Stammstrecke: Sperrungen in Serie

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Die Baustelle Arnulfsteg am Münchner Hauptbahnhof sorgt auch in den kommenden Wochen an einigen Wochenenden für Komplettsperrungen der Stammstrecke. Foto: Klaus Haag

Nach der Sperrung ist vor der Sperrung – zumindest bei der S-Bahn. Nach der S1-Baustelle in Freising, die morgen endet, müssen sich die Fahrgäste im September und Oktober auf nicht weniger als vier große Komplett-Stilllegungen auf der Stammstrecke einstellen. Das löst deutliche Kritik aus.

ab kommendem Wochenende

von dirk walter

München – Sechs Wochen lang ging zwischen Freising/Flughafen und München-Feldmoching gar nichts mehr. Das hat viele Pendler frustriert. Auch wenn die Bahn ihr Ersatzkonzept mit Pendel-S-Bahnen und einer großen Busflotte lobt: Die Fahrgäste sind genervt, viele stiegen wohl aufs Auto um. Die Busse seien zuletzt vielleicht zu 20 Prozent besetzt gewesen, beobachtete ein Dauerkunde.

Diese Fahrgäste heißt es jetzt eigentlich zurückzugewinnen. Stattdessen hat die Bahn gleich am kommenden Wochenende die nächste Sperrung angesetzt: Ab Freitag etwa 20.40 Uhr bis Montagfrüh 5 Uhr fahren zwischen Pasing und der Hackerbrücke fast keine S-Bahnen. Betroffen ist auch wieder die S1 – aber nicht nur. „Hauptgründe sind der Bau des Arnulfstegs an der Donnersbergerbrücke sowie Vorarbeiten für den Bau der zweiten Stammstrecke“, sagt eine Sprecherin der Bahn.

Der 240 Meter lange Arnulfsteg, dessen mächtige Stützpfeiler vom Bahnhof Donnersbergerbrücke aus gut zu sehen sind, soll als Fuß- und Radwegbrücke das gesamte Gleisfeld überspannen und die Stadtteile Maxvorstadt und Schwanthalerhöhe verbinden.

Das lange geforderte Projekt der Stadt wird Ende 2020 eröffnet. Dass die Bahn auch den Bau des neuen Stammstrecken-Tunnels als Argument heranzieht, verwundert Norbert Moy von Pro Bahn schon etwas. „Die Bahn sperrt Strecken, ohne Alternativen anzubieten. Schon längst hätte als Rückfallebene der Südring ausgebaut werden können – mit einem S-Bahnhof Poccistraße.“ Das, so Moy, habe man „leider verpennt“. Der Bau eines Bahnhofs Poccistraße ist zwar mittlerweile fest eingeplant – aber nur als Regionalzughalt. Fertig werden soll er auch erst Ende 2026 – dann ist aber nach dem jetzigen Zeitplan auch die zweite Stammstrecke fertiggestellt.

Als Ersatz für die ausgefallenen S-Bahnen bietet die Bahn am kommenden Wochenende Busse an. Zudem pendelt zwischen Hackerbrücke und Ostbahnhof eine S-Bahn im 20-Minuten-Takt. Von Westen her ist die Anfahrt Richtung Innenstadt komplizierter: S1 und S2 fahren im 30-Minuten-Takt direkt zum Hauptbahnhof, S3, S4 und S6 beginnen und enden in Pasing, die S8 fährt ab Pasing über den Südring direkt zum Ostbahnhof und dann weiter zum Flughafen.

Einschränkungen gibt es auch bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), die die Donnersbergerbrücke nicht anfahren kann. Alle BOB-Züge fahren am kommenden Wochenende von der Haupthalle des Münchner Hauptbahnhofs ab, nicht vom Starnberger Flügelbahnhof.

Während des Oktoberfests verzichtet die S-Bahn auf Sperrungen. Kaum ist die Wiesn vorbei, geht es aber wieder los: An drei aufeinander folgenden Wochenenden herrscht weitgehend Stillstand bei der S-Bahn in der Innenstadt. Am Wochenende 12. bis 15. Oktober wird die Stammstrecke zwischen Pasing und Donnersbergerbrücke gesperrt – wieder sind Bauarbeiten am Arnulfsteg sowie an der zweiten Röhre die Gründe dafür.

Am Freitag, 19. Oktober, wird dann ab 23.40 Uhr bis Montag, 22. Oktober, um 4.45 Uhr, die komplette Stammstrecke (Pasing-Ostbahnhof) gesperrt – das ist ein reguläres Instandhaltungs-Wochenende für Weichen- und Schienenaustausch. Und am Wochenende 26. bis 29. Oktober wird erneut der Abschnitt Pasing-Donnersbergerbrücke gesperrt.

Angesichts der Häufung dieser Sperrungen verlangt Norbert Moy von Pro Bahn ein Umdenken bei den Ersatzkonzepten. „Vielleicht könnte man künftig mit ausgedünntem Fahrplan auf einem Gleis fahren.“ Auch Entschädigungen für die leidgeprüften Fahrkarten-Abonnenten seien überfällig. Moy beklagt: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei der S-Bahn ist getrübt.“

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