„Sommer in Rosenheim“: Das Programm für die kommenden Tage

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Der große Stelzengeher (Emmeran Heringer) war einer der Blickfänge beim „Sommer in Rosenheim“.
  • vonJohannes Thomae
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„Das Schlimmste, was heute passieren kann, ist, dass wir wahnsinnig erfolgreich sind“: So beschrieb einer der Köpfe hinter dem „Sommer in Rosenheim“ die Stimmung kurz vor dem Start der siebenwöchigen Veranstaltungsreihe. Der Satz war zwar nicht ganz ernst gemeint, traf die Situation aber doch auf den Punkt.

22. Juli 

Programm für den 23. Juli und den 25. Juli steht

Pressemitteilung der Stadt Rosenheim

Rosenheim. Der „Sommer in Rosenheim“ hat Fahrt aufgenommen. Seit der Auftaktveranstaltung am vergangenen Wochenende verwandeln Clowns, Artisten und Musiker die Rosenheimer Innenstadt in eine Freiluftbühne. „Wir haben viel positive Resonanz von den Künstlern und Musikern bekommen, die unendlich froh sind, endlich wieder vor Publikum zu stehen und mit ihrer Kunst auch wieder etwas verdienen zu können“, berichtet Kulturreferent Wolfgang Hauck, der das Programm von „Sommer in Rosenheim“ koordiniert.

Coronavirus: Fallzahlen für Region Rosenheim, Mühldorf, Chiemgau + Bayern und Deutschland

„Wir stehen an der Seite unserer Kulturschaffenden, gerade in diesen für sie existenzbedrohenden Zeiten. Künstler, Musiker und Techniker arbeiten für den „Sommer in Rosenheim“ und werden bezahlt. Das ist Rosenheims Beitrag zur Unterstützung der regionalen Kulturszene“, macht Veranstalter Werner Oeckler die Zielsetzung der Veranstaltungsreihe klar. Finanziert wird der „Sommer in Rosenheim“ von der Landesgartenschau GmbH und der Sparkasse Rosenheim – Bad Aibling.

Werden am Samstag, den 25. Juli, im Hofbräukomplez zu sehen sein: Soul Sofa

An den kommenden beiden Veranstaltungstagen, Donnerstag, 23. Juli und Samstag, 25. Juli, geht es bei „Sommer in Rosenheim“ vor allem musikalisch weiter. Am Donnerstag werden das „Duo Fragipani“ und „Sebastian Gigglinger´s Clarinet Jazz“ zu hören sein, am Samstag folgen die „Veterinary Street Jazz Band“, bekannt aus der Knoff-Hoff-Show, der „Chor der Innphilharmonie“ und das Trio „Soul Sofa“. Fröhliche Sommerstimmung verbreiten auch am Samstag wieder die sogenannten Walking Acts, die auf Stelzen, scherzend und musizierend durch die Innenstadt ziehen werden.

Weitere Informationen sowie das genaue Programm sind auf www.sommer-in-rosenheim.de zu finden. Alle kulturellen Angebote während des „Sommers in Rosenheim“ sind kostenfrei.

Programm Donnerstag 23. Juli 2020 

18 - 21 Uhr – Am Esbaum: Musik: „Duo Frangipani“ 

18 - 21 Uhr – Ludwigsplatz, Treppe St. Nikolaus: Musik: „Sebastian Gigglinger´s Clarinet Jazz“ 

20 Uhr – Nepomukbrunnen, Max-Josefs-Platz: Stadtführung: „Rosenheimer Originale“ (begrenzte Teilnehmerzahl)

Duo Frangipani

Programm Samstag, 25. Juli 2020 

11 Uhr – Nepomukbrunnen, Max-Josefs-Platz: Stadtführung: „Leben und Treiben im Markt“ (begrenzte Teilnehmerzahl) 

11 - 15 Uhr und18 - 21 Uhr – Flexibel in der Innenstadt: The Veterinary Street Jazz Band

15 – 18 Uhr – Flexibel in der Innenstadt: 

Walking Acts: A. Pillokat und Emmeran Heringer

Musik: Heribert Haider

18 – 21 Uh r Hofbräu-Komplex: Musik: Soul Sofa 

18 – 21 Uhr – Flexibel in der Innenstadt: Musik: Chor der Innphilharmonie

The Veterinary Street Jazz Band

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16. Juli 

Rosenheim – Auch Oberbürgermeister Andreas März hatte etwas später in seiner kurzen Eröffnungsrede betont, dass das Unterfangen eigentlich ein schizophrenes sei: Menschen in die Stadt zu locken, um Plätze und Straßen zu beleben und doch dabei darauf zu achten, dass sie sich ja nicht zu nahe kämen, sei eigentlich ein Widerspruch in sich.

Einer der Höhepunkt des Abends: das Mittelmeerorchestra brachte türkisch-griechischen Sommerflair auf Rosenheims Ludwigplatz

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: der Widerspruch wurde zumindest am Eröffnungssamstag geradezu perfekt aufgelöst. Die Stadt war voller gut gelaunter Menschen und dennoch gab es keine Ansammlungen, die hinsichtlich Corona problematisch gewesen wären. Die intensive Arbeit an einem coronatauglichen Konzept für den Rosenheimer Sommer hat sich offensichtlich gelohnt, vor allem hinsichtlich der Mischung der Einzelveranstaltungen.

