Mit Silphie gegen die Maiswüste

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Die Energiepflanze der Zukunft? Die durchwachsene Silphie (oben) könnte eine bienenfreundliche Alternative zu den vielen Mais-Monokulturen (unten) in Bayern sein. Foto: Habschied/Energiepark Hahnennest

Sie blüht gelb wie eine kleine Sonnenblume und gilt als insektenfreundliche Alternative zum Mais. Ist die durchwachsene Silphie die Energiepflanze der Zukunft? Erste Bauern in Oberbayern experimentieren bereits mit der Pflanze aus Nordamerika.

Energiepflanze der Zukunft?

von DOminik Göttler

München – Im vergangenen Jahr hat sich Josef Götz aus Ried im Landkreis Dachau in ein kleines Abenteuer gestürzt. Er hat eine Pflanze angebaut, mit der bislang noch wenige Landwirte in Bayern Erfahrungen gesammelt haben. Das Gewächs heißt „durchwachsene Silphie“, kommt ursprünglich aus Nordamerika und wird von vielen schon als die Energiepflanze der Zukunft gepriesen, als bienenfreundliche Alternative zur Mais-Monokultur. „Das hat mich fasziniert“, sagt Bauer Götz, der an seinem Hof auch eine Biogasanlage betreibt. Also wollte er die Silphie auch ausprobieren.

Doch einfach mal so ansäen wie etwa den Weizen – das geht mit der Silphie nicht. Denn eigentlich hat sie nur eine Keimfähigkeit von zehn bis 20 Prozent. Deshalb mussten die Silphie-Setzlinge aufwendig im Gewächshaus gezogen werden, bevor sie einzeln auf dem Feld gepflanzt werden konnten. Das war extrem teuer. Zudem liefert sie im ersten Anbaujahr keinen Ertrag. Das hat viele Bauern abgeschreckt.

Doch dem baden-württembergischen Landwirt Ralf Brodmann und seinen Kollegen vom Energiepark Hahnennest ist es gelungen, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Sie haben das Saatgut so behandelt, dass die Keimfähigkeit auf über 90 Prozent gesteigert werden konnte. Und um den Ausfall im ersten Jahr zu kompensieren, haben Brodmann und seine Kollegen für diese Übergangsphase zusätzlich Mais eingesät, der im ersten Anbaujahr geerntet werden kann, während sich die Silphie noch an den Acker gewöhnt.

Auf die Idee, mit der Silphie zu experimentieren, ist Brodmann gekommen, als er ein Pflanzen-Quartett aus einem Kindermagazin in die Hände bekam. Da war auch die Silphie vertreten. „Ich kannte sie nicht, aber sie wurde schon als die Energiepflanze der Zukunft bezeichnet.“ Das hat ihn neugierig gemacht. Und aus ersten Experimenten im eigenen Garten ist die „Donau-Silphie“ geworden, die Brodmann nun mit einem Gesamtpaket aus Saatgut und Betreuung an interessierte Landwirte vermarktet. 360 Bauern sind mittlerweile an Bord.

Einer von ihnen ist Josef Götz. Das Übergangsjahr der ersten fünf Hektar hat er, betreut vom Hahnennest, bereits hinter sich gebracht. „Ein bisschen war sie schon zu sehen. Zwischen den Maisstauden hat sich eine Rosette gebildet, die etwas an eine Krautpflanze erinnert“, beschreibt Götz. Jetzt wartet er darauf, dass die Silphie zum ersten Mal richtig austreibt. Denn sie ist eine Dauerkultur, die mit einmal Säen mindestens 15 Jahre lang wieder von alleine wächst.

Ralf Brodmann ist überzeugt davon, dass die Silphie ihren Platz in der Agrarlandschaft finden wird und eine ideale Ergänzung zum Mais und zu anderen Energiepflanzen darstellt. Auch Josef Götz setzt Hoffnungen in die Pflanze. „Der Energieertrag ist zwar wohl etwas geringer als beim Mais. Aber gerade auf Flächen, auf denen der Mais nicht so gut wächst, würde sie gut hinpassen.“

Und der positive Nebeneffekt: Die Silphie ist eine Bereicherung für die Natur. Sie blüht von Juli bis September – eine Zeit, in der Bienen sonst kaum Blüten finden. Imker sind davon so begeistert, dass etwa der Dorfener Bienenzuchtverein im Dezember schon eine „Anschubfinanzierung“ von 300 Euro pro Hektar auslobte, für jeden Bauern, der die Silphie sät.

Außerdem lockt die Silphie im Gegensatz zum Mais keine Wildschweine an, benötigt ab dem zweiten Jahr keine Pflanzenschutzmittel mehr und fördert durch ihr dichtes Wurzelwerk den Humus-Aufbau. Das ist besonders wichtig, weil ohne ausreichend Humus der Boden bei starken Regenfällen weggespült wird. „Wir Landwirte müssen ja einen Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Naturschutz schaffen“, sagt Götz. Vielleicht könnte die Silphie einen Beitrag dazu leisten.

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