Tierschützer späht Firma aus

Der 34-jährige Tierschützer hat heimliche Aufnahmen in einer Bettfedern-Firma gemacht. Deswegen stand er vor Gericht. dpa
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Der 34-jährige Tierschützer hat heimliche Aufnahmen in einer Bettfedern-Firma gemacht. Deswegen stand er vor Gericht. dpa

Ein Tierschützer hat im Kreis München heimlich bei einer Bettfedern- Firma gefilmt. Er wollte damit Tierquälereien aufdecken. Deswegen stand er nun vor dem Landgericht. Dort lobte ihn sogar der Richter. Zahlen muss er trotzdem.

Gericht

Ein Tierschützer hat im Kreis München heimlich bei einer Bettfedern- Firma gefilmt. Er wollte damit Tierquälereien aufdecken. Deswegen stand er nun vor dem Landgericht. Dort lobte ihn sogar der Richter. Zahlen muss er trotzdem.

Von Eberhard unfried

München – „Verurteilt die Tierquäler, nicht die Tierschützer!“ Das war ihr Motto. Rund 60 Menschen haben gestern für einen Freispruch für den Journalisten und Tierschutz-Aktivisten Friedrich Mülln, 34, demonstriert. Dieser hatte einen Strafbefehl über 3500 Euro erhalten, weil er heimlich aufgenommenes Video-Material „über die tierquälerische Gewinnung von Bettfedern und Daunen“, so die Anklage, in TV-Beiträgen verwendet hatte.

Gestern war die Verhandlung vor Gericht. Zielobjekt von Müllns „Soko Tierschutz“ war eine Firma im Kreis München: Handelt das Unternehmen mit Federn von lebend gerupften Gänsen aus Ungarn und Polen? In diesen Ländern hatten Mülln und seine Freunde Bilder aufgenommen, wie Arbeiter die Tiere brutal am Hals packen und ihnen die Brustfedern ausreißen, so dass die Tiere danach bluten. In Deutschland ist die Lebendrupfung von Gänsen untersagt.

Mastgänse, die gewöhnlich als Weihnachtsbraten enden, sagt Mülln, werden dreimal in ihrem kurzen Leben gerupft. „Muttergänse müssen das rund zehnmal über sich ergehen lassen.“ Bei dem Unternehmen aus dem Kreis München lieferte ein Informant Müllns einen Hinweis dafür, dass auch hier mit Federn aus Lebendrupf gehandelt wird. Die ausgepähten Mitarbeiter erstatteten allerdings Strafanzeige. Wegen „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“ klagte die Staatsanwaltschaft Mülln an. „Es geht uns um die Pressefreiheit“, sagte Mülln vor dem Prozess. „Wenn ich verurteilt werde, kann es jeden investigativ tätigen Journalisten treffen.“

Solche Kampfeslust war bei Richter Alexander Metz nicht nötig. „Ich persönlich begrüße Ihre Arbeit für den Tierschutz“, sagte Metz. Er habe sich die Reportage angeschaut und sei über die Qualen der Gänse entsetzt gewesen. Richter Metz sagte: „Es braucht Menschen wie Sie, die sich für die Tiere einsetzen.“ Freisprechen wollte Metz den Angeklagten allerdings nicht. Das Gesetz verbiete es eben, dass das nicht-öffentlich gesprochene Wort öffentlich gemacht werde. Er regte eine Einstellung des Verfahren gegen eine Geldauflage an: 1500 Euro für das Münchner Tierheim.

Mülln stimmte nach Rücksprache mit seinem Anwalt zu. Richter Metz sagte zum Abschied: „Setzen Sie sich weiter für den Tierschutz ein!“ Müllns Freunde und Sympathisanten wollen jetzt für die Geldauflage zusammenlegen.

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