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Tenglinger neuer Kreisobmann für Traunsteins Bauernverband

Appell an Politik: Was sich Johann Steiner für die Landwirte wünscht

Landwirt Johann Steiner neuer Kreisobmann Traunsteins
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Johann Steiner betreibt eine konventionelle Milchviehwirtschaft auf seinem Hof in Tengling bei Taching am See. Seit 20. Juli ist er neuer Kreisobmann Traunsteins.
  • Marina Birkhof
    VonMarina Birkhof
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Neugierig lugen die Kühe aus ihrem Offenstall. Johann Steiner kennt alle seine Tiere beim Namen, inklusive dem Nachwuchs. Wer mehr erfahren möchte, dem erklärt der Tenglinger das Hofleben bei Bedarf auch mit Händen und Füßen. Der neue Kreisobmann Traunsteins bricht eine Lanze für die Landwirtschaft - allerdings nicht ohne den ein oder anderen Seitenhieb auf die Politik.

Taching/Tengling„In der Landwirtschaft muss man flexibel agieren“, beginnt Johann Steiner das Gespräch mit chiemgau24.de. Wir besuchen den 57-Jährigen auf seinem Hof auf einer Anhöhe in Tengling. Im Juli wurde er vom Bayerischen Bauernverband (BBV) für den Landkreis Traunstein zum neuen Kreisobmann gewählt.

„Bauer mit Leib und Seele“ - doch es ist nicht alles Gold, was glänzt

Steiner führt im Familienbetrieb eine konventionelle Milchviehhaltung mit 90 bis 100 Tieren samt Zucht. Gemolken wird ohne Roboter und per Muskelkraft. Zum Hof dazu gesellen sich 70 Hektar Ackerfläche, 20 davon gepachtet, sowie 19 Hektar eigener Wald.

Steiner sei „Bauer mit Leib und Seele“. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht. Daher liege es ihm am Herzen, die Leute aufzuklären, was es heutzutage eigentlich bedeutet, „Bauer“ zu sein.

Nachwuchs auf dem Steinerhof in Tengling: Insgesamt 90 bis 100 Tiere hält Johann Steiner in konventioneller Milchviehhaltung.

Wir Landwirte arbeiten nach Witterung, nicht nach dem Kalender. Doch in den Ämtern kommt das häufig nicht an“, erklärt Steiner in Bezug auf verstärkte Vorgaben und Einschränkungen seitens der Politik. Er wünscht sich mehr praxisorientiertes Denken. Als Beispiel nennt er das Walzverbot ab April zum Schutz von Wiesenbrütern. „Es wird immer schwieriger“, konstatiert er nüchtern.

Kritik an Stilllegung von vier Prozent Ackerfläche ab 2023

„Volksbegehren ‚Rettet die Bienen‘ zum Schutz der Biodiversität schön und gut, aber dann möchte ich in keinem Neubaugebiet Steingärten oder Mähroboter sehen. So dürfte auch jeder Privatmann seinen Rasen erst ab August mähen - und nicht jeden Samstag. Uns Landwirten werden Vorgaben gemacht, die wir verpflichtend umsetzen und uns umstellen. Viel wichtiger aber wäre es, wenn jeder Einzelne einen Teil dazu beiträgt“, appelliert Steiner.

Als weiterführendes Beispiel führt er die Pflicht zur Stilllegung von vier Prozent landwirtschaftlicher Fläche an. Die EU-Kommission hat beschlossen, dass ab 2023 in ganz Europa auf mindestens vier Prozent Ackerfläche nichts mehr wachsen soll - zum Vorteil der Fruchtfolge.

Bundesweit fehlen damit rund 200.000 Hektar Fläche, umgerechnet 1,2 bis 1,4 Millionen Tonnen Weizen. Den Ausfall müssen wir Landwirte kompensieren, indem wir zukaufen. Das wäre dasselbe Szenario, als würde man einem Hausbesitzer sagen, er dürfe auf seinem Balkon nur mehr Blumen und keine Tomaten pflanzen. Statt Tomaten selbst zu ernten könne er diese ja auch einkaufen. Diesen Vergleich sollte sich ein jeder mal vor Augen führen.“

Wegen Trockenheit und Hitze: Sommerernte 2022 sehr früh

Neben den politischen Richtlinien müssen sich die Landwirte auch immer nach dem Wetter richten. 2022 sei ein Jahr, in dem sehr früh geerntet werde. „Wir waren Anfang August mit der Weizenernte schon durch, zwei bis drei Wochen eher als sonst. Normalerweise ist der Stichtag der 15. August“, erklärt Steiner in Bezug auf die Wettersituation.

Im Kreis Traunstein sei man noch in der glücklichen Lage, dass es genügend Niederschlag bislang gegeben habe. Doch auch hier gebe es Unterschiede: Fallen in Reit im Winkl 1400 Liter pro Quadratmeter im Jahr sind es in Engelsberg an der Landkreisgrenze zu Altötting nur noch 800.

Ein Blick in die Oberpfalz offenbare wegen Regenmangels sogar 20 bis 30 Prozent weniger Ernteertrag. Dafür sei es speziell im Kreis Traunstein im Frühjahr viel zu nass gewesen - und ohne Schnee haben Unkraut und Schädlinge leichtes Spiel.

Getreidesorten, die resistenter gegen Wetterextrema sind, stellen hierzulande Silo- oder Körnermais sowie diverse Sorten an Sojabohnen dar. Geerntet wird je nach Sorte ab September.

Trockene heiße Sommer, die habe es schon immer gegeben, betont Steiner und erinnert sich an das Jahr 1977, als der Mähdrescher auch schon im Juli auf die Felder gebracht wurde zum Dreschen. Genauso verhalte es sich mit Unwettern: „Vor circa 30 Jahren gab es eine Überschwemmung in Taching. 2020 richtete ein Sturm so ziemlich den selben Schaden wie Anfang der 90er-Jahre an.“

Den Klimawandel aber möchte Steiner nicht leugnen. „Es wird wärmer, definitiv. Doch Wetterereignisse, die uns Landwirten den Ertrag kosten hat es auch früher schon gegeben“, betont der Tenglinger und schließt damit den Bogen zurück der Flexibilität in der Landwirtschaft.

mb

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