Abstand halten klappte von ganz alleine

Da spielte am Vormittag in der Fußgängerzone zum Beispiel „Blues4Use“ auf, sammelte eine Gruppe von vielleicht dreißig, vierzig Zuhörern, die sich immer wieder neu formierte und den notwendigen Abstand zueinander ganz von sich aus einhielt. Dennoch hatten auch alle anderen – die, die durch die Fußgängerzone flanierten, oder auf einen Kaffee irgendwo einkehrten – den Eindruck: Da ist was los, da ist Leben in der Stadt. „Endlich wieder“ das war die einhellige Reaktion fast aller, die man nach ihrem Eindruck befragte.

Daniela Ludwig (blaue Jacke, rot-weißer Schal) war begeistert von den Veranstaltungen. Sie sagte, sie sei bei einem Einkaufsbummel schlichtweg hängengeblieben.

Überraschungsauftritte setzten Highlights

Und überraschend tauchten hier, wie auch überall sonst in der Innenstadt, dann auch noch einzelne Künstler auf; Heribert Haider als Bänkelsänger, Tom Tak als „Steam-Punk“ und Emmeran Heringer als Stelzengeher sowie Stefan Pillokat als Clown, die mit ihren Sketchen für einige Minuten den jeweiligen Ort in ein kleines Veranstaltungshighlight verwandelten, um dann wieder zu verschwinden. Ihre Auftritte gerade so lange, dass sich ein ausreichend großes Publikum sammeln konnte, aber nicht lang genug, als dass sich eine große Menschenansammlung hätte bilden können. Dabei war es den Künstlern ein Anliegen, immer wieder spielerisch auf die „Corona-Etikette“ hinzuweisen, die die Stadt im Motto zusammengefasst hatte: „Ihr seid mit Abstand das beste Publikum“.

Coronatauglich tanzen mit dem Meterstab

Emmeran Heringer zum Beispiel verwandelte sich am Abend vom Stelzengeher in eine clowneske Figur und ging mit einem aus einem Meterstab gebildeten Abstandskreis durch die Zuhörer der Mittelmeerband. Die spielte auf dem Ludwigsplatz, war neben einem Theater im Hinterhof von Beo‘s und den Blues4Use auf den Treppen des Kuko einer der Höhepunkte des Abendprogramms. Und als dann die Zuhörer nicht mehr anders konnten, als vor den „Mittelmeer-Musikern“ zu tanzen, schnappte sich Andrea Hailer, Mitglied der Projektleitung „Sommer in Rosenheim“, kurzerhand den Meterstab und tanzte, den Abstand vorgebend, mit.

Emmeran Heringer sorgt mittels Meterstab und Humor für den „Sicherheitsabstand“ zum Publikum, hier zu Monika Hauser-Mair, Chefin der städtischen Galerie

Der Alptraum vom neuen Hotspot

Der Oberbürgermeister dürfte über diesen perfekt coronatauglichen Ablauf des Tages schwer erleichtert gewesen sein, sagte er doch noch in einem kurzen Gespräch am Vormittag, dass es für ihn der reinste Alptraum wäre, würde sich aus der Aktion in der Folge ein neuer Corona-Hotspot entwickeln. Dagegen sei die Problematik, die Veranstaltungsreihe trotz angespannter finanzieller Lage und Haushaltssperre finanzieren zu können, leicht zu lösen gewesen: Die Landesgartenschau GmbH habe durch kluges Handeln in den vergangenen zehn Jahren genügend Rücklagen erwirtschaftet, um in die siebenwöchige Aktion der Stadt 200 000 Euro stecken zu können, dazu sei die Unterstützung der Sparkasse gekommen.

„Bitte nicht zu nah“ Die Künstler weisen zwischendurch immer wieder auf die Corona-Etikette hin. Hier (von links) Emmeran Heringer, Tom Tak und Stefan Pillokat.

Das Geld und die ganze Vorbereitungsmühe waren eindeutig gut investiert, weil damit tatsächlich das Ziel erreicht wurde, der Kunst- und Kulturszene einen Neustart zu ermöglichen: Rauszukommen aus einem monatelangen unfreiwilligen inneren Exil.

Endlich wieder vor Publikum spielen

Für die Künstler selbst sei die Aktion eine echte Überlebenshilfe, wie „Bänkelsänger“ Heribert Haider erläuterte. Zwar habe es vom Staat wirklich gute gemeinte Hilfsangebote gegeben, doch seien die oft relativ spät ausgezahlt worden und vor allem bleibe immer noch eine Unsicherheit, wofür das Geld ausgegeben werden dürfe. Nur für Betriebsausgaben oder auch für den Lebensunterhalt? „Ohne zu essen und irgendwo zu wohnen kann ich nicht singen, also sind Lebensmittel für mich doch eine Betriebsausgabe, oder?“ Noch wichtiger als die Gage für seinen Auftritt aber war für ihn, wie für alle anderen Künstler dieses Samstages, endlich wieder vor Publikum spielen zu können.

Ein Samstag wie vor Corona

Eingetreten ganz offensichtlich auch der erwünschte Nebeneffekt, die Belebung von Handel und Gastronomie: „Wenn man heute in die Fußgängerzone schaut“, meinte März schon am Vormittag „wirkt es, von den Masken und dem Abstand, den die Leuten halten einmal abgesehen, wie ein ganz normaler Samstag aus Vor-Corona-Zeiten“.

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