Zu Tisch mit Stubentigern

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In der Maxvorstadt hat ein Café eröffnet, in dem Katzen spielen – es ist das erste seiner Art in Deutschland Wer im Café von Thomas Leidner an der Türkenstraße in der Maxvorstadt Kaffee trinkt, kann sicher sein, haarige Gesellschaft zu bekommen: Das „Café Katzentempel“ ist Deutschlands erstes Katzencafé – ein Lokal, das Katzen in Not eine Heimat gibt und zugleich Freunden der Samtpfoten die Möglichkeit, Zeit mit ihnen zu verbringen.

Bislang leben vier Stubentiger in dem veganen Café: Gizmo ist der Publikumsliebling und Rudelführer. Dann sind da noch der dreibeinige Jack, die verschmuste, langhaarige Ayla und Balou, der Jüngste im Bunde.

Die Idee zum Café kam Leidner vor einem Jahr in Wien. Seine Freundin lud ihn zum 30. Geburtstag ins „Café Neko“ ein, eines von drei Cafés in Europa mit tierischen Bewohnern. „Neko“ bedeutet auf Japanisch „Katze“ und weist auf den Ursprung der Katzencafés hin, auf Japan, wo es schon lange Katzencafés gibt. Dort muss man für die Gesellschaft der Stubentiger sogar bezahlen.

In München ist das anders. Da steht nicht der Showeffekt im Vordergrund: „Ich wollte mich immer schon im Tierschutz engagieren, ich wusste nur nicht, in welcher Form“, sagt Leidner, der die Katzen bei der Tierschutzorganisation „Rassekatzen in Not“ ausgesucht hatte. Die Organisation vermittelt Katzen, die aufgrund eines Makels vom Züchter aussortiert werden.

Um das Katzencafé in die Tat umzusetzen, musste Leidner viel Überzeugungsarbeit leisten und zahlreiche Genehmigungen einholen. Schließlich bezweifelten die Behörden zunächst, ob die hygienischen Standards in einem solchen Lokal eingehalten werden können. „Ich brauchte eine Erlaubnis vom Veterinär-, Gesundheits- und Lebensmittelamt. Sogar eine praktische Prüfung beim Tierheim musste ich absolvieren.“

Die Behörden machten zur Auflage, dass die Küche für die Katzen nicht zugänglich ist. Die Gerichte werden durch eine Klappe von der Küche ins Café gereicht – unter einer durchsichtigen Haube. „Das Küchenpersonal darf nicht ins Café rein, wir Kellner nicht in die Küche“, sagt Leidner. So sollen die der Hygiene-Standards garantiert werden. Und wie gefällt es den Katzen im Café? „Sie fühlen sich superwohl“, erzählt Leidner, „sie dürfen zwar nicht raus, auf der Straße ist viel zu viel Verkehr, aber sie haben bisher auch keine Anstalten gemacht.“

Leidner hat schon viele Stammgäste. Zum Beispiel eine Studentin, die in ihrer Wohnung keine Katze halten darf. Zum ersten Mal da sind die Studenten Eva Wittner, 21 und Felix Glocker, 20. Die beiden haben selbst keine Katze und kommen vor allem wegen des veganen Essens und der entspannten Atmosphäre her. Auch für die Schülerin Franziska Grundner, 20, sind die Katzen „nur ein netter Nebeneffekt“, wie sie sagt.

Tatsächlich ist das „Café Katzentempel“ keine plüschige Couchlandschaft inklusive Katzenhaare. Sondern modern eingerichtet mit einem plätschernden Minispringbrunnen. Überall gibt es Spiel- und Ruhemöglichkeiten für die Tiere: Regaltreppen an der Wand zum Klettern, Kratzbäume, eine Kiste mit Federn, Korken und Tischtennisbällen. Außerdem gibt es einen Extraraum für Gizmo, Ayla, Jack und Balou, der nur durch eine Katzenklappe zugänglich ist. Hierher können sie sich zurückziehen, sollten ihnen die streichelnden Hände zu viel werden: Auch Futternapf, Körbchen und Katzenklo stehen dort.

Gizmo und sein Rudel werden bald Gesellschaft bekommen: Leidner hat vor, noch zwei weitere Katzen in das Café zu holen. Er selbst hat in den Tagen vor der Eröffnung sogar im Café übernachtet: „Ich bin Teil des Rudels“, sagt er und lacht.

franziska Günther

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