BAYERN & SEINE GESCHICHTEN

Der „Schwarze Ritter“

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Eduard Schleich vor seinem schwarz lackierten Flugzeug, das seinen Spitznamen prägte. Foto: sammlung Michael welch

Eduard Schleich war Fliegerheld des 1. Weltkriegs – und früher Nazi.

Der Himmel war klar an jenem 25. Mai 1917, als sich die acht Maschinen der deutschen Jagdstaffel 21 östlich von Reims der Frontlinie näherten. Der stellvertretende Staffelführer Eduard Schleich war erst vor einigen Tagen zu seinem Amt gekommen, ohne bisher auch nur ein gegnerisches Flugzeug abgeschossen zu haben. Nun aber tauchte direkt hinter ihm ein französisches Spad Jagdflugzeug auf. Sofort gingen beide Maschinen in einen wilden Kurvenkampf über. Die kurzen Salven der MG’s knatterten, als plötzlich der Franzose zu trudeln begann und aus 1000 Metern abstürzte. Schleich hatte seinen ersten Luftsieg errungen.

Am 9. August 1888 als Sohn des Kunstmalers Eduard Schleich und dessen Frau Maria in München geboren, gehörte Eduard Ritter von Schleich zu den erfolgreichsten deutschen Jagdpiloten des Ersten Weltkrieges. Er war einer jener hochdekorierten „Fliegerhelden“, die es im Deutschen Reich zu nationaler Berühmtheit brachten und später im „Dritten Reich“ eine zweite Karriere in der neu geschaffenen Luftwaffe starten konnten.

Seine militärische Karriere begann direkt nach dem Abitur: Anfang Oktober 1908 trat er als Fahnenjunker in das Königlich Bayerische 11. Infanterie-Regiment von der Tann in Regensburg ein. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog der junge Leutnant mit seinem Regiment ins Feld und erlitt schon Ende August 1914 eine leichte Verwundung. Nach seiner Genesung entschied er sich, zur Fliegertruppe zu wechseln. Im Mai 1915 begann er bei der Feldflieger-Ersatz-Abteilung 1 in Schleißheim seine Ausbildung zum Flugzeugführer. Zunächst flog Schleich als Aufklärer. Sein Ziel war es allerdings, selbst Jagdpilot zu werden. Nach dem Besuch der Jagdstaffelschule ernannte ihn der Kommandierende General der Luftstreitkräfte von Hoeppner zum stellvertretenden Führer der Jagdstaffel 21. Schleich sollte es ihm danken und bezwang bis Mitte Oktober 1917 25 Gegner. In diese Zeit fällt auch sein Spitzname „schwarzer Ritter“, der daher rührte, dass Schleich ein pechschwarzes Flugzeug flog. Am 5. Dezember 1917 erhielt er von Kronprinz Wilhelm persönlich die höchste deutsche Auszeichnung des Krieges, den Orden Pour le Mérite. König Ludwig III. hob den Oberleutnant am 14. Juni 1918 mit der Verleihung des Militär-Max-Joseph-Ordens in den persönlichen Adelsstand. Bis Kriegsende konnte er seine Bilanz auf 35 Luftsiege steigern. Wenig bekannt ist, dass die Tätigkeit als Jagdflieger Spuren hinterließ, da Schleich des Öfteren wegen „Nervenzerrüttung“ beurlaubt wurde. Die hätte auch wenig zur Heldeninszenierung getaugt.

Nach dem Krieg kämpfte der „Fliegerheld“ als Angehöriger des Freikorps „Oberland“ gegen die Münchner Räterepublik. Nach der Beförderung zum Major diente er ab Anfang Dezember 1919 in der staatlichen Polizeiwehr Bayerns bei der dortigen Fliegerstaffel. Da der Versailler Vertrag eine deutsche Luftwaffe verbot, war Schleichs Stellung obsolet geworden. Wie viele ehemalige Kollegen schlug er sich zunächst mit Gelegenheitsjobs durch, etwa als Torfstecher. Ebenso arbeitete er in den 1920er-Jahren in der zivilen Luftfahrt, beispielsweise als Flugleiter für die Junkers-Luftverkehrs AG oder die Deutsche Lufthansa AG. Im Herbst 1929 wurde er Vorsitzender des Münchner „Leichtflugzeug-Clubs“ und betätigte sich auch als Fluglehrer. Einer seiner berühmtesten Schüler war der Schauspieler Heinz Rühmann.

Schon Anfang April 1931 trat Schleich in die SS ein und erhielt den Rang eines SS-Sturmbannführers, wann er der NSDAP beitrat, ist nicht bekannt. Nach der „Machtübernahme“ der Nazis kam er in den Stab des „Reichsjugendführers“ Baldur von Schirach, um die Vorbildung der HJ für die Fliegerei zu organisieren. In NS-Kreisen war er ein Held: „Als Ehrenführer der Flieger-Hitler-Jugend war er und bleibt er ein nationalsozialistisches und soldatisches Vorbild unserer Jugend. Das Leben dieses tapferen Generals geht alle an“, schrieb von Schirach im Vorwort einer 1939 erschienenen Biografie.

Mit Gründung der „neuen“ Luftwaffe am 1. April 1935 startete der Münchner wie viele seiner ehemaligen Kameraden (z.B. Ernst Udet) eine zweite Karriere als Berufsoffizier. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nahm er als Oberst und Kommodore des Jagdgeschwaders 132 zunächst am Polenfeldzug teil. Anschließend erhielt er unterschiedliche Kommandos in Österreich, Rumänien, Dänemark und Norwegen, zuletzt im Rang eines Generalleutnants. Bei Kriegsende 1945 geriet Schleich in alliierte Kriegsgefangenschaft und verstarb währenddessen am 15. November 1947 in Dießen am Ammersee.

immanuel Voigt

Der Autor ist Historiker in Jena und hat 2015 seine Doktorarbeit über die Wahrnehmung deutscher Piloten des Ersten Weltkrieges in zeitgenössischer Literatur geschrieben.

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