Sparkassengeld für CSU-Eisstockschießen

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In der Affäre um den ehemaligen Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) sind weitere pikante Details bekannt geworden. Die Kreissparkasse Miesbach sponserte jahrelang das Eisstockschießen der CSU-Landtagsfraktion.

Und der Ministerpräsident spendierte auf Steuerzahler-Kosten Preise.

Neue Details zur Affäre Kreidl 

In der Affäre um den ehemaligen Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) sind weitere pikante Details bekannt geworden. Die Kreissparkasse Miesbach sponserte jahrelang das Eisstockschießen der CSU-Landtagsfraktion. Und der Ministerpräsident spendierte auf Steuerzahler-Kosten Preise.

von dirk walter

München – Mal war’s im Schneetreiben, mal bei Sonnenschein – und immer war es doch eine recht fidele Runde, die es sich auf Kosten einer Bank gut gehen ließ: Die Kreissparkasse übernahm sechs Jahre lang, von 2008 bis 2013, die Bewirtungskosten für das Eisstockschießen der CSU-Landtagsfraktion. Dies bestätigte der Sprecher der Sparkasse, Peter Friedrich Sieben, gegenüber unserer Zeitung. Das Eisstockschießen hatte der damalige Landrat Jakob Kreidl initiiert. Offizieller Anlass: Gedenken an einen verstorbenen Landtagskollegen, der allerdings schon 1974 aus dem Maximilianeum ausgeschieden war.

Fotos in der Lokalpresse zeigen Jahr für Jahr eine frohgemute Runde in wechselnder Besetzung. Etwa 20 bis 30 Leute jährlich seien es wohl gewesen, heißt es bei der Sparkasse. Mal war Innenminister Joachim Herrmann auf der Eisstockanlage in Tegernsee zu Gast, mal der damalige Agrarminister Josef Miller oder der heutige Wirtschaftsstaatssekretär Franz Pschierer. Auch der damalige Vorstandschef der Sparkasse, Georg Bromme, war zugegen, ferner örtliche Honoratioren wie etwa der damalige Bürgermeister von Tegernsee sowie Aktive des örtlichen Vereins. Das Sponsoring fürs Eisstockschießen ist im Prüfbericht des bayerischen Innenministeriums zur Affäre Kreidl erwähnt, der am Mittwoch im Landtag verteilt worden war – als „Finanzierungsmaßnahme“, an „deren Zulässigkeit zum Teil nicht unerhebliche Zweifel bestehen“. Freilich fehlte dort der Zusatz, dass es sich um eine Veranstaltung der CSU-Landtagsfraktion handelte.

Auf Brommes Geheiß übernahm die Sparkasse die Kosten für eine zünftige Brotzeit. Hohe Beträge seien jedes Jahr wohl nicht geflossen, heißt es bei der Sparkasse – wohl einige hundert Euro. Aber natürlich sei es aus heutiger Sicht ein falscher Schritt gewesen. Es gehe nicht an, Sponsorengelder allein für die CSU auszugeben. „Auf keinen Fall“ werde man diese Art von Sponsoring fortsetzen, sagt der Sprecher der Bank. „Das entspricht nicht der neuen Philosophie unseres Hauses.“

Auch dem Pressesprecher der CSU-Landtagsfraktion sind die Veranstaltungen im Nachhinein etwas peinlich. Die Veranstaltung habe Kreidl organisiert, die Busfahrt an den Tegernsee habe die CSU freilich selbst bezahlt. „Jakob Kreidl als Veranstalter dankte zum Ende der Veranstaltung immer einer ganzen Reihe von Unternehmen und Sponsoren. Wer genau welchen Anteil übernommen hat und wie viel der Veranstalter selbst übernommen hat, ist uns nicht bekannt“, erklärt der Sprecher.

Eingebunden in das Eisstockschießen war auch der Ministerpräsident höchstselbst. Erstmals Günther Beckstein 2008, danach dann Horst Seehofer genehmigte jährlich Preise für das CSU-Eisstockschießen am Tegernsee, bestätigte eine Sprecherin der Staatskanzlei. Jährlich vier Bierkrügel und zehn Silbermünzen. Bezahlt von der Staatskanzlei – also letztlich vom Steuerzahler. Begründung: „Der Ministerpräsident unterstützt traditionelle bayerische Brauchtumssportarten von überregionaler Bedeutung.“

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