Stromausfall in Haag verursachte Milchwerk Jäger 200.000 bis 300.000 Euro Schaden

Musste vernichtet werden: diese Käsemilch der Molkerei Jäger.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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  • Ludwig Meindl
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Haag – Von 200 000 bis 300 000 Euro Schaden geht das Milchwerk Jäger in Haag aus. Grund: ein neunstündiger Stromausfall, der die Produktion lahmlegte. 220 000 Kilo Käse-Kesselmilch konnten nicht verarbeitet und mussten entsorgt werden.

Update 18. Februar

 „So etwas hat es bei uns noch nie gegeben“, sagt Geschäftsführer Hermann Jäger junior. 

Mittlerweile stehe fest: Eine Verkettung von vielen unglücklichen Umständen habe dazu geführt, dass das Milchwerk von den Morgen- bis zu den Abendstunden keinen Strom hatte. Der Sturm hatte Freileitungen abgerissen und Bäume auf die Leitungen geworfen, ein Kabel im Schalthaus des Haager Kraftwerks verschmorte. 

Fehlende Leitung zum Aggregat

11 000 Haushalte im Haager Land waren ohne Stromversorgung. Im Klinikum Haag sprang das Notaggregat an, im Milchwerk erkannte das entsprechende Gerät für die Notversorgung das Fehlersignal vom Kraftwerk jedoch nicht, so Jäger. 

Die Folge: „Nichts ging mehr“ – keine Maschinen, kein Computer, kein Licht, nicht einmal die Handys, denn auch der Mobilfunk war ausgefallen. Mitarbeiter fuhren aufs Land hinaus und nahmen von dort aus Kontakt mit den Nachbarmolkereien auf. „Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander“, sagt Jäger, man helfe sich gegenseitig. 

Produktionsausfälle sollen nicht mehr vorkommen

Das Milchwerk Jäger, das heuer im September den 150. Geburtstag feiert, möchte solche Produktionsausfälle in Zukunft vermeiden, indem es direkt mit dem Kraftwerk verbunden wird – ohne Überlandleitungen. 

Pro Tag werden in Haag, wo Bayerns älteste Privatmolkerei daheim ist, 1,5 Millionen Liter Milch verarbeitet – zu Mozzarella, Pasta-, Schnitt- und Reibekäse sowie Butter.

Es gibt Verträge mit 1300 Landwirten. 1000 liefern aus Bayern an, der Rest kommt aus Oberösterreich, so Jäger. 

Erstmeldung 17. Februar 

Haag– Sturm „Sabine“ hat nicht nur in den Wäldern tiefe Spuren hinterlassen, sondern auch bei vielen Unternehmen für finanzielle Schäden gesorgt. Konkretes Beispiel ist das Milchwerk Jäger in Haag, das vom Stromausfall infolge des Sturmtiefshart getroffen wurde. Das macht die Geschäftsführung jetzt deutlich – und nennt Zahlen.

Produktionsbetrieb konnte nicht aufrecht erhalten werden

Der Stromausfall habe das Milchwerk Jäger „vor extreme Schwierigkeiten“ gestellt, betont Hans Haider vom Rohstoffmanagement. Durch den Totalausfall des Haager Stromnetzes über einen Zeitraum von etwa neun Stunden konnte die Molkerei Jäger den Produktionsbetrieb nicht aufrechterhalten. Daher blieben 220.000 Kilo Käse-Kesselmilch in der Verarbeitung stehen und mussten entsorgt werden, so Haider weiter.

Käsebruch per Hand herausgeschöpft

Die Mitarbeiter schöpften in schweißtreibender Handarbeit mit Kübeln den Käsebruch aus den Käsefertigern. Durch die entgangene Weiterveredelung zu hochwertigem Käse entstand der Molkerei nach eigenen Angaben erheblicher finanzieller Schaden. Eine Summe wollte das Unternehmen aber nicht nennen.

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Problematisch habe sich während des Stromausfalls auch die Aufrechterhaltung der Milchsammlung gestaltet. Zwischen 10.45 Uhr und 19.30 Uhr konnte laut Jäger kein Sammelwagen mehr angenommen werden. Hier musste eine schnelle Lösung gefunden werden. Keine einfache Aufgabe für die Geschäftsführung, da neben dem Festnetz auch die Mobiltelefone in Haag nicht funktionierten.

Kein Strom für den Mobilfunk

An den Mobilfunkmasten fehlte ebenfalls jegliche Stromversorgung. Insgesamt waren am letzten Montag 11000 Haushalte im Großraum Haag stundenlang ohne Strom. Grund war ein verschmortes Kabel im Haager Schalthaus, nachdem der Sturm einige Freileitungen abgerissen oder Bäume auf die Leitungen geworfen hatte.

Finanzieller Schaden nicht beziffert

Durch das Umpumpen der Rohmilch aus den Sammelwagen in Sattelauflieger und dem direkten Verkauf an benachbarte Molkereien war zumindest von Molkereiseite aus gewährleistet, dass die Milchlieferanten am Abend ihre Kühe melken konnten. Vorausgesetzt, sie hatten Strom.

Die Molkereien Bauer, „frischli“, Meggle und Weihenstephan nahmen insgesamt 565.000 Liter Milch in sechs Stunden entgegen – „ein partnerschaftliche Entgegenkommen“, wie das Milchwerk Jäger ausdrücklich betont.

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