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Tragischer Unfall im Stall

Stier greift Bauern an: 53-Jähriger aus Dietramszell stirbt

Leif, der besonders kräftige, aber im Charakter friedliche Bulle der Rasse Holstein-Friesian, Handout vom Juli 2006, aufgenommen in Woldegk (Mecklenburg-Vorpommern), hat über die weltweite Vermarktung seines Spermas bereits rund 10.000 "Töchter" in 21 Ländern auf allen Kontinenten.
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Leif, der besonders kräftige, aber im Charakter friedliche Bulle der Rasse Holstein-Friesian, Handout vom Juli 2006, aufgenommen in Woldegk (Mecklenburg-Vorpommern), hat über die weltweite Vermarktung seines Spermas bereits rund 10.000 «Töchter» in 21 Ländern auf allen Kontinenten.
  • VonDominik Stallein
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  • Claudia Möllers
    Claudia Möllers
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Der tragische Tod eines Landwirts schockiert nicht nur den Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Der 53-Jährige war in seinem Stall von einem Stier angegriffen und getötet worden.

Wie Polizeisprecher Alexander Huber berichtet, starb der Dietramszeller noch an der Unfallstelle. Zwar hätten die alarmierten Rettungssanitäter noch versucht, das Unfallopfer zu reanimieren, allerdings erfolglos. Die Kriminalpolizei Weilheim untersuche jetzt die genauen Umstände des Todes. Ziel solcher Routine-Ermittlungen sei, eine Beteiligung Dritter zweifelsfrei auszuschließen. Davon gehe die Polizei nach aktuellem Ermittlungsstand aus: „Derzeit liegen keinerlei Hinweise für ein Fremdverschulden vor.“

Laut Bürgermeister Josef Hauser hat sich der Unfall im Ortsteil Kleineglsee ereignet. Der Verstorbene hinterlasse eine Familie. Hauser selbst hatte am Morgen von dem Einsatz erfahren. Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigt sich der Rathauschef tief betroffen: „Man kann das fast nicht begreifen.“ Für die Familie sei „durch dieses tragische Unglück auf einen Schlag das ganze Leben auf den Kopf gestellt“ worden.

Schwere Unfälle kommen in der Tierhaltung immer wieder vor. Nach Informationen der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) wurden 2020 in Deutschland über 5000 Menschen bei der Arbeit durch Rinder verletzt, sechs von ihnen tödlich. Von insgesamt 64 060 meldepflichtigen Unfällen ereignete sich etwa ein Viertel in der Tierhaltung. Bullen verursachten 410 Unfälle, von denen zwei tödlich endeten.

Knapp überlebt hat eine solche Attacke der Bürgermeister von Warngau (Kreis Miesbach), Klaus Thurnhuber. Er hatte am 26. Juni 2019 einem Stier die Klauen schneiden wollen. Der Fleckviehstier, den er nach eigenen Worten immer hatte kraulen können, war aber an jenem schwülen Tag offenbar verletzt. Als Thurnhuber zu ihm in den Stall ging, stand das 1000-Kilo-Tier auf und drückte ihn an die Wand. Sohn Korbinian, ausgebildeter Landwirtschaftsmeister, hörte die Rippen brechen. Der Vater verlor sofort das Bewusstsein. Mit schwersten Verletzungen kam der Bürgermeister ins Krankenhaus – und hatte unglaubliches Glück. Der Stier hatte ihm fast alle Rippen gebrochen, dazu noch die linke Schulter, das Schlüsselbein, die linke Hand, den Kiefer und das rechte Bein. Die gebrochenen Rippen hatten schwerste Lungenverletzungen verursacht. Drei Wochen lag Thurnhuber im Koma, es ging um Leben und Tod. Mit vielen Schutzengeln und einem starken Willen kämpfte sich er sich ins Leben zurück. Im Interview mit unserer Lokalredaktion sagte Thurnhuber später: „Ich hätte nie reingehen dürfen.“ Er hatte gedacht, eine besondere Verbindung zu dem Tier zu haben. „Ich habe mich zu sicher gefühlt.“

Einen Monat nach der Attacke auf Thurnhuber waren in Gleißenberg (Oberpfalz) ein Landwirt (60) und sein Vater von einem rasenden Stier getötet worden. Im Oktober 2014 war die rebellische „Zwickerbäuerin“ Annelies Sappl aus Bad Tölz vermutlich nach dem Angriff eines jungen Stiers im Stall tot aufgefunden worden.

Solche Unfälle kommen laut Hans-Jürgen Seufferlein, Geschäftsführer vom Verband Milcherzeuger Bayern, „leider immer wieder vor“. Es gibt daher seit 1. April 2021 verschärfte Unfallschutz-Vorgaben für die Haltung von Deckbullen. Sie dürfen nicht mehr in einer Herde gehalten werden, sondern benötigen eine eigene Bucht. „Ein Tier bleibt ein Tier“, sagt Seufferlein. Der Bulle könne noch so gutmütig sein – wenn er erschreckt werde oder kurz ausrastet, sei er unberechenbar. „Das sind wirklich tragische Fälle. Aber es wird manchmal unterschätzt, dass die Stiere ein Territorialverhalten haben. Sie sind nun mal die Führer der Herde. Auch wenn sie umgänglich sind, können sie Menschen als Konkurrenten ansehen.“

Immer mehr Milchbauern halten eigene Deckbullen, weil die künstliche Besamung durch die Deckstationen aufwendig sei, sagt Seufferlein. Die Herden würden größer und die genaue Beobachtung der Kühe entfalle, wenn man einen eigenen Stier habe. Dann müsse man nicht immer schauen, ob die Kuh brünstig ist und man den Besamungstechniker bestellen muss. Früher seien die guten Bullen in die Besamungsstationen gekommen, der Rest wurde geschlachtet. Heute würden mehr gute Stiere verkauft. Das spart Kosten für Tierarzt und Besamungstechniker. Auf den Höfen sei aber wegen der Stiere mehr Vorsicht geboten. Auch gutmütige Bullen bleiben unberechenbar.