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BAYERN & SEINE GESCHICHTEN

Die Schwedengeiseln

Eine Geschichte aus dem 30-jährigen Krieg. Der Einfall der Schweden in Oberbayern ist fast 400 Jahre her, aber es gibt noch Erinnerungsspuren an diese Zeit.

Zum Beispiel den Kinderreim „Bet, Kinderl, bet, morgen kommt der Schwed“. Mancherorts gibt es noch Schwedeneichen oder -buchen – mächtige Bäume, an denen (angeblich?) Dorfeinwohner von marodierenden Schweden gehängt worden waren. Und ein Votivbild in der Münchner Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf erzählt von einem Ereignis, das mitten hineinführt in die Zeit des 30-jährigen Krieges: die Geschichte der Münchner Schwedengeiseln.

Die rührige Regionalzeitschrift „Amperland“, die viel mehr Leser verdient hätte, widmet dem Krieg in der jüngsten Ausgabe gleich mehrere Beiträge. Man muss sich so ein epochemachendes Ereignis nicht als 30 Jahre lang andauernde Grausamkeit vorstellen. Der Krieg wanderte an verschiedene Kriegsschauplätze, nirgendwo dauerte er durchgehend 30 Jahre. Und speziell in Oberbayern und München war der 30-jährige Krieg, schrecklich genug, im Kern ein dreijähriger Krieg, der 1631 begann, als die protestantische Armee des Schweden-Königs Gustav II. Adolf von Norden her langsam nach Bayern vorrückte. In der Schlacht bei Rain am Lech, bei der Bayerns legendärer Feldherr Graf Tilly so schwer verwundet wurde, dass er zwei Wochen später verstarb, siegten die Schweden am 15. April 1632 spektakulär. „Der Weg ins Herz Altbayerns war frei“, schreibt der Historiker Wilhelm Liebhart. Am 20. April wurde Augsburg, am 3. Mai Landsberg am Lech eingenommen. Münchner Honoratioren flüchteten, der Bürgermeister Friedrich Ligsalz indes wurde nach Moosburg geschickt, um mit Gustav Adolf zu verhandeln. Das Ergebnis: München, damals mit 20 000 Einwohnern in etwa so groß wie heute eine Kreisstadt, sollte von Brand und Plünderung verschont werden, sofern die Stadt die damals ungeheure Summe von 450 000 Gulden zahlen konnte.

Das konnten die Münchner aber nicht. Alles in allem kamen bei einer Sammlung nur 104 340 Gulden und Schmuck im Wert von weiteren gut 40 000 Gulden zusammen, wobei selbst das Silbergeschirr der Stadt eingerechnet war. Daher mussten für den Rest der Summe Geiseln als Pfand zur Verfügung gestellt werden. „Als dann am 7. Juni 1632 die schwedischen Truppen aus München abzogen, mussten auch die Geiseln in neun Kutschen mitkommen“, schreibt Lothar Altmann, der im „Amperland“ das Drama um die insgesamt 22 geistlichen und 20 weltlichen Schwedengeiseln näher beleuchtet. Zielort der Geiseln war Augsburg, wo sie mit Schmähungen empfangen wurden. Über Jahre wurden sie nun festgehalten, wobei man über die Lebensumstände wenig weiß. Die Stadt München musste für den Unterhalt selbst aufkommen und hatte „dabei anfallende Schmiergelder zu finanzieren“, wie Altmann schreibt. Schließlich wurde deshalb in München sogar eine Bürgersteuer eingeführt. Erst nach fast drei Jahren konnten die Geiseln schließlich heimkehren – allerdings etwas dezimiert, einer war zum Luthertum übergetreten und wollte nicht mehr heim, vier waren gestorben, einer geflohen.

Nicht jede Ortschaft hatte das Glück, gegen Geldzahlung verschont zu werden. Just am Tag der Besatzung Münchens am 17. Mai 1632 wurde das Kloster Fürstenfeld geplündert und mehrere Zisterziensermönche erschossen. Altomünster, Andechs, Dachau – immer wieder fielen schwedische Truppen in Oberbayern ein und brandschatzten Orte. Das hing auch mit der schwedischen Strategie zusammen, aus dem Land heraus zu leben. Man nahm sich das, was man brauchte – notfalls mit Gewalt. Auch größere Orte und Klöster des Umlands versuchten, sich mit Geldzahlungen oder der Stellung von Geiseln von der drohenden Brandschatzung freizukaufen. Teilweise gelang das auch – so ist für den Juli 1632, als die Münchner Geiseln noch nicht lange in der Hand der Schweden waren, die Freilassung von vier Weilheimer und für den August die Freilassung von acht Freisinger Geiseln nach Zahlung von Lösegeld überliefert. Erst der Sieg der katholischen kaiserlichen Truppen über ein schwedisches 25 000-Mann-Heer am 6. September 1634 bei Nördlingen brachte die Wende. Der Prager Friede 1635 brachte für Altbayern eine Ruhepause, die immerhin bis 1646 anhielt. dirk walter

Amperland

Heft 3/2018, Bayerland Verlag, Einzelheft 5 Euro

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