Sommer 2014: Besser als sein Ruf

Sprung ins Blaue: Schwimmer genießen das herrliche Wetter am Staffelsee. So langsam endet der Sommer – allerdings nur meteorologisch. Tatsächlich soll es kommende Woche recht schön werden. Foto: DPa
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Sprung ins Blaue: Schwimmer genießen das herrliche Wetter am Staffelsee. So langsam endet der Sommer – allerdings nur meteorologisch. Tatsächlich soll es kommende Woche recht schön werden. Foto: DPa

Wer hätte das gedacht: Der Sommer 2014 war in Bayern wärmer und trockener als üblich, sagt die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes zum Herbstanfang.

Die Bilanz 2014

Wer hätte das gedacht: Der Sommer 2014 war in Bayern wärmer und trockener als üblich, sagt die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes zum Herbstanfang.

von anja timmermann

München – Das war’s mit dem Sommer – meteorologisch gesehen jedenfalls: Jetzt kommt das letzte Sommerwochenende, am Montag beginnt mit dem 1. September offiziell der Herbst. Und wenn Sie jetzt unken, der Herbst sei doch längst da: „Der Sommer 2014 war weit besser als sein Ruf“, hält der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seiner Bilanz ausdrücklich fest. Das gilt gerade auch für Bayern.

Die Daten belegen es: „Für Bayern haben wir überwiegend positive Abweichungen gemessen“, sagt Gerhard Hoffmann, Leiter der Klimaabteilung. In den Monaten Juni, Juli und August zusammengenommen war es im Freistaat im Schnitt 16,7 Grad warm: 0,8 Grad über dem langjährigen Mittel von 15,9 Grad. Und damit war Bayern heuer sogar noch das kälteste aller Bundesländer. Grundsätzlich gilt: Der heiße, trockene Juni, den viele im durchwachsenen August schon ein wenig vergessen hatten, hat die Gesamtbilanz rausgerissen.

Das setzt sich bei allen Daten fort, zum Beispiel bei den „Sommertagen“ mit Werten über 25 Grad. Für München wurden heuer 36 Sommertage in den drei Monaten gemessen. Normal sind es 32. So genannte „heiße Tage“ (über 30 Grad) gab es sechs; der langjährige Durchschnitt liegt bei 3,5. Auch die Sonnenscheindauer war in Bayern mit 638 Stunden (623) leicht überdurchschnittlich – woanders in Deutschland schien sie freilich noch öfter: Der Alpenrand war die sonnenärmste Region in ganz Deutschland.

„Der Juni war heuer der wärmste aller Monate, der Juli ein bisschen wärmer als sonst, der August relativ normal für einen August“, sagt Hoffmann. Kein Wunder, dass auch der heißeste Tag des Jahres im Juni war: Pfingstmontag, der 9. Juni. Der Spitzenwert in Bayern lag da bei 37,3 Grad in Bad Kitzingen. Eine Phase der Extreme: Nur gut eine Woche vorher wurde der Tiefstwert des Sommers 2014 in Bayern gemessen – am 1. Juni hatte es in Oberstdorf 1,3 Grad. Über Null immerhin.

Auch beim Niederschlag war der Juni so ein Ausreißer, dass er die gesamte Bilanz ins Plus gezogen hat. Insgesamt regnete es im Sommer 2014 in Bayern 292 Liter pro Quadratmeter. Im langjährigen Durchschnitt sind es 310 Liter.

In seiner Gesamtbilanz für Deutschland nimmt der DWD den Sommer 2014 in Schutz. „Mit seinen Höhen und Tiefen war er mehr als typisch für Mitteleuropa.“ Und: Die Witterung halte sich eben nicht immer ans Datum – der Winter 2014 hatte Frühlingscharakter, der Frühling war mitunter sommerlich, der Sommer hatte halt einen herbstlichen Touch. Zum Trost für die Mitteleuropäer verweist der DWD auf Katesbridge, Nordirland: Dort waren es am 24. August minus 1,9 Grad. Die Wetterexperten erwähnen aber auch auf die Häufung von Unwetterwarnungen: 36 waren es im deutschen Sommer, es gab Flutwellen, Tornados und Starkregen. „Für uns ist das ein weiteres Zeichen des Klimawandels“, so der DWD.

Auch andere machten gestern ihre Sommerbilanz auf, etwa die bayerischen Hüttenwirte. „Eine eher miserable Saison“, so der Deutsche Alpenverein. Als es schön war, blieben viele wegen der Fußball-WM im Tal. Und jetzt ist es den Wandern oft zu wechselhaft. „Es kommt ein Drittel von denen, die normal da sind“, sagt Susanne Härtl, Wirtin vom Soiernhaus im Karwendel. Jetzt hoffen die Wirte wenigstens auf einen schönen Altweiber-Sommer.

Damit könnten sie recht behalten, sagt die Prognose. Dank Hurrikan Cristobal sei ab Montag mildes, sonniges Wetter in Sicht, „ein Hochdruckgebiet, das diesmal nicht den Zweitnamen Eintagsfliege trägt“, so der DWD. Damit der Abschied vom offiziellen Sommer nicht zu schwer falle, erinnert der Wetterdienst an die alte Meteorologen-Weisheit: „Nach dem Sommer ist vor dem Sommer.“

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