Tempo 80 soll Leben retten

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Auf schmalen Landstraßen soll bald durchgehend Tempo 80 gelten – das fordern Verkehrsexperten. Auf einigen Strecken, wie hier zwischen Gelting und Eurasburg, dürfen Autos schon jetzt höchstens 80 km/h fahren. foto: sabine hermsdorf

120 auf der Autobahn, 30 in der Stadt: Diskussionen über Tempolimits kommen immer wieder auf. Jetzt fordern Experten Tempo 80 auf Landstraßen. Grund: Hier passieren die meisten tödlichen Verkehrsunfälle. Nicht jedem gefällt die Idee.

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120 auf der Autobahn, 30 in der Stadt: Diskussionen über Tempolimits kommen immer wieder auf. Jetzt fordern Experten Tempo 80 auf Landstraßen. Grund: Hier passieren die meisten tödlichen Verkehrsunfälle. Nicht jedem gefällt die Idee.

von marcus mäckler

München – Es sind die immer gleichen Szenarien: Einer kommt von der Fahrbahn ab und überschlägt sich, ein anderer fährt zu schnell in eine Kurve und prallt gegen einen Baum. Besonders häufig ereignen sich solche Unfälle auf Landstraßen. 2013 starben hier bundesweit knapp 2000 Menschen. Allein im ersten Halbjahr 2014 verloren in Bayern 180 Menschen auf Landstraßen ihr Leben.

Die Verkehrsexperten, die sich von Mittwoch bis Freitag im niedersächsischen Goslar zum Deutschen Verkehrsgerichtstag treffen, wird dieses Thema beschäftigen. Schon im Vorfeld ist ein Vorschlag durchgesickert, der für mehr Sicherheit sorgen könnte. Für Straßen, die schmaler als sechs Meter sind, fordert der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) ein Tempolimit von 80 km/h. So ließen sich die hohen Unfallzahlen senken.

Ein sinnvoller Vorschlag, findet Verkehrsexperte Christoph Hecht vom ADAC. Dass bislang auf Landstraßen allgemein Tempo 100 gilt, hält er schon deshalb für nicht nachvollziehbar, weil die Straßen höchst unterschiedlich ausgebaut sind. „Es gibt Bundesstraßen, die sind fast autobahnähnlich“, sagt Hecht. Andere Fahrbahnen kämen eher wie holprige Gemeindestraßen daher. Solange sie außerorts verlaufen und keine Autobahnen sind, fallen sie aber per Definition unter den Begriff Landstraße.

Folge: Viele Verkehrsteilnehmer denken, Tempo 100 sei in jedem Fall in Ordnung – und passen ihre Geschwindigkeit auch bei schlechten Wetterverhältnissen auf schlechten Fahrbahnen nicht an. Tempo 80 auf manchen Strecken – für Hecht wäre das ein erster Schritt zu mehr Sicherheit.

Im bayerischen Verkehrsministerium ist man dagegen von dem Vorschlag wenig begeistert. „Von einer generellen Regelung auf schmalen Straßen halten wir nichts“, sagte ein Sprecher. Über Tempolimits sei von Fall zu Fall zu entscheiden. Dabei spiele nicht nur die Fahrbahnbreite eine Rolle, sondern etwa auch der Verlauf der Straße. Häuften sich die Unfälle an einer Stelle auffällig, werde darum stets die örtliche Polizei zur Beratung ins Boot geholt.

Die ist sich bei der Tempo-80-Idee uneins. Johannes Bauer, Verkehrsexperte der Starnberger Polizei, fürchtet zum Beispiel, noch ausdifferenziertere Tempo-Regelungen führten zu noch mehr Beschilderung. Lieber sollten Verkehrsteilnehmer mehr Verantwortung zeigen und sich den Straßenverhältnissen anpassen. Dafür plädiert auch Richard Wacht aus der Dachauer Inspektion. Die Erfahrung zeigt aber anderes: „Wir wären schon froh, wenn sich die Verkehrsteilnehmer an Tempo 100 halten würden.“

Schon jetzt gibt es Richtlinien, die beim Neubau von schmalen Landstraßen zumindest die Prüfung niedriger Tempolimits von 70 km/h vorsehen. Mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung allein ist es aber nicht getan, sagen auch die Experten. DVR-Hauptgeschäftsführer Christian Keller plädiert daher für mehr Überholverbote und dreispurige Landstraßen. WEnn mal die eine und dann die andere Seite überholen kann, ist der Überholdruck nicht da.“

ADAC-Experte Hecht fordert zudem, sich künftig auch um den Raum seitlich der Straße besser zu kümmern. Viele Unfälle passieren nämlich dadurch, dass Autos gegen Bäume am Straßenrand prallten. Daher müssten auch bestehende Straßen mit Leitplanken nachgerüstet werden, um die Wucht eines Aufpralls zu mindern.

Diesen Vorschlag wird Hecht für den ADAC beim Verkehrsgerichtstag einbringen, Tempo 80 wird er unterstützen. „Ich hoffe, dass am Ende eine Resolution steht.“

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