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Einsatz auch als Biokraftstoff

So könnte heimischer Raps die „Ölkrise“ im Supermarkt beenden – und den Bienen ist auch geholfen

Sie plädieren für heimischen Raps: (von links) Gertraud Stadolka, Tobias Weissflog, Rainer Zenz, Hans Reichenspurner, Georg Maier, Ulrich Niederschweiberer, Ludwig Seidl und Georg Maier junior im Rapsfeld.
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Sie plädieren für heimischen Raps: (von links) Gertraud Stadolka, Tobias Weissflog, Rainer Zenz, Hans Reichenspurner, Georg Maier, Ulrich Niederschweiberer, Ludwig Seidl und Georg Maier junior im Rapsfeld.
  • Peter Becker
    VonPeter Becker
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Das Rapsöl soll angesichts seines Anteils an Omega3-Fettsäuren sogar „besser als Olivenöl“ sein. Die Erzeugergemeinschaft Mühldorf-Altötting plädiert deshalb für einen Sinneswandel.

Mühldorf/Altötting – Alle Welt redet von der Rohstoffkrise, und in heimischen Supermärkten wird das Sonnenblumenöl knapp.

Gleichzeitig ist die Landschaft mit Feldern voller leuchtengelb blühendem Raps betupft. Genau der richtige Zeitpunkt für die Rapserzeugergemeinschaft Altötting-Mühldorf, um an diesen nützlichen heimischen Rohstoff zu erinnern.

Anbaufläche ist zuletzt gesunken

Immer schwerer habe es die Nutzpflanze neuerdings, weil andere Feldfrüchte sich einfacher kultivieren lassen und besser zu verkaufen sind. „2021 ist die Anbaufläche im Landkreis Mühldorf auf 796 Hektar gesunken“, bemängelt der überzeugte Rapsbauer Georg Maier vom Huberhof bei Feichten an der Alz. Angesichts der Tatsache, dass es 2020 noch 1082 Hektar waren, wird offensichtlich, dass Raps nur noch einen Bruchteil der insgesamt 33 700 Hektar Ackerfläche des Landkreises begrünt. Das war vor 20 Jahren noch anders, als beispielsweise Soja bei uns noch nicht angebaut wurde. Auch die Flächenkonkurrenz gegen den für die Biogasanlagen benötigten Mais oder das Elefantengras verliere der Raps zusehends, so der Vorsitzende der Rapserzeugergemeinschaft.

Ein Grund für das bei der Bevölkerung und den Erzeugern gleichwohl schlechte Image von Raps ist, dass man ihn praktisch nicht ohne Pflanzenschutzmittel anbauen kann. „Es gibt keinen Öko-Raps“, gesteht Ludwig Seidl, der zweite Vorsitzende der Rapserzeugergemeinschaft Altötting-Mühldorf. Allerdings ist der Pestizideinsatz durch eine gut strukturierte Fruchtfolge deutlich zu verringern, was man in der Erzeugergemeinschaft in den vergangenen 20 Jahren auch gelernt hat. „Wir setzen jetzt 30 bis 50 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel ein. Blütenspritzen bringt zum Beispiel wenig“, sind sich Ludwig Seidl und Georg Maier einig.

Allerdings könne man bei den 20 bis 40 Sprossen, die auf jedem Quadratmeter im Feld nach der Aussaat im August überwintern, nicht ganz auf Pflanzenschutzmittel verzichten. Zu viele Fressfeinde, wie Schnecken oder Erdflöhe, würden sich über die zarten Pflänzchen sonst hermachen. Darüber hinaus ist das Kreuzblütlergewächs auch für Schädlinge wie die von einem einzelligen Schädling verursachte Kohlhernie anfällig. Einmal in einem Feld angekommen, ist der Wurzelschädling auch sehr schwer wieder zu vertreiben. Um eine Durchseuchung des Bodens zu verhindern, kann der Landwirt das Feld also nur alle vier bis sechs Jahre mit Raps bepflanzen.

Geerntet werden kann der Raps im Juli, womit eine nachfolgende Bepflanzung im September oder Oktober, beispielsweise mit Herbstweizen möglich ist. Kreuzblütler, wie der Raps, haben generell keinen schlechten Effekt auf den Boden: Die dicht und tief wurzelnden Pflanzen bringen auf natürliche Weise viel frischen Kohlenstoff in den Boden ein, der nach der Ernte ein Eldorado für die Bodenfauna hinterlässt und zur Humusbildung beiträgt.

Geschmacklich hat sich beim Raps bereits vor Jahrzehnten viel getan, sodass heutige Züchtungen beispielsweise keine Bitterstoffe mehr enthalten. „Im Gegensatz zu Soja wurde Raps nie genverändert“, betont Georg Maier.

Hand in Hand für die Bienen

Nicht zuletzt wegen der Bienen müssen die Landwirte der Erzeugergemeinschaft beim Pestizideinsatz Vorsicht walten lassen. „Raps ist auch für die Bienenvölker des Zuchtvereins Kirchweidach-Feichten ein Segen“, wie die Vorsitzende Gertraud Studolka berichtet. Etwa 100 Kilo Honig können die Bienenvölker des Zuchtvereins auf einem Hektar Raps sammeln.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Mühldorf

„Ich setze schon länger voll auf die friedliche Carnica-Biene“, erklärt der zweite Vorsitzende Rainer Zenz, während er durch das brummende und summende Feld schreitet.

Rapshonig ist von anderen Sorten leicht zu unterscheiden, weil er aufgrund seines hohen Traubenzuckeranteils milchig-weiß aussieht. „Der kandiert schnell“, so Gertraud Studolk, „ab Ende Mai werden wir heuer unseren Vereinshonig auf die regionalen Märkte bringen.“ Denn im Gegensatz zum vergangenen Jahr ist die Rapsblüte in diesem Jahr nicht verregnet.

Zu 100 Prozent verwertbar und das Öl zu schade für den Tank

Bemerkenswert am Raps ist, dass die oberirdische Pflanze zu 100 Prozent verwertbar ist. Ein abgeernteter Hektar Raps ergibt etwa 4000 Kilo Biomasse, aus denen dann etwa 40 Prozent Rapsöl gepresst werden. „Bis zu 1800 Liter bekommt man durch Kaltpressen raus“, so Mühldorfs Bauernverbandsobmann Ulrich Niederschweiberer. Der Rest ist Rapskuchen und dank des hohen Eiweißgehalts ein gutes Rinderfutter.

Das Rapsöl vieler der 150 Mitglieder der Erzeugergemeinschaft wird in Nonnreit bei Tittmoning gepresst und zum Teil regional vermarktet.

Das Rapsöl sei, so Georg Maier, angesichts seines Anteils an Omega3-Fettsäuren sogar „besser als Olivenöl“. Aus seiner Sicht ist deshalb die Nutzung von Rapsöl als Biokraftstoff schiere Verschwendung. Obwohl dies angesichts der Rohstoffunsicherheit infolge des Ukrainekriegs aktuell wieder in den Fokus auch von industriellen Verbrauchern rücken dürfte. Die Preise werden auf den Rohstoffbörsen von Chicago und Paris gemacht.