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Extremes Unwetter in der Region

Im Auge des Sturms: Mit „Stormchaser“ Dave auf der Jagd nach der HP-Superzelle

Dem Unwetter auf der Spur: Unterwegs mit Stormchaser David „Dave“ Gruber
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„Stormchaser“ Dave auf der Suche nach dem perfekten Sturm-Bild.
  • Sascha Ludwig
    VonSascha Ludwig
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Wenn sich der Himmel draußen verdunkelt, die Menschen ihr Zuhause sturmsicher machen und die eigenen vier Wände nur noch im Notfall verlassen wollen, dann schlägt die Stunde der Sturmjäger. Wir haben einen von Ihnen einen Tag lang durch die Region begleitet - und spannende Bilder sowie Erfahrungen mitgebracht.

Landkreise - Bereits früh entdeckte David „Dave“ Gruber aus Kastl seine Leidenschaft für schlechtes Wetter: „Meine Großeltern wollten mich schon wo ich noch klein war, immer reinholen - ich war aber lieber draußen und habe den Wolken und den Blitzen zugeschaut“, erinnert sich der Stormchaser von sturmjäger.tv im Gespräch mit rosenheim24.de. Wir haben Dave am Montag (27. Juni) getroffen und uns zusammen mit ihm auf die Jagd gemacht - einmal quer durch die gesamte Region.

Startpunkt Dorfen - „Zentral im Gebiet auf Lauerposition“

Als wir uns an der Autobahn-Ausfahrt Dorfen um 14 Uhr treffen, stehen die Vorzeichen sprichwörtlich auf Sturm: „Die verschiedenen Wetter-Modelle haben für heute eine echte Extremsituation berechnet. Wenn alles nach Plan verläuft, kracht es heute gewaltig“, berichtet Dave mit Blick auf die verschiedenen Wetter-Apps auf seinem Smartphone. Bereits am Sonntag (26. Juni) hatten seine Kollegen vom Wetterkollektiv „Himmel im Südosten“ vor dem Schlimmsten gewarnt. Schorsch Nieder von DeHiSO: „Seit nunmehr zwei Tagen sind wir in Alarmbereitschaft. Denn spätestens seit da war klar: der Montag könnte heftig werden. Seitdem sehen wir uns im Team alle Läufe der gängigen Modelle an und analysieren sie.“ Dave hat dabei ein ganz besonderes Phänomen im Blick; die sogenannte HP-Superzelle.

Die aktuelle Wetter-Situation immer im Blick auf dem Smartphone

Von einer Superzelle spricht man immer dann, wenn sich mehrere, kleinere Zellen zu einer Größeren zusammengeschlossen haben. „In der Mitte entstehen stärkere Aufwinde und am Rande stärkere Abwinde. Die Windgeschwindigkeiten können dabei innerhalb der Wolke über 300 km/h erreichen“, erklärt Dave. Dabei kommt es in der Regel zu sehr heftigen Niederschlägen, Hagelschauern und gelegentlich sogar zur Entstehung von Tornados. Um kurz vor 16 Uhr zeigen die elektronischen Karten die Bildung von ersten Zellen im Bereich der Zugspitze bei Garmisch-Partenkirchen. Wenige Minuten „zünden“ diese; erste Blitze entladen sich am Alpenrand.

Schwere Gewitter in den Alpen - Augen auf den Himmel

„Jetzt wird es interessant“, folgert Dave und: „Ab jetzt heißt es nur noch den Himmel beobachten und das Radar checken.“ Für diesen Zweck greift Dave auf eine spezialisierte, amerikanische App zurück. Im „Mutterland der Stormchaser“ geht eine ungleich größere Community diesem Hobby nach, in Deutschland sei die Gemeinschaft noch relativ überschaubar. Und dennoch: Sturmjäger aus dem ganzen Bundesgebiet haben sich am heutigen Tag in den Süden begeben, erzählt Dave. „Man braucht am Anfang jede Menge Geduld, doch dann geht alles auf einmal ganz schnell.“

