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Anklage wegen Steuerhinterziehung

Alfons Schuhbeck macht reinen Tisch - wie lange muss er dafür hinter Gitter?

Alfons Schuhbeck, Koch und Unternehmer, steht vor Prozessbeginn als Angeklagter im Gerichtssaal im Landgericht München I. Die Staatsanwaltschaft hat Schuhbeck wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung angeklagt.
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Alfons Schuhbeck, Koch und Unternehmer, steht vor Prozessbeginn als Angeklagter im Gerichtssaal im Landgericht München I. Die Staatsanwaltschaft hat Schuhbeck wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung angeklagt.
  • Andreas Thieme
    VonAndreas Thieme
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Es ist die Wende im Steuerprozess: Vor dem Landgericht München legte Alfons Schuhbeck (73) jetzt unerwartet ein Geständnis ab. Immer wieder habe er „die Möglichkeit zur Umsatzreduktion benutzt und dadurch Gelder aus der Kasse entnommen“. Welche Konsequenzen erwarten ihn jetzt?

München/Traunstein - Mehr als zwei Millionen Euro soll Schuhbeck, der aus Traunstein stammt, auf diese Weise an Steuern hinterzogen haben. Der Star-Koch zeigte sich reumütig: „Ich möchte Verantwortung dafür übernehmen, was ich falsch gemacht habe. Und ich habe einiges falsch gemacht“, sagte er - und trug eine sieben Seiten lange Erklärung vor. Der Tenor: Er sei „mit Leib und Seele Koch, aber kein guter Kaufmann“.

Trübe Augen, aber feste Stimme

Seine Wangen sind eingefallen, die Mundwinkel hängen. Aus trüben Augen blickt Alfons Schuhbeck (73) in den Saal 134 des Justizpalasts. Sorgsam legt er sich seine Erklärung zurecht, sieben Seiten ist sie lang – schon am Samstag habe er den Entschluss gefasst, sagt der Star-Koch. Jetzt wolle er reinen Tisch machen. Mit fester Stimme legt Schuhbeck los.

„All die letzten Jahre habe ich mir, meinen Freunden und Bekannten und auch meinen Verteidigern bis zuletzt etwas vorgemacht, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass ich als Unternehmer gescheitert bin.“ Anstatt sich mit seinen Fehlern auseinanderzusetzen, habe er „weitergearbeitet, um zu verdrängen“. Täglich von sieben Uhr morgens bis um ein Uhr nachts. „Das war falsch“, räumte Schuhbeck nun ein. Und bekennt: „Ich stehe vor den Trümmern meines Lebenswerkes“.

„Koch mit Leib und Seele - aber kein guter Kaufmann“

Es ist mehr als ein Geständnis, das der Star-Koch gestern Morgen am Landgericht ablegt. Seine Sätze klingen wie eine Lebensbeichte. Der Tenor: Er sei „mit Leib und Seele Koch“, sagt Schuhbeck, „aber kein guter Kaufmann“ .Immer wieder habe er „die Möglichkeit zur Umsatzreduktion benutzt und dadurch Gelder aus der Kasse entnommen“. Mehr als zwei Millionen Euro soll Schuhbeck auf diese Weise an Steuern hinterzogen haben. Dafür wird er sehr wahrscheinlich ins Gefängnis müssen.

Schuhbeck möchte Verantwortung übernehmen

„Ich möchte Verantwortung dafür übernehmen, was ich falsch gemacht habe. Und ich habe einiges falsch gemacht“, erklärte der Star-Koch reumütig. Es ist die Wende in seinem Steuerprozess: Denn den Großteil der Anklagevorwürfe räumt er mittlerweile ein.

Dass es so weit kam, liegt auch an Jürgen W. (65): Sein IT-Berater hatte ausgesagt, ein Programm für Schuhbeck geschrieben zu haben, mit dem der Koch Rechnungen nachträglich bearbeiten konnte. Schuhbeck benutzte es in seinem Büro: „Schnell, schnell, zack, zack und weg“, beschreibt er das Löschen von Umsätzen am Computer.

Doch nur im Restaurant Orlando, nicht in den Südtiroler Stuben habe er Rechnung gefälscht. Rund 1200 Stück fehlen laut Anklage aber. An solche Details könne Schuhbeck sich zwar nicht erinnern. „Ich übernehme aber die Verantwortung dafür.“

„Vollkommen den Überblick verloren“

Schuhbeck klingt aufrichtig, bisweilen auch erleichtert. Doch die Zahlen sprechen für sich: Allein 2,17 Millionen Euro an Betriebseinnahmen soll der Star-Koch für die Orlando GmbH in den Jahren 2009 bis 2016 nicht erklärt haben. Bei den Südtiroler Stuben sind es von 2010 bis 2014 rund 2,18 Millionen Euro. „Ich hatte in meinen Restaurants immer unterschiedliche Kassensysteme, und habe es versäumt, sie auf einen gemeinsamen Stand zu bringen“, sagt Schuhbeck. Er habe „für so etwas keine Zeit“ gehabt und dann „vollkommen den Überblick verloren“.

