Todkranke mit Kopfschüssen getötet – auf Verlangen?

Todkranke mit Kopfschüssen getötet – auf Verlangen? Weiden – War es Totschlag oder Töten auf Verlangen?

Auch nach der Scheidung hat ein 64-Jähriger aus der Oberpfalz seine todkranke Ex-Frau gepflegt. Dann soll er sie mit drei Kopfschüssen getötet haben. Vor Gericht behauptet er, den ersten Schuss habe die Frau abgegeben. Wegen Totschlags muss sich der Mann seit gestern vor dem Landgericht Weiden verantworten.

Laut Anklage hatte er der sterbenskranken 61-Jährigen am 4. Oktober 2013 mit einer Pistole zweimal in die Schläfe geschossen. Anschließend soll er ihr mit einer anderen Waffe in den Nacken gefeuert haben. Der Angeklagte sagt dagegen, dass seine Ex-Frau den ersten Schuss abgegeben habe. Laut Gutachten ist dies aber nicht möglich gewesen. Zum Prozessauftakt scheiterte der ehemalige Bauunternehmer mit einem Antrag, seinen Pflichtverteidiger von dem Mandat zu entpflichten. Dieser habe unter anderem ein privates technisches Gegengutachten nicht in Auftrag gegeben. Das Landgericht lehnte den Antrag ab. Das Vertrauensverhältnis zwischen Angeklagten und Verteidiger sei nicht erschüttert, betonte der Vorsitzende Richter Walter Leupold.

Anschließend schwieg der 64-Jährige. Sein Verteidiger geht von einem minderschweren Fall des Totschlags aus oder von Töten auf Verlangen. Das Paar hatte trotz der Scheidung zusammengelebt. Der Bruder des Opfers schilderte als Zeuge, dass die Insolvenz des Bauunternehmens der Grund für die Scheidung gewesen sei. „Sie waren nicht einen Tag voneinander getrennt.“ Auch nach der Krebserkrankung habe sich der Angeklagte immer um sie gekümmert, sie bis zu drei Mal im Krankenhaus besucht.

Kurz vor der Tat hatte die 61-Jährige wegen fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs eine Lebenserwartung von wenigen Wochen oder Monaten. Laut dem Bruder habe die 61-Jährige gesagt, sie wolle in die Schweiz zum Sterben. „Sie hätte sich nie erschossen. Sie hätte es anders gemacht.“ Er geht davon aus, dass Angeklagter und Opfer gemeinsam beschlossen hatten zu sterben, er aber dann nicht mehr den Mut gehabt hatte, sich selbst zu töten.

Nach der Tat war der Angeklagte mit 175 000 Euro, Goldmünzen und Wertsachen nach München gefahren und hatte sich mit der Nichte seiner Ex-Frau getroffen, die als Alleinerbin eingesetzt war. Laut Anklage hatte er ihr mitgeteilt, dass seine Ex-Frau sich erschossen habe. Zur Übergabe des Geldes kam es nicht. Er wurde in einer Tiefgarage in München festgenommen. Das Gericht verlas auch einen Abschiedsbrief der Frau an ihre Nichte. Darin berichtete sie von furchtbaren Schmerzen. „Kein Arzt der Welt kann mich noch retten. Es tut mir leid.“

Das Urteil wird Mitte August erwartet.  lby

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