Gesagt, getan: Wir verlagern unsere Position vom Ausgangspunkt in Dorfen in Richtung Chiemgau - direkt in die berechnete Zug-Bahn des Gewitters. Um kurz nach 17 Uhr - wir befinden uns bereits in der Nähe von Mühldorf - entwickelt sich das Unwetter weiter. „Storm-Split“ nennt der Sturmjäger und hauptberufliche Gutachter für Unwetter-Schäden das Phänomen: Die Gewitterzelle hat so viel Kraft angesammelt, dass sie sich aufteilt. Rund 45 Blitze pro 10 Minuten gehen aktuell im Bereich Murnau nieder; erste Hagelkörner mit drei bis vier Zentimetern Durchmesser werden gemeldet. Die Zelle legt an Geschwindigkeit massiv zu; Zug-Richtung Nord-Ost bis Ost.

Warme Luft wird vom Gewitter förmlich eingesaugt; durch den „Inflow“ nimmt die Energie der Zelle teils stark zu.

Um 17.50 Uhr - auf halbem Weg zum Chiemsee - dann das nächste Ereignis. Der Zellkern beginnt, sich hakenförmig um das rotierende Aufwindfeld der Gewitter-Formation zu wickeln. „Hook-Echo“ nennt der Sturmjäger diese Konstellation; „und ein mögliches Anzeichen dafür, dass sich hier sogar ein Tornado entwickeln kann.“ Das Gewitter zieht weiter in Richtung Rosenheim, aus dem Süden wird erneut Hagel, diesmal mit einem Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern, gemeldet.

Ab sofort reden wir definitiv von einer Superzelle“, so Dave. Am Chiemsee - genauer in Prien auf der Ratzinger Höhe - angekommen, richten wir unseren Blick in Richtung Süd-Westen. Doch dann passiert etwas Seltsames: Die Gewitterfront verliert schlagartig an Geschwindigkeit. In Richtung Rosenheim sind ergiebige Niederschläge erkennbar; ein warmer Wind weht kräftig aus Nord-Ost. Es scheint fast so, als ob die Zelle kurz vor dem Chiemsee auf eine unsichtbare Wand getroffen ist und schlagartig abflaut.

Am rechten Bildrand ist noch ein großer Regel-Kegel zu sehen, die Gewitterzelle hat sich allerdings schon fast vollständig aufgelöst.

Schwerer Hagel im Süden - Geringe Schäden in der Region

Wir entscheiden uns, direkt in Richtung des Gewitters zu fahren. Mittlerweile haben sich im Werdenfelser Land weitere Zellen gebildet; ein Teil zieht in Richtung München, ein Teil hangelt sich am Alpenrand entlang in Richtung Osten. Auf dem Weg auf der A8 in Richtung Irschenberg ist die Lage allerdings ruhig, die nasse Fahrbahn sowie ein noch immer bedeckter Himmel sind die letzten Zeugen der zuvor gefährlichen Gewitter-Zelle.

An der Raststätte Irschenberg angekommen richtet sich unser Blick gen Süden. Ein beinahe permanentes Grollen ist zu hören, in den Bergen sind einzelne Blitze zu sehen. Zu einer Superzelle entwickeln will sich allerdings kein Gewitter mehr an diesem Tag. Noch immer ist Dave ein wenig ratlos, warum das Unwetter kurz vor dem Chiemsee plötzlich aufgehört hat. „Vielleicht liegt es an einer Trockenschicht in der Luft; komischerweise liegt aber auch die Wolkenbasis ziemlich hoch.“

Die besten Bilder von sturmjäger.tv

Eindrucksvolle Aufnahmen von Blitzen, Stürmen und Unwettern im Süden von Bayern
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Mit seiner Kamera für seine Facebook-Seite sturmjäger.tv eingefangen hat Dave heute leider keine Superzelle. Am Ende unserer Tour durch die Region ist er dennoch zufrieden: „Klar, einerseits habe ich heute viel Zeit und vor allem Sprit investiert. Auf der anderen Seite bin ich aber auch froh, dass es nicht schlimmer gekommen ist und größere Schäden entstanden sind.

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