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Ein Entertainer - sogar vor Gericht

Nicht nur um die angeklagten Taten ging es vor Gericht – auch seinen Lebenslauf musste Alfons Schuhbeck vortragen. Hier präsentierte er sich wie in seinen Kochsendungen: als Entertainer. Der Vater, ein Postler, habe ihm geraten: „Mach das auch, dann hast du ein gesichertes Leben.“ Doch technisch „war ich eine Flasche“, erzählt Schuhbeck. In der Aufnahmeprüfung sei er durchgerasselt, doch dann brach sich ein Konkurrent den Fuß – „und ich rückte nach.“ Doch Fernmelder blieb er nicht, sondern wurde Schankkellner, Barmann, ging auf die Hotelfachschule – und reiste durch die Welt, mit Station in etlichen Küchen. Auf der Champs Elysée in Paris sprach Schuhbeck einfach vor – ohne ein Wort Französisch. Es klappte, so wie in London: Dort schmierte er Canapés und wusste zu gefallen, als der Koch krank wurde. Plötzlich stand er vor Schauspieler Sean Connery, kochte später für die Beatles und die Queen.

„Disziplin“, sagt Schuhbeck, sei Bestandteil seines Erfolgs gewesen: Er habe oft zwei Jobs am Tag gehabt, kochte in Kantinen oder für das Rote Kreuz. Doch Schuhbeck war auch beharrlich und ein Schlitzohr: Um einen Job bei Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann habe er lange gebuhlt, ihn aber lange nicht bekommen. Doch dann, auf dem Bolzplatz: „Da hielt ich seinen Elfmeter, da sagte er: Komm morgen um 9 Uhr vorbei. Ich war um 7 Uhr da – und bereit“, schildert Schuhbeck lebhaft vor Gericht. Man hört ihm gerne zu.

Am zweiten Prozesstag entsteht der Eindruck: Schuhbeck hat sich verhoben. Zu viele Firmen, zu wenige Experten – Buchhaltung und Geschäftsführung lagen so gut wie blank. Während er selbst am Herd stand oder für Events kochte. Mit Gewürzen kennt er sich aus wie kaum ein anderer – Richterin Andrea Wagner empfahl er gleich mal, doch täglich Kurkuma-Kapseln zu nehmen und im Wasser Ingwer und Knoblauch zu mischen. „Das hilft gegen Entzündungen im Körper.“ Schon die alten Ägypter hätten beim Pyramidenbau davon profitiert. Und überhaupt: Rosmarin helfe, dass man sich Gelerntes besser merken kann. „Es beschleunigt den Gehirnstoffwechsel. Hätte ich das mal selbst genommen“, sagt Schuhbeck voller Selbstironie. Ein lustiger Moment. Doch er kann nicht darüber hinwegtäuschen: An seinen Finanzen hat Schuhbeck sich fürchterlich verbrannt.

Immer noch unklar: Wo sind die Steuermillionen geblieben?

Genau 2 366 232 Euro Steuern soll Alfons Schuhbeck laut Staatsanwaltschaft hinterzogen haben–- dazu kommen laut Anklage noch 1 138 345 Euro an illegalen Steuervorteilen für seine Firmen. Doch wo ist dieses Geld? Antworten darauf blieb Schuhbeck auch gestern schuldig. „Ich kann es beim besten Willen nicht sagen.“ Er habe „vor allem finanzielle Löcher gestopft und meine Kinder in der Ausbildung unterstützt“, sagte er. „Ich wollte ihnen das Studium ermöglichen, das ich selbst nie absolvieren konnte.“ Ein Luxusleben habe er nie geführt und auch nichts verprasst.

„Habe keine ausländischen Konten“

Vom Gericht allerdings hatte es Hinweise gegeben, dass Schuhbeck Geschäfte in der Karibik führe. Dazu sagte er: „Ich habe keine ausländischen Konten oder sonst irgendwo etwas vergraben.“ Im Gegenteil: Gelder in Millionenhöhe hatte er sich öfter leihen müssen, „um meine Unternehmen überhaupt halten zu können.“ Er sei „hoch verschuldet“ und insolvent.

Das Ende eines Mythos

Was bleibt vom Mythos Schuhbeck? Dem Mann, dessen Konterfei allgegenwärtig schien: auf Tausenden Gewürzdosen, 20 Kochbüchern, am Herd im BR-Fernsehen. Am Platzl ist er ein Star, weltweit anerkannt. Doch im Gerichtssaal ein normaler Bürger: blass – und keineswegs mehr unbescholten. Sein Geständnis wird den Steuerprozess wohl verkürzen. Noch vor Weihnachten könnte Schuhbeck im Gefängnis sitzen. Es wäre keine Überraschung mehr.

Der Star-Koch und die Stars: Schauspieler Arnold Schwarzenegger (2.v.l) dessen Tochter Tochter Christina (l), Schwarzeneggers Freundin Heather Milligan (r) und der Koch Alfons Schuhbeck (2.v.r) feiern 2020 bei der Weißwurstparty im Stanglwirt, einen Tag vor dem legendären Hahnenkammrennen.

Die schillernde Karriere des Alfons Schubeck

Geboren als Alfons Karg, wuchs der Star-Koch im Chiemgau auf. Bei einem Tournee-Stop mit seiner Rockband „Scala“ trifft er Gastwirt Sebastian Schuhbeck, der ihn zum Kochen bringt und später sogar adoptiert und zum Erben ernennt. 1980 übernimmt Alfons das Kurhausstüberl in Waging –und macht es vom typisch bayerischen Dorfgasthaus zu einem Geheimtipp für die regionale Prominenz. Der Durchbruch gelingt, als ein Busfahrer sich beschwerte, dass Schuhbeck kein Gericht aus der Karte servierte – sondern Eigenkreationen. „Der Mann war Prüfer von Michelin.“ Den Stern behielt Schuhbeck 33 Jahre lang. Am Platzl wurde er dann zur Ikone.

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