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Kriminalfall in einem Roman aufgerollt

„Tief in der Erde“ – die Geschichte der entführten Ursula Herrmann vom Ammersee

„Tief in der Erde“ – so heißt der Roman von Christa von Bernuth, der am 15. März erscheint. Die Geschichte: der Fall Ursula Herrmann. Ein zehnjähriges Mädchen vom Ammersee, das im Jahr 1981 entführt, in einer Kiste im Wald vergraben wurde – und dort erstickte. Ein Fall, hinter dem bis heute viele Fragezeichen stehen.

Eching am Ammersee – Die Protagonistin in Christa von Bernuth Roman heißt Annika Schön. Annika ist mit dem Rad auf dem Nachhauseweg. Aber sie kommt nie an. Tagelang dauert die Suche. Dann macht die Polizei einen erschreckenden Fund: eine im Wald vergrabene Kiste. Darin das erstickte Mädchen.

Wer hat Annika das angetan? Wer ist ihr Entführer? Heiße Spuren werden von den Ermittlern nur halbherzig verfolgt. Irgendwann wird ein Verdächtiger in einem Indizienprozess verurteilt. Doch ist er der wahre Mörder von Annika? Es bleiben Zweifel.

In einer Kiste in der Erde vergraben hatte ein Entführer die 10-jährige Ursula Herrmann eingesperrt. Sie erstickte in ihrem Gefängnis.

Was Annika Schön im Roman widerfährt, ist keine grauenvolle Fiktion. Es ist eins zu eins das, was die zehnjährige Ursula Herrmann von ihrer Entführung bis zum qualvollen Erstickungstod im Jahr 1981 durchleiden musste. Autorin Christa von Bernuth hat in ihrem Erstlingswerk die Geschichte neu aufgerollt, recherchiert und aufgeschrieben – auf der Suche nach der Wahrheit, was damals wirklich geschah.

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Plötzlich taucht ein Bekennerschreiben auf

Die Entführung und der Tod der kleinen Ursula Herrmann sorgen auch nach vier Jahrzehnten noch für viel Aufmerksamkeit. Er kürzlich kam zu der langen Geschichte ein weiteres Kapitel hinzu. Bei den Ermittlern und bei Medienunternehmen ist ein angebliches Bekennerschreiben eingegangen.

Bei einer Pressekonferenz am 30. Mai 2008 in Augsburg wird ein Nachbau der Kiste präsentiert, in der Ursula Herrmann gefangen war.

Ist es ein Trittbrettfahrer, der den bekannten Kriminalfall nutzen will, um eine andere Person anzuschwärzen? «Es gibt nichts Neues», sagte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai kurz nachdem das Bekennerschreiben aufgetaucht war. Es gebe durch die Briefe keine neue Wende im Fall Ursula Herrmann.

Der Verurteilte bestreitet die Tat bis heute

Die zehnjährige Ursula war im Jahr 1981 am Ammersee verschleppt worden. Das entführte Mädchen wurde damals in einer vergrabenen Kiste eingesperrt, die Schülerin erstickte. Erst nach 27 Jahren wurde ein Beschuldigter festgenommen und dann zu lebenslanger Haft verurteilt. Er bestreitet, der Kidnapper zu sein. Bis heute gibt es Zweifel, ob der Richtige verurteilt wurde oder ob es Mittäter gab.

Der Roman

Tief in der Erde, Autorin: Christa von Bernuth, Verlag: Goldmann, ISBN: 978-3-442-31573-4, Erscheinungsdatum: 15. März 2021, Preis: 16 Euro.

Nun wurde also die Augsburger Staatsanwaltschaft mit dem sogenannten Bekennerschreiben konfrontiert. In dem Brief wird eine Person namentlich benannt und schwer belastet. Doch konkrete Hinweise auf einen wirklichen weiteren, oder gar einen anderen Täter in dem Fall gebe es nicht, sagt Nickolai.

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Menschenraub mit Todesfolge – ein verjährtes Verbrechen

Doch selbst wenn es um ein echtes Bekennerschreiben ginge, in dem sich ein Mittäter selbst bezichtigt, würde das Verbrechen bei der Anklagebehörde nicht noch einmal groß aufgerollt. «Das führt zu nichts, weil die Tat verjährt ist», betont der Oberstaatsanwalt. Denn letztlich gehe es juristisch um erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge - und nicht um einen Mordfall, für den es keine Verjährungsfrist gibt.

