BAIRISCHES WORT

Das Soinzöpfl

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Schaut nicht nur gut aus, schmeckt auch: ein Seelenzopf. foto: fkn
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Schaut nicht nur gut aus, schmeckt auch: ein Seelenzopf. foto: fkn

Dass ihre Seele ein Zöpfchen habe, das haben selbst unsere Vorfahren nicht geglaubt – obwohl deren metaphysische Vorstellungen oftmals ins Bildhaft-Naive abgeglitten sind.

Also muss es sich beim sogenannten „Soinzöpfl“, also dem „Seelenzöpfl“, um etwas anderes handeln.

Tatsächlich kann man in Osteuropa heute noch erleben, dass dem Verstorben Gebäck ins Grab mitgegeben wird, das er auf seiner langen Reise sicher gut gebrauchen wird.

Auch im alten Bayern buk man in dieser Tradition anlässlich einer Leich’, also einer Beerdigung, Wecken und Semmeln, die für die Armen des Dorfes „geopfert“ wurden. Heute wird noch mancherorts an Allerseelen ein „Soinzöpfl“, ein Hefeteigzopf, gebacken und an Patenkinder und Freunde verteilt. Die Rosinen drin sind allerdings illegal, denn eine kirchliche Verordnung von 1711 sagt, die Zöpfl mögen aus „minderem Teig“ sein!

Norbert Göttler

Bezirksheimatpfleger Oberbayern

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