BEWEGUNG NACH FAST 20 JAHREN STREIT UM „DONUM VITAE“

Ein Schritt zur Versöhnung

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Ein Gespräch in einer Beratungsstelle. Foto: epd

München – „Endlich“, sagt Walter Bayerlein und atmet tief durch.

Dass nach fast 20 Jahren Streit zwischen den deutschen Bischöfen und dem von Bayerlein mitgegründeten Verein „Donum Vitae“ (Geschenk des Lebens) nun die Kirche einlenkt, hört der 82-jährige Katholik aus Vaterstetten (Kreis Ebersberg) gern. Der frühere Richter am Oberlandesgericht, der zweimal stellvertretender Vorsitzender des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) war, hat 1999 die Gründung des von den Bischöfen lange argwöhnisch betrachteten Vereins widerspenstiger Katholiken maßgeblich betrieben.

Die Bischöfe mussten damals auf Weisung von Papst Johannes Paul II. aus der gesetzlichen Schwangerenkonfliktberatung mit Ausstellung eines Beratungsscheins aussteigen. Die Kämpfer für den Verbleib hatten immer wieder argumentiert, dass die Beratung einzig darauf abziele, dass die Mutter sich für das Kind entscheidet. Und es sich für jedes einzelne Kind lohne, das durch die kirchliche Beratung gerettet werde. „Donum Vitae“ stellt Beratungsscheine aus, die für eine straffreie Abtreibung vorgelegt werden müssen.

In der Folge der Vereinsgründung war es zu heftigen Konflikten mit den Bischöfen gekommen. Wer bei „Donum Vitae“ mitmachte – sei es als Mitarbeiter oder in der ehrenamtlichen Führungsriege – durfte weder im kirchlichen Dienst angestellt sein, noch war er als kirchlicher Ratgeber erwünscht.

Jetzt hat die Deutsche Bischofskonferenz erstmals offiziell die Arbeit des Vereins für den Schutz des Lebens gewürdigt. In einem Brief an den Vorsitzenden des ZdK, Thomas Sternberg, schreibt der Konferenzvorsitzende Kardinal Reinhard Marx: „Es besteht kein Zweifel, dass das Ziel von Donum Vitae ebenso wie das der bischöflich verantworteten Schwangerenberatung der Schutz des ungeborenen Menschen ist. Ich stelle fest, dass es über die Jahre hinweg auch vielen Beraterinnen von Donum Vitae gelungen ist, zahlreichen Frauen bzw. Eltern Mut zu machen für ein Leben mit dem Kind, und dafür bestmögliche Hilfestellungen zu bieten. Dafür dürfen wir gemeinsam dankbar sein.“ Marx hält es künftig für selbstverständlich, dass Berater, die bei „Donum Vitae“ tätig waren, auch in bischöflichen Beratungsstellen beschäftigt werden können. Der Brief wurde beim Ständigen Rat der Bischofskonferenz vorgelegt – es habe kein Bischof widersprochen.

Alois Glück (CSU), früherer Landtagspräsident und ebenfalls Vereins-Mitgründer, nennt diese Annäherung einen „ganz wichtigen Schritt zur inneren Versöhnung“ mit engagierten Laien, die bei „Donum Vitae“ mitmachen. „Es haben viele Frauen und Männer, die das kirchliche Leben mittragen, unendlich gelitten, dass sie so ausgegrenzt waren“, sagte er. Er gehe zwar nicht davon aus, dass nun die innerkirchlichen Spannungen aufhören, „aber es ist trotzdem ein wichtiges Signal“. Vor zu euphorischen Hoffnungen warnt indes Kirchenrechtlerin Sabine Demel, Vorsitzende von „Donum Vitae“ in Bayern. Es gebe isolierte Aussagen aus einem Brief, der ihr nicht vorliege. Sie wünsche sich eine klare Aussage zur innerkirchlichen Stellung des Vereins, die die Aussage der Bischofskonferenz aus dem Jahr 2006 revidiere, wonach „Donum Vitae“ ein Verein außerhalb der Kirche sei. Claudia Möllers

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