Wildschönau (Bezirk Kufstein) eine Skitour unternehmen wollten. Die 61-jährige Frau und ein 60-jähriger Mann waren im Gemeindebereich Auffach am Breitegg von einer Lawine verschüttet worden. Das Unglück schien zunächst niemand bemerkt zu haben. Erst als Angehörige am Abend Alarm schlugen, nachdem die beiden nicht zurückgekehrt waren, begann eine Suchaktion. In der Nacht auf Samstag konnten die beiden Tourengeher von der Polizei nur noch tot geborgen werden.

Darüber hinaus starb in Vorarlberg ein weiterer Skifahrer. Im Skigebiet Altona war eine vierköpfige Gruppe ebenfalls außerhalb der präparierten Pisten unterwegs, darunter ein staatlich geprüfter Snowboard-Führer. Die Gruppe wollte am Berg Knödelkopf vom Gipfel aus über freies Gelände in Richtung Albonabahn-Talstation abfahren. Beim Start des zweiten Skifahrers löste sich ein Schneebrett und riss ihn mit. Der 43-Jährige konnte zwar seine Lawinenairbag aktivieren und wurde schnell gefunden und ausgegraben. Aber trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen konnte er nicht mehr reanimiert werden.

Salzburger stirbt im Hochkalter-Gebiet bei Ramsau

Am Samstagvormittag (5. Februar) kam es im Schmirntal, in der Nähe des Brenners (Tirol), zu einem weiteren tödlichen Unfall. Im Bereich der Gammerspitze war eine weitere Lawine abgegangen und hatte insgesamt fünf Menschen mitgerissen und verschüttet. Ein Tourengeher, der in der Nähe unterwegs war, alarmierte die Rettung. Vier Menschen konnten verletzt gerettet werden, für einen 58-jährigen Österreicher kam jedoch jede Hilfe zu spät. Er konnte von den Rettungskräften nur noch tot aus einer Verschüttungstiefe von 1,40 Meter geborgen werden.

Am Mittag kam es dann zu einem laut Bergwacht „gewaltigen Lawinenabgang“ in der Ramsau (Landkreis Berchtesgadener Land). Das Schneebrett ging im Hochkalter-Gebiet im Bereich des Steintalhörndls nieder. Dabei wurde ein 61-jähriger Salzburger mehrere hundert Meter mit in die Tiefe gerissen und starb. Sein 41-jähriger Begleiter aus dem Salzburger Flachgau überlebte laut Bergwacht-Angaben mit einer Fußverletzung. Die beiden Tourengeher wollten eine Skitour auf das 2468 Meter hohe Steintalhörndl unternehmen.

Auch in der Schweiz gab es am Samstag ein tödliches Unglück: Oberhalb von Reckingen im Kanton Wallis starb ein 68-Jähriger, als eine Gruppe von insgesamt vier Skitourengeher von einer Lawine mitgerissen wurde. Zwei Personen wurden dabei vollständig verschüttet. Ihre beiden Begleiter konnten ihre Kameraden zwar lokalisieren und aus den Schneemassen befreien, doch für den Italiener (68) kam jede Hilfe zu spät, wie die Kantonspolizei Wallis in einer Medienmitteilung mitteilte.

Tödlicher Unfall im Steintalhörndl nach Lawinenabgang

Fotos: Einsatz am Steintalhörndl nach Lawinenabgang am 5. Februar 2022
Fotos: Einsatz am Steintalhörndl nach Lawinenabgang am 5. Februar 2022
Fotos: Einsatz am Steintalhörndl nach Lawinenabgang am 5. Februar 2022
Fotos: Einsatz am Steintalhörndl nach Lawinenabgang am 5. Februar 2022
Tödlicher Unfall im Steintalhörndl nach Lawinenabgang

Über 60 Lawinenabgänge seit Donnerstag

Insgesamt zählten alleine die Tiroler Behörden seit Donnerstag weit über 60 Lawinenabgänge. Mehrere Unfälle gingen dabei vergleichsweise glimpflich aus, waren aber mitunter nicht weniger dramatisch, wie der Fall einer Deutschen (20) zeigt. Die junge Frau war am Donnerstag (3. Februar) im Skigebiet Glungezer (Tirol) vor einer Lawine verschüttet und erst nach rund 15 Minuten befreit worden. Die Frau war zwar bewusstlos, überlebte jedoch und befindet sich inzwischen auf dem Weg der Besserung. Auch aus dem Ötztal und aus dem Bezirk Kitzbühel waren weitere Lawinenunfälle mit Verletzten gemeldet worden. 

In den Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen hatten die Behörden bereits vergangene Woche vor großer Lawinengefahr (Stufe 4 von 5) oberhalb der Waldgrenze gewarnt. In den Tiroler Bergen galt am Samstag die Warnstufe 3 von 5. Zwei Drittel aller Lawinenunfälle passierten bei dieser Gefahrenstufe, wie Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, erklärte: „Diese statistische Tatsache zeigt gerade auch die Gefährlichkeit dieser Lawinengefahrenstufe auf.“ Außerdem starb am Freitag (4. Februar) eine junge Münchnerin (23) bei einer Wanderung am Herzogstand in der Nähe des Walchensees (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen). In diesem Fall geht die Polizei jedoch von einem „alleinbeteiligten Bergunfall“ aus.

mw

Kommentare