Initiative „BGL steht auf“

Zwischen Sorge und Verschwörungstheorie: Demo gegen Corona-Beschränkungen in Freilassing

Kundgebung mit Abstand: In Freilassing demonstrierten 150 bis 300 Menschen gegen die Corona-Beschränkungen in Deutschland.
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Kundgebung mit Abstand: In Freilassing demonstrierten 150 bis 300 Menschen gegen die Corona-Beschränkungen in Deutschland.

Ohne Zwischenfälle verlief am Samstagnachmittag (7. November) auf dem Rathausplatz Freilassing die erste Kundgebung der Facebook-Initiative „BGL steht auf” mit etwa 150 Teilnehmern. Der Protest richtete sich gegen die Corona-Maßnahmen. Am Ende schimmerten auch Verschwörungstheorien durch.

Von Tanja Weichold

Freilassing – In den Reden kamen Existenz- und Zukunftsängste zum Ausdruck, allerdings auch Empörung und Unmut gegenüber der starken Einschränkungen und der Eingriff in die Grundrechte.

Zwischen 150 und 300 Teilnehmer in Freilassing

Auf der einen Seite standen an diesem Samstag neue Rekordwerte der gemeldeten Coronainfektionen in Deutschland, auf der anderen Seite formiert sich Widerstand gegen die verhängten Maßnahmen. Die Kundgebung in Freilassing lief unter dem Motto „Wirtschaft vor dem Abgrund”.

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Die Initiative „BGL steht auf“ selbst sprach auf Facebook im Nachhinein von 200 bis 300 Teilnehmern. Da die meisten keine Maske tragen wollten, mussten alle - auch Pärchen - laut vorheriger Absprache mit den Behörden 1,50 Meter Mindestabstand einhalten. Markus Baumgartner, der die Kundgebung angemeldet hatte, wies darauf zu Beginn hin.

Trotz Hygienekonzept: Kritik an Schließung der Gastronomie

„Das ist keine politische Veranstaltung”, machte sagte er. „Für alle die uns in die rechte Schublade stecken wollen.” Er sei kein Coronaleugner, sagte Baumgartner. „Das ist keiner von uns. Aber die Maßnahmen sind übertrieben.” Der Initiator der Kundgebung kritisierte die Maskenpflicht im Freien und unter beipflichtendem Klatschen und Pfeifen des Publikums für die Schüler ab Montag im Unterricht. 

Baumgartner nannte es „einen Wahnsinn, was die aufführen”. Hygienekonzepte seien gefordert worden, Plexiglasscheiben, die Gasthäuser könnten nur mehr die Hälfte Gäste aufnehmen, jetzt sei wieder geschlossen. „Das juckt von den Herren Ministern niemand, wie die überleben sollen.”

Teilnehmer berichten von wirtschaftlicher Notlage

Nicht nur der Unternehmer selbst sei betroffen, sondern seine ganze Familie und die Angestellten. Wenn dann ein Familienvater seinen Kredit fürs Haus nicht mehr bezahlen könne, werde die Stunde der Herren kommen, die mehr Geld haben. „Da gibt‘s dann noch Arme und Reiche.” Er war der Politik vor, die Menschen einzusperren und „alles runterzuwirtschaften”.

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Der Ainringer Musiker Klaus Mehlig berichtete, 90 Prozent seiner Aufträge seien heuer storniert worden. Weiter klagte er sein Leid, was das Beantragen staatlicher Unterstützung betrifft. „Von was soll man leben?”, fragte auch er und forderte unbürokratische Hilfe. „Oder lasst uns unseren Job machen.”

Gegen Ende der Demo geht es mit Verschwörungstheorien los

Diplom-Informatiker Philipp Schindler sagte, das Virus sei für manche Menschen gefährlich, auf die müsse man aufpassen. „Aber es ist nicht so, dass eine Million Deutsche deshalb tot umfallen, wenn wir nix machen.” Er warnte wie andere Redner auch für einer „Spaltung der Gesellschaft”. Es gebe viele Menschen mit Angst vor Corona. Auf der anderen Seite stünden viele Menschen, die Angst davor hätten, wenn es so weitergehe. 

Eine Rednerin nannte Corona eine „Plandemie und keine Pandemie” und ließ Raum für Spekulationen offen, die wohl eher ins Lager der Verschwörungstheoretiker gehören. Rednerin Alex, eine der Mitbegründerinnen der Plattform „BGL steht auf” erzählte, sie sei alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen und habe bis 15. März eine gutgehende Reinigungsfirma mit 42 Angstellten gehabt, ihre Kunden seien Hotels gewesen. Bis auf drei habe sie zwischenzeitlich alle Mitarbeiter entlassen müssen. Sie sprach von einem „gezielten Zerstören des Mittelstands”. 

Reden gegen 5G und Datensammler Bill Gates

Tobias, ein weiterer Mitbegründer der Plattform, verlas rhetorisch fast schon einpeitschend vorgetragen eine Rede von Robert Kennedy junior, in der ein Vorwurf lautete, 5G werde eingeführt, damit Datensammler wie Bill Gates und Mark Zuckerberg noch mehr Kontrolle über andere hätten. „Die nutzen die Pandemie, um uns zu überwachen und zu verarmen.”

Gegen 15 Uhr löste sich die Kundgebung auf.

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