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Wie lange reichen die Reserven?

Nahrung, Kraftstoff, Schutzräume: So ist Deutschland für den Notfall gerüstet 

  • Matthias Schneider
    VonMatthias Schneider
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Schutzräume gibt es kaum noch, auch bei Öl und Getreide reicht die Reserve nur für eine kurze Zeit. Sämtliche relevanten Daten und Zahlen im Überblick:

München – Ein bewaffneter Konflikt mitten in Europa, das schien der Politik nach dem Ende des Kalten Kriegs mit dem damaligen Ostblock im Jahr 1989 ein immer weniger realistisches Szenario. Die Mauer war gefallen, die Sowjetunion brach zwei Jahre später zusammen. Die ganz große Gefahr, sie schien gebannt. Zwar werden weiterhin Lebensmittel und Öl bevorratet, aber Schutzbunker gibt es kaum noch. Die meisten wurden zu Wohnhäusern oder Kulturzentren umgebaut, auch in München. Tatsächlich wurden die in den 1960er-Jahren eingeführten staatlichen Notfallreserven noch nie benötigt – nicht einmal beim schweren Hochwasser 2002. Der Krieg in der Ukraine hat das Bewusstsein neu justiert. Rohstoffe und Getreide sind knapp, Experten befürchten Hungersnöte in vielen Ländern der Welt. Und wie sieht es in Deutschland aus? Klar ist: Die staatliche Notreserve ist nur auf kurze Versorgungsengpässe ausgelegt. Ein Überblick.

Nahrung

In der Bundesreserve Getreide befinden sich gut 700.000 Tonnen Weichweizen, Roggen und Hafer. Daraus ließen sich knapp 824 Millionen ein Kilogramm schwere Brotlaibe backen. In der sogenannten zivilen Notfallreserve werden zudem gut 125.000 Tonnen Reis, Erbsen, Linsen und Kondensmilch gelagert. Die Bevorratung von Lebensmitteln ist Aufgabe der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft, das dem Bundeslandwirtschaftsministerium untersteht. Die Vorräte werden über Ausschreibungen eingekauft und in angemieteten Lagern bevorratet. Die rund 150 auf das gesamte Bundesgebiet verteilten Standorte sind geheim, um im Krisenfall kein Ziel für Plünderer zu werden. Und sie sind dafür gedacht, kurzzeitige Engpässe in der Versorgung zu überbrücken. 

Laut einer Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums könnten die Vorräte je nach Anzahl der Personen und Größe der Tagesrationen zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen reichen. Grundsätzlich gebe es aber keinen Grund zur Panik: Weil Deutschland den Großteil vieler Güter, etwa Weizen, selbst produziert, sei die Versorgung gesichert. Zudem kann der Bund Waren rationieren sowie Betriebe zur Verarbeitung oder zur Produktion von Lebensmitteln verpflichten – etwa Mühlen und Bäckereien.

Kraftstoff

Infolge der Mineralölkrise in den 70er-Jahren wurde die Einrichtung einer strategischen Ölreserve zur Überbrückung von Engpässen beschlossen. Konkret soll die Reserve den Nettoimporten von 90 Durchschnittstagen entsprechen. Gelagert werden neben Rohöl Ottokraftstoff, Benzin, Diesel, leichtes Heizöl und Flugturbinenkraftstoff – insgesamt derzeit etwa 24 Millionen Tonnen.

Ein großer Teil lagert in 62 Kavernen, also ehemaligen Salzbergwerken. Diese befinden sich größtenteils in Norddeutschland, etwa in Wilhelmshaven. Es gibt aber auch oberirdische Tanklager, eines davon im oberbayerischen Feldkirchen. Zuständig für die Bevorratung ist der Erdölbevorratungsverband, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, deren Pflichtmitglieder die deutschen Mineralölhändler sind.

Freigegeben wird die Ölreserve laut Bundeswirtschaftsministerium, wenn wegen einer Knappheit große wirtschaftliche Schäden zu befürchten sind. Betrifft die Notlage nur Deutschland, kann das Ministerium selbst über die Freigabe entscheiden. Betrifft der Engpass mehrere Länder, können die Bestände auch auf Beschluss der Internationalen Energieagentur (IEA) freigegeben werden. In diesem Verbund haben die wichtigsten Industrieländer ihre Kapazitäten verknüpft. Zuletzt wurde ein Teil der Reserven im April freigegeben, um die explodierenden Ölpreise zu dämpfen.

Schutzräume

Angesichts des Ukraine-Kriegs hat die CDU in Baden-Württemberg erst am Freitag vom Bund ein neues Bunker-Konzept gefordert. Denn es gibt kaum noch welche – in Baden-Württemberg aktuell sogar gar keinen einsatzbereiten. Einst waren es dort 547 Schutzräume für insgesamt gut 400.000 Menschen.

In Bayern wurden seit den 1960er-Jahren rund 500 öffentliche Schutzräume errichtet. Doch die langen Jahre des Friedens haben Spuren hinterlassen: Sie alle wurden 2007 aufgegeben. Das heißt nicht, dass sie nicht mehr zugänglich sind: Die meisten wurden als Tiefgaragen oder andere Mehrzweckgebäude geplant, um den Bau zu finanzieren. Derzeit prüft der Bund, inwieweit die vorhandenen Schutzräume wieder genutzt werden könnten.

In Bayern unterliegen noch 57 Schutzräume der sogenannten Zivilschutzbindung, sie durften also nicht umgebaut werden. 17 davon befinden sich in München, darunter laut bayerischem Innenministerium ein Hochbunker in der Schleißheimer Straße. Das reicht freilich nur für einen Bruchteil der Bevölkerung. Aber selbst zu Hochzeiten wäre nur Platz für etwa fünf Prozent der Menschen gewesen, argumentiert das Ministerium. Ein wirksamer Schutz bestünde nur durch militärische Abwehrmaßnahmen. Zudem könnten auch unterirdische Gebäudeteile oder U-Bahn-Schächte einen bedingten Schutz bieten. Die Betonung liegt auf bedingt: „Die Münchner U-Bahn ist ein offenes System und war nie als Bunker gedacht“, erklärt ein Sprecher der Stadtwerke München auf Anfrage. 

Daneben gibt es einige Privathaushalte, die vorgesorgt haben: Laut Innenministerium gibt es bundesweit rund 9000 private Schutzräume.

Warnung

Der beste Schutz nützt nichts, wenn man die Gefahr zu spät bemerkt. Das bayerische Innenministerium setzt deshalb auf einen Mix aus Sirenen, Lautsprecherwagen, Radio und Fernsehen. Für das Aufstellen der Sirenen sind die Kommunen verantwortlich. Eine genaue Erhebung über die Abdeckung gibt es nicht. Bayerns Innenministerium verweist jedoch darauf, dass die Fördergelder des Bundes hierfür „bei Weitem nicht“ ausreichen. Weil die meisten Menschen ein Smartphone haben, sind inzwischen Warn-Apps wie Nina oder Katwarn, Soziale Medien sowie digitale Werbetafeln dazugekommen. Derzeit wird an der Einführung des „Cell Broadcast“ gearbeitet. Dieses System schickt eine Warn-SMS an alle Handys im Einzugsbereich eines Funkmasten. Laut Innenministerium soll es bis Ende des Jahres verfügbar sein.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung/Bildcollage Red.

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