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Geständnisse mit „Makel“?

Schuhbeck verurteilt: Warum für die Richterin Bewährung „keine Option“ war

Das Urteil ist gefallen: Drei Jahre und zwei Monate Haft für Star-Koch Alfons Schuhbeck.
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Das Urteil ist gefallen: Drei Jahre und zwei Monate Haft für Star-Koch Alfons Schuhbeck.
  • Andreas Thieme
    VonAndreas Thieme
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Star-Koch Alfons Schuhbeck muss ins Gefängnis. Das Landgericht München verurteilte den 73-Jährigen am Donnerstag wegen Steuerhinterziehung zu drei Jahren und zwei Monaten Haft. Warum für die Richterin eine Bewährungsstrafe keine Option war - „auch nicht ansatzweise“.

München - Er steht auf und knöpft sein dunkelblaues Sakko zu. Traurig blickt Alfons Schuhbeck (73) zu Boden – so nimmt er um 15 Uhr am Justizpalast sein Urteil entgegen: schuldig im Sinne der Anklage. Dass der Star-Koch 2,3 Millionen Euro Steuern hinterzogen hat, daran zweifelt Richterin Andrea Wagner nicht. Sie schickt Schuhbeck hinter Gitter – für drei Jahre und zwei Monate. Es handle sich um Steuerhinterziehung „über einen sehr langen Zeitraum und in erheblichem Umfang“, rügt die Richterin. 

Wagner hat den Fall in nur vier Tagen durchgezogen. Schuhbeck attestiert sie „hohe kriminelle Energie“. Er selbst sagte, er stehe vor den Trümmern seines Lebens. „Die haben Sie selbst verschuldet“, entgegnet sie. Seine Anwälte haben eine Bewährungsstrafe gefordert, die Staatsanwaltschaft sogar viereinhalb Jahre Knast. Am Ende kennt die Richterin keine Gnade mit dem Star-Koch: Schuhbeck habe seine Finanzen jahrelang verschleiert. „Es ist eine klare Haftstrafe“, sagt Wagner. Bewährung sei „keine Option“, „auch nicht ansatzweise“.

Bis zu 2000 Euro pro Tag am Finanzamt vorbei geschleust

Im Urteil führt sie aus, warum. In seinem früheren Restaurant „Orlando“ hatte sich Schuhbeck von IT-Berater Jürgen W. (65) ein Programm schreiben lassen, mit dem der Koch nachträglich Umsätze fälschen konnte. Bis zu 2000 Euro pro Tag schleuste er so am Finanzamt vorbei. Technisch war das für die Ermittler jedoch leicht nachvollziehbar, bereits 2019 hatte es eine Razzia am Platzl gegeben. Im Prozess sagte Jürgen W. umfassend aus, erst danach gestand Schuhbeck die Manipulationen am Computer. Für die „Südtiroler Stuben“, wo mehr als 1700 Rechnungen in den Bilanzen fehlten, legte er später nach: „Ich übernehme die volle Verantwortung.“ 

Doch beide Geständnisse hätten „Makel“, rügt die Richterin – die Staatsanwaltschaft wertet sie sogar als „taktisch“. Denn Schuhbeck stand eh schon mit dem Rücken zur Wand, als er Fehler und kriminelle Handlungen einräumte. Als seine Anwälte am Donnerstag noch um die letzten Zahlen feilschen, die den Star-Koch entlasten könnten, schiebt er selbst nach der Mittagspause einen Riegel vor: Er allein sei für alles verantwortlich. In dem Moment ist klar: Der „PlatzlHirsch“ ist abserviert.

„Ich weiß, was ich getan habe.“

In seinem Schlusswort sagt Schuhbeck: „Ich weiß, dass es falsch war, was ich getan habe.“ Er könne nur noch versuchen, „den Schaden wiedergutzumachen“. Doch selbst das ist misslungen: Nur 150 Euro hat Schuhbeck laut Gericht bislang von seinen Steuerschulden zurückgezahlt. Er liefert dafür krude Erklärungen. Ein millionenschwerer Investor hätte sich gemeldet und „alle Schulden bezahlen“ wollen. Doch er sprang „kurzfristig ab“, erklärten seine Anwälte. Keine der 50 versprochenen Zahlungszusagen wurde demnach eingehalten. Die Richterin runzelt da nur noch die Stirn.

Als Koch aus Leidenschaft hat sich Schuhbeck vor Gericht präsentiert, nur als Kaufmann habe er versagt. Auch diese Aussage zerlegt die Richterin: Der Griff in die eigene Kasse sei „kein kaufmännischer Fehler“, sondern „eine kriminelle Straftat“. 

30 Minuten dauert die Urteilsbegründung, dann darf Schuhbeck gehen. Erst mal nach Hause, zum Platzl. Seine Anwälte wollen das Urteil jetzt prüfen und „in den kommenden Tagen besprechen, ob Rechtsmittel eingelegt werden sollen“. Davon hängt ab, ob Schuhbeck direkt ins Gefängnis muss.

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