Die Spur der Pest führt

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nach Aschheim Aschheim – Die älteste bislang entschlüsselte Form des Pest-Erregers stammt aus der Gemeinde Aschheim (Kreis München).

Das berichten Wissenschaftler der US-amerikanischen Northern Arizona University im Fachblatt „The Lancet Infectious Diseases“. Das Forscher-Team mit deutscher Beteiligung hatte schon im vergangenen Jahr einen ersten genetischen Nachweis des todbringenden Bakteriums in Aschheim geliefert. Nun ist auch sein Erbgut entschlüsselt.

Die Wissenschaftler konnten das Genom des frühen Pest-Erregers aus den Zähnen zweier Opfer sequenzieren, die um 540 starben. Ein Vergleich mit 131 späteren Formen des Erregers zeigte jedoch, dass die frühe Aschheimer Variante mittlerweile ausgestorben ist. Die Forscher sprechen von einer „evolutionären Sackgasse“.

Ziel der umfassenden Untersuchungen war es, einen Stammbaum des Bakteriums zu erstellen. Das Ergebnis: Anders als die Aschheimer Variante, konnten sich spätere Formen des Pest-Erregers bis heute halten. Zwar sei es wegen moderner Antibiotika unwahrscheinlich, dass sich die todbringende Krankheit wie in früheren Jahrhunderten großflächig ausbreite. Eine Pandemie sei jedoch theoretisch noch immer möglich, mahnen die Forscher.

Bei seinen Untersuchungen konzentrierte sich das Team um David Wagner von der Northern Arizona University auf drei Pest-Pandemien, die Millionen von Opfern forderten. Zunächst die Pest des Justinian, die im 6. Jahrhundert in Asien, Nordafrika und Europa etwa 30 bis 50 Millionen Menschen das Leben kostete. Im 14. Jahrhundert raffte der Schwarze Tod rund 25 Millionen Opfer dahin. Bei einer neuzeitlichen Epidemie im 19. Jahrhundert starben in China mehrere Millionen Menschen.

Zumindest die Todeswelle in China scheint nicht auf den Aschheimer Erreger zurückzugehen. Die Variante, die sich weltweit etablierte und noch heute, etwa auf Madagaskar, Todesopfer fordert, ist auf einen späteren Stamm zurückzuführen. Sie wird noch immer von Nagetieren verbreitet.

Offen bleibt, warum manche Pest-Erreger im Laufe der Zeit ausgestorben sind. Die drei großen Pandemien haben jedoch etwas gemeinsam: Sie hängen mit dem Klima zusammen. Allen gingen Perioden starken Regens voraus. Und alle endeten in Zeiten, die klimatechnisch zunehmend stabil waren.  mm

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