Die Leiche der Schülerin Ursula Herrmann wird am 4. Oktober 1981 in einem Sarg abtransportiert. Das Mädchen war erstickt, weil die Belüftungsanlage der Kiste nicht funktionierte.

Dennoch will die Staatsanwaltschaft wissen, wer hinter den mysteriösen Briefen steckt. «Urheberschaft und Hintergründe zu den Schreiben werden geprüft», sagt Nickolai. Details zum Inhalt der Briefe will er vorläufig nicht nennen.

Hat der Verfasser des Bekennerschreibens Insiderwissen?

Auch Rechtsanwalt Joachim Feller, der den Bruder von Ursula Herrmann vertritt, geht von keinem echten Bekennerschreiben aus. «Das Schreiben ist in sich sehr schlüssig. Insoweit bleiben natürlich Restzweifel, ob der Verfasser des Bekennerschreibens gegebenenfalls Insiderwissen hat», zitierte die «Augsburger Allgemeine» den Anwalt.

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Vor einigen Jahren versuchte Ursula Herrmanns Bruder mit einem Zivilverfahren gegen den rechtskräftig verurteilten Entführer den Fall nochmals aufrollen zu lassen - denn selbst Michael Herrmann bezweifelt die bisherige Version der Justiz. «Vieles spricht dafür, dass ein Unschuldiger seit zehn Jahren im Gefängnis sitzt», schrieb er deswegen 2018 in einem offenen Brief. (ki/dpa)

Der Fall Ursula Herrmann – Chronologie eines Verbrechens

  • September 1981: Am 15. September wird Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee auf dem Nachhauseweg entführt und in ein Waldstück zwischen Schondorf und Eching verschleppt. Dort wird sie in einer im Waldboden vergrabenen Holzkiste eingesperrt.
  • September 1981: Einige Tage nach der Entführung geht bei Ursulas Eltern ein Erpresserbrief ein. Sie werden aufgefordert, ein Lösegeld in Millionenhöhe zu zahlen.
  • Oktober 1981: Rund drei Wochen nach der Entführung wird am 4. Oktober die Holzkiste mit der Leiche des Mädchens entdeckt. Nach dem Obduktionsergebnis war die Zehnjährige Stunden nach dem Kidnapping erstickt, da die Luftzufuhr zu der Kiste mit Laub verstopft war. In der Kiste wurden Lebensmittel und Kinderbücher gefunden.
  • 2002: Die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» berichtet erneut über den Fall. Es gehen zahlreiche Hinweise ein, darunter aber keine heiße Spur.
  • 2006: Ein in Taiwan inhaftierter Deutscher wird verdächtigt, Ursulas Mörder zu sein. Die Spur erweist sich als falsch.
  • 2008: In Schleswig-Holstein wird ein 58-Jähriger unter dringendem Tatverdacht verhaftet. Es soll sich um den mutmaßlichen Entführer handeln. Er war schon früher verdächtigt worden, es fehlten aber Beweise.
  • Februar 2009: Vor dem Landgericht Augsburg beginnt der Indizienprozess gegen den Mann und dessen Ehefrau. Ihm wird erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge vorgeworfen, seiner Ehefrau Beihilfe dazu.
  • März 2010: Der Angeklagte wird zu lebenslanger Haft verurteilt, seine Frau wird aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Ursulas Bruder, Michael Herrmann, äußert Zweifel an dem Urteil: «Es wird Recht gesprochen, aber es geschieht keine Gerechtigkeit.»
  • Januar 2011: Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe bestätigt das Urteil gegen den inzwischen 60 Jahre alten Angeklagten.
  • Juni 2016: Ursulas Bruder Michael Herrmann verklagt den Täter auf 20.000 Euro Schmerzensgeld. Herrmann will mit dem Zivilprozess auch die zahlreichen Rätsel des Falls noch einmal aufrollen. Der Bruder geht davon aus, dass es mehrere Mittäter gegeben hat. Auch die Verbindung des Falls Herrmann zu einem späteren Mord in München wurde nie aufgeklärt - an beiden Tatorten wurde die gleiche DNA-Spur sichergestellt. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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