Stille Tage müssen sein

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. . . bei Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler.

Nachgefragt . . . Das Tanzverbot an Karfreitag – jedes Jahr sorgt es für Diskussionen.

In München hat das Kreisverwaltungsreferat eine „Heidenspaß-Party“ des Bundes für Geistesfreiheit zugelassen. Über den Sinn stiller Feiertage sprachen wir mit Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler.

-Wie zeitgemäß ist eine staatlich verordnete Ruhe am Karfreitag?

Außerordentlich zeitgemäß! Wenn wir an Zeiten der Krisen denken, dann wird immer nach Ethik und Moral gerufen. Ein zukunftsfähiges Gemeinwesen braucht ein verlässliches Fundament geistlicher und ethischer Werte, die wir auch pflegen. Alles, was wir durchgemacht haben in den vergangenen Jahren – Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Auseinandersetzung mit der Migration – zeigt doch überdeutlich, wohin die Sucht nach immer mehr Gewinn und Selbstbezogenheit führt. Feiertage, die wir haben, sind heilsame Unterbrechungen des Alltags.

-Feiertagsruhe heißt auch staatliches Verbot öffentlicher Tanz- und Sportveranstaltungen. Kann man das noch begründen, wo gerade noch die Hälfte der Menschen in Deutschland Christen sind?

Der Schutz der Feiertage ist kein bloßer Schutz der Christenheit – er dient der seelischen Erhebung aller, wie das Grundgesetz formuliert. Und das braucht ja auch ein Atheist – also Zeiten der Ruhe, der Selbstfindung und des Besinnens auf die eigene Verantwortung für diese Gesellschaft. Wir brauchen nicht mehr Zeiten für Spaß, sondern mehr Zeiten für richtigen Ernst.

-Der Bund für Geistesfreiheit hat vor Gericht eine Ausnahmegenehmigung für seine „Heidenspaß-Party“ erwirkt. Der Anfang vom Ende der stillen Feiertage?

Nein, in meinen Augen ist das ein nahezu jugendlich wirkender Protest, der ja auch nicht viel Anklang gefunden hat. Ich kann so etwas nicht sonderlich ernstnehmen. Es geht um sehr, sehr viel mehr, als um die Erlaubnis, eine Party zu feiern. Es gibt viele Veranstaltungen am Karfreitag, auch am Abend. Sie sollen nur mit dem Sinn des Tages übereinstimmen.

-Der Heidenspaß also eine schlichte Provokation?

Es ist eine Provokation. Aber die ändert wenig und berührt auch wenig. Feiertage sind kein Projekt für die Christenheit – auch wenn ihr Ursprung christlich ist und wir sie mit Sinn erfüllen. Aber diese Tage haben gerade deshalb im Grundgesetz und in der Bayerischen Verfassung ihren Niederschlag gefunden, weil sie dem Menschen dienen. Jedem – auch dem Atheisten, dem Humanisten, dem Skeptiker, dem Muslim. Feiertage sind Schutz der Menschenwürde. Es zwingt ja beispielsweise keiner den Humanisten, in die Kirche zu gehen.

-In Bayern gibt es die meisten Feiertage. Selbst im Vatikan ist Pfingstmontag ein Arbeitstag.

Ich fände es schade, wenn wir auch nur einen Feiertag verlieren würden. Feiertage dienen den Menschen und

dazu, klarzumachen: Ich bin als Mensch etwas wert, weil ich bin. Ich gehe nicht auf in dem, was ich leiste. Am Feiertag bin ich keiner Fremdbestimmung unterworfen wie sonst oft im Alltag. Wir haben neun Tage im Jahr als Stille Feiertage. Ich verstehe überhaupt nicht, warum jemand darum Theater macht. Wenn ich recht informiert bin, hat das Jahr 365 Tage. Interview: Claudia Möllers

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