Solnhofen verliert „Drama aus der Urzeit“

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Diese Steinplatte war ein spektakuläres Schaustück des Museums. F.: Braun/Museum Solnhofen/dpa

Eigentlich sollte das Kulturgutschutzgesetz Kulturgüter schützen. sammler ziehen wertvolle fossilien aus deutschland ab .

Doch macht es Eigentümern von außergewöhnlichen Kunst- oder Kulturschätzen Angst. Das auf Fossilien spezialisierte Museum in Solnhofen verliert eines der wichtigsten Exponate und fürchtet um seine Existenz.

Eigentlich sollte das Kulturgutschutzgesetz Kulturgüter schützen. Doch macht es Eigentümern von außergewöhnlichen Kunst- oder Kulturschätzen Angst. Das auf Fossilien spezialisierte Museum in Solnhofen verliert eines der wichtigsten Exponate und fürchtet um seine Existenz.

Von Susanne Sasse

Solnhofen/München – Es ist ein Kampf um Leben und Tod, der vor 150 Millionen Jahren ausgetragen wurde. Ein 80 Zentimeter großer Raubfisch hat an der Wasseroberfläche einen Flugsaurier aufgespießt. Die Szene, versteinert in Solnhofener Plattenkalk, trägt den Titel „Drama der Urzeit“ und hing als Dauerleihgabe in dem auf Fossilien spezialisierte Museum Solnhofen (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen). Dort ist sie aber nicht mehr zu sehen. Aus Angst vor dem geplanten neuen Gesetz zum Schutz des Kulturgutes hat der Eigentümer die Steinplatte außer Landes geschafft.

„Der Eigentümer wird uns dieses Exponat wegen der zu erwartenden Gesetzesänderung nicht mehr zur Verfügung stellen“, bedauert der wissenschaftliche Direktor des Museums, Martin Röper.

Den Grund sieht Röper in der geplanten Novelle des Kulturgutschutzgesetzes. Um diese Novelle herrscht seit Monaten Streit, Kunsthändler und Sammler lehnen sie ab. Nach den Plänen von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) soll künftig für die Ausfuhr von wertvolleren Kunstwerken auch im EU-Binnenmarkt eine Genehmigung notwendig sein. Bisher galt das nur für außereuropäische Länder. Fossiliensammler befürchten laut Röper, dass urzeitliche Funde ebenfalls als „national wertvolles Kulturgut“ eingestuft werden und dafür dann die gleichen hohen Auflagen wie für teure Kunstwerke gelten. „Ein ganzes Hobby ist in Gefahr“, sagte Röper.

Dass diese Befürchtung, ein urzeitlicher Fund könne als Kulturgut eingestuft werden, jedenfalls nicht an den Haaren herbeigezogen ist, zeigt ein Blick in die Liste, der „national wertvollen Kulturgüter“ Bayerns. In dieser Liste sind 730 Posten aufgeführt. Das meiste davon sind Werke der bildenden Kunst, Archive, Bauwerke, aber eben auch archäologische und fossile Funde sind aufgeführt. So sind in die Listen Bayerns zum Beispiel vier in Bayern gefundene Fossile des Urvogels Archaeopteryx eingetragen.

Als „Heimstätte des Urvogels Archaeopteryx“ gilt unter Fossiliensammlern auch das Museum Solnhofen. Hier sind drei der zwölf in Deutschland ausgestellten Originale des Urvogels zu sehen, zudem ein weiterer gefiederten Raubdinosaurier.

Wer weiß, wie lange noch. Denn Museumsdirektor Röper macht unter den Besitzern von urzeitlichen Exponaten einen „großen Vertrauensverlust in den Standort Deutschland“ aus. Sein Museum habe nun drei Exponate verloren, die unterschiedlichen privaten Eigentümern gehörten und als Leihgaben in dem Museum waren. Und damit ist noch nicht Schluss: „Sammler haben jetzt schon die Herausnahme weiterer wertvoller Stücke angekündigt und werden diese noch in diesem Jahr durchführen“, betonte er. Solnhofen verliere damit weitere für das Museum wichtige Stücke. „Das ging jetzt alles so schnell, viele Besucher haben von den Verlusten noch gar nichts mitbekommen“, sagte Museumsmitarbeiterin Gabi Krüger am Sonntag im Gespräch mit unserer Zeitung.

Auch die Gemeinde Solnhofen ist alarmiert und hat eine Petition an den Bundestag initiiert, um das Gesetz zu stoppen. „Sollte das Gesetz trotz aller Interventionen beschlossen werden, kann es das Aus des Museums in Solnhofen und vieler anderer Museen in Deutschland bedeuten“, schreibt die Gemeinde auf ihrer Internetseite.

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