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„Extraterrestrischer Batz“ in Felswand

Sensationsfund bei Bad Reichenhall: Darum sind die Dinos also ausgestorben

Das Skelett von einem Tyrannosaurus rex steht im Dinosaurier Museum Altmühltal. Ein rund elf Meter langes und vier Meter hohes Skelett eines Tyrannosaurus rex haben Dinosaurier-Experten zusammengebaut. Das Skelett besteht aus echten Fossilien und nachgebauten Knochen und wurde auf den Namen „Torvik“ getauft.
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Das Skelett von einem Tyrannosaurus rex steht im Dinosaurier Museum Altmühltal. Ein rund elf Meter langes und vier Meter hohes Skelett eines Tyrannosaurus rex haben Dinosaurier-Experten zusammengebaut. Das Skelett besteht aus echten Fossilien und nachgebauten Knochen und wurde auf den Namen „Torvik“ getauft.
  • Carina Zimniok
    VonCarina Zimniok
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Gleich zwei Katastrophen ereilten die Dinos vor 66 Millionen Jahren - das beweist eine dünne Schicht an einer abgelegenen Felswand bei Bad Reichenhall. Es ist der erste Fund dieser Art in Deutschland. Forscher freuen sich über die Sensation.

Bad Reichenhall – Manchmal wird Bayerns Chefgeologe Roland Eichhorn, 57, so richtig gerne dreckig. Zum Beispiel, wenn er zusammen mit seinen Forschern ein Stück Erdgeschichte entdeckt. Ach was, eine Sensation. An einer Steilwand im Lattengebirge, 30 Meter hoch, ein dünner Wasserfall rieselt am Gestein entlang, sind die Forscher auf 66 Millionen Jahre alte Spuren gestoßen. Und die zeigen auch noch, wie die Dinosaurier ausgestorben sind. „Das war richtig spannend“, sagt Eichhorn, der beim Landesamt für Umwelt den Geologischen Dienst leitet.

Die Stelle in den Berchtesgadener Alpen interessiert Geologen seit Jahrzehnten. Roland Eichhorn erklärt warum: „Schon lange ist bekannt, dass vor 66 Millionen Jahren in Mexiko ein Asteroideneinschlag dafür gesorgt hat, dass die Dinosaurier ausgestorben sind.“ Staub und Asche hatten daraufhin die Sonne verdunkelt, monatelang herrschte Nacht auf dem Planeten, eine jahrelange Kaltzeit folgte. Das überlebten die Dinosaurier nicht.

Experten des Landesamtes für Umwelt, Roland Eichhorn und Thomas Viertler, entnehmen im Lattengebirge bei Bad Reichenhall Proben der Gesteinsschicht. In den Schichten sind Stäube aus einem Asteroideneinschlag sowie darüber Asche aus massiven Vulkanausbrüchen konserviert. Beide Ereignisse gelten als Ursache des Massensterbens vieler Tierarten und auch der Dinosaurier. 

Parallel zu dieser Theorie entwickelte sich eine weitere, nämlich diese: „Der Einschlag in Mexiko war so gewaltig, dass er die Erde zum Ruckeln gebracht hat“, sagt Eichhorn. Diese unglaublichen Kräfte befeuerten Vulkanausbrüche auf der anderen Seite der Erdkugel, in Indien. Also noch ein weiteres Ereignis, das das meiste Leben auf der Erde auslöschte. „Die Dinosaurier waren hartnäckig und haben 100 Millionen Jahre gelebt. Es hat schon zwei Katastrophen solchen Ausmaßes gebraucht, um sie aussterben zu lassen“, sagt Eichhorn. Zum ersten Mal haben Forscher in Deutschland nun beweisen können, dass das tatsächlich so war.

Die Geschichte der Entdeckung beginnt eigentlich schon in den 1960er Jahren, als der Münchner Professor Dietrich Herm, eine Geologen-Koryphäe, dort auf Spuren stößt, die durch den Einschlag des Asteroiden in Mexiko erklärt werden können. Doch der Fund bleibt weitgehend unbeachtet. 2015 schickt das Landesamt Geologen zum Wasserfallgraben, um auch die vulkanische Ascheschicht zu entdecken. Die Forscher seilen sich an der fast senkrechten Steilwand entlang ab und suchen alles ab.

Und tatsächlich: Sie finden auf einer kleinen Stufe auf 1240 Metern eine winzige weiß-beige Ablagerungsschicht mit Asteroidenstaub und darüber dünne Lagen mit vulkanischem Staub. Einen Millimeter dünn, der erste Fund dieser Art in Deutschland. „Das war schon abenteuerlich“, sagt Eichhorn, der selbst vor Ort war und mitgegraben hat. 2018 war das. Seither haben verschiedene Universitäten die Proben analysiert.

Nachdem nun eine Fachzeitschrift einen Artikel dazu gedruckt hat, ging auch das Landesamt für Umwelt an die Öffentlichkeit. Ein Stück aus der Wand soll präpariert und in einem Museum ausgestellt werden. Eichhorn schwebt das Rieskrater-Museum in Nördlingen vor.

Dass diese Sensation in Bayern entdeckt wurde, hat übrigens Gründe. Zum einen heben und senken sich Gebirge im Lauf der Zeit, Gesteinsschichten werden verschluckt und geschützt. Zum anderen, weil die Gegend zum Zeitpunkt der Katastrophen von einem riesigen Ozean bedeckt war. So konnten Asteroidenstaub und Vulkanasche langsam im Wasser absinken. An der Oberfläche wäre der Staub natürlich längst vom Wind verweht. Und noch ein Faktor trägt dazu bei, dass Bayern Fundort der sensationellen Spuren ist: Die Region lag damals genau zwischen Mexiko und Indien und bekam so von beiden Katastrophen etwas ab. Bayern, wie so oft der Nabel der Welt.