Im Selbstversuch per Auto durch Rosenheims Innenstadt – Zu Fuß wär's schneller gegangen

Hat sich durch den Stau gekämpft: Alexandra Schöne
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Hat sich durch den Stau gekämpft: Alexandra Schöne
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Stau in der Rosenheimer Innenstadt: Jeder Autofahrer kennt es, jeder macht es regelmäßig durch. Wie schlimm ist es wirklich? OVB-Volontärin Alexandra Schöne hat‘s ausprobiert.

Rosenheim – Die Kinder wollen aus der Kita abgeholt werden, Einkäufe stehen in der Mittagspause an und die Zeit rennt einmal mehr davon: In Rosenheim ist man als Autofahrer zur Mittagszeit in der Innenstadt nie alleine unterwegs. Wie lange dauert also eine Fahrt von der Innstraße bis zur Loretowiese zur Stau-Hochzeit? Besonders im Moment, da die Ellmaierstraße wegen einer Baustelle gesperrt ist. Ein Selbstversuch.

11.30 Uhr: Ich biege aus der Schönfeldstraße in die Innstraße ein und muss prompt bei der Konditorei Süssmuth an der Ecke stehen bleiben. Super, denke ich, das geht ja schon einmal gut los. Die Autos stehen schon bis nach vorne zur Kurve. Ein kleiner Trost ist immerhin, dass auf der Gegenfahrbahn die Autofahrer ebenfalls warten müssen.

Für die Distanz von rund einem Kilometer hat Alexndra Schöne 17 Minuten gebraucht. Klinger

11.32 Uhr: Mittlerweile bin ich fünf Meter weiter gekommen. Rechts und links fahren Autofahrer kreuz und quer aus den Seitenstraßen heraus und versuchen, sich in dem Chaos aus Fahrzeugen und Baustelle in den Verkehr einzureihen.

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11. 34 Uhr: Nach vier Minuten habe ich immerhin schon 140 Meter überwunden und mich bis zur Sparkasse in der Innstraße gequält. Hier bleibe ich wieder stehen und warte.

11.35 Uhr: Endlich! Ich kann anstatt des ständigen „Stop-and-Go“ sogar ein paar Meter richtig fahren.

11.36 Uhr: An der Ecke Sedanstraße dreht der erste Autofahrer schon wieder um und ergreift die Flucht in die entgegengesetzte Richtung. Ein zweiter nimmt schlauerweise kurzerhand die Abkürzung durch die Sedanstraße. Auf der gegenüberliegenden Fahrbahn läuft der Verkehr im Gegensatz zu meiner recht flüssig.

Stau in der Rosenheimer Kaiserstraße zur Mittagszeit. Wie lange braucht ein Autofahrer in diesem Zeitraum von der Innstraße zur Loretowiese?

Wenn dich Fahrradfahrer überholen

11.37 Uhr: Ein Fahrradfahrer überholt mich und schlängelt sich mühelos durch den Verkehr. Dass die meisten Autos in der Straße die Radspur blockieren, scheint ihn nicht zu stören. Sehsüchtig schaue ich ihm hinterher, während ich das Auto in Bewegung setzte und eine Fahrzeuglänge weiterrolle.

11.39 Uhr: Nach einer Minute Stillstand geht es jetzt recht zügig auf den Kreisel zu. Viele Autofahrer können hinein fahren. Ich bin nicht dabei.

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11.41 Uhr: Ich habe den Kreisverkehr hinter mir gelassen! Vor dem Zebrastreifen am Ludwigsplatz geht es mit dem Stau jedoch gleich weiter. Am Grünen Markt tummeln sich die Leute währenddessen am Würstelstand. Der Duft besagter Fleischprodukte zieht durch das geöffnete Fenster in mein Auto. In der Zeit, die ich hier schon auf meinem Weg zur Loretowiese verbracht habe, hätte ich auch ein paar Wiener mit Sauerkraut verdrücken können. Oder auch zwei.

11.42 Uhr: Ich passiere das Mittertor. Bis zur Eisdiele „DaNoi“ geht alles sogar ein wenig zügiger.

Grünphase: Was ist das?

11.44 Uhr:Die Ampel an der Ecke Am Salzstadl lässt in ihrer Grünphase gefühlt nur zwei Autos durch. Um 11.45 Uhr habe ich aber freie Fahrt fast bis ganz nach vorne. Natürlich ist die Ampel dann rot.

11.46 Uhr: Ich rausche über die erste Ampel. Anschließend auch gleich über die zweite, aus Angst, diese könnte auch wieder auf Rot springen. So zügig und so viele Meter am Stück bin ich seit Beginn dieses Experiments nicht mehr gefahren.

11.47 Uhr: Loretowiese, ich komme! Hallelujah, denke ich, als ich auf den großen Platz einbiege.

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11.48 Uhr: Jetzt beginnt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, also dem Parkplatz auf der Loretowiese. Bisher sieht es eher schlecht aus.

11.53 Uhr: Nach fünf Minuten gebe ich die Suche auf, da ich keine Lust mehr habe. Außerdem denken sich die Leute draußen vor der Miedl-Filiale in der Mitte der Loretowiese bestimmt schon, ob ich einen Drehwurm habe oder es ihr einfach Spaß macht, zehnmal im Kreis herum zu kurven.

17 Minuten für 1 Kilometer

Fazit: Für eine Strecke von 1,0 Kilometer habe ich mittags um halb zwölf geschlagene 17 Minuten gebraucht. Jetzt habe ich Hunger. Vielleicht hole ich mir eine Wurst am Würstelstand.

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