Schneechaos auf Autobahn: Acht Stunden im Stau

+

Dramatischer Wintereinbruch: Bei Bad Reichenhall verwandelt sich die Autobahn in eine Eisfläche – sogar die Räumfahrzeuge stecken fest. Im Landkreis Ebersberg stirbt ein Autofahrer. In Tutzing verunglückt eine 25-Jährige beim Rodeln.

Bereits Benzin gebunkert

von christoph hollender

Bad Reichenhall – Irgendwann war die Fahrbahn nur noch eine zentimeterdicke Eisschicht. Gerhard Meier von der Verkehrspolizei Traunstein wird den Einsatz Donnerstagnacht auf der Autobahn 8 bei Bad Reichenhall so schnell nicht vergessen. Von 17.30 bis fast zwei Uhr früh ging zwischen den Anschlussstellen Piding und Anger (Kreis Berchtesgadener Land) nichts mehr. Auf dem etwa fünf Kilometer langen Bergstück in Richtung München hat übermäßiger Schneefall die Fahrbahn in eine Rutschbahn verwandelt. Lastwagen stellten sich quer. Andere konnten nicht mehr anfahren. Stillstand bei Minusgraden. „Die Eisschicht wurde fast vier Zentimeter dick“, sagt Meier. Stundenlange mussten Menschen in ihren Fahrzeugen ausharren. „Die Feuerwehr hat bereits Reservekanister mit Benzin vorbereitet“, sagt Meier. Es wurde befürchtet, dass der Sprit ausgeht und damit die Heizungen in den Fahrzeugen. Immer wieder seien Meier und Kollegen von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Bayerischem Rotem Kreuz in der Rettungsgasse hin und her gefahren, um zu schauen, ob es Notfälle der Wartenden gibt und ab Mitternacht Tee zu verteilen. Ein Mann, der sich beim Skifahren den Fuß gebrochen hatte, musste vom Rettungsdienst abgeholt werden. Ein Ehepaar, das seit Stunden aus Serbien angereist war, klagte über Unwohlsein und wurde betreut und mit Müsliriegel versorgt.

Spezielle Abschleppwagen versuchten, die gestrandeten Sattelschlepper zu bergen, die sich quer stellten. Es sei ein Teufelskreis gewesen, berichten die Einsatzkräfte. Besonders ärgerlich: Die Räumfahrzeuge steckten selber über Stunden zwischen den Fahrzeugen fest und konnten so nicht zum vereisten Bereich vordringen. Andreas Pham, Dienststellenleiter der Autobahnmeisterei sagt, dass fast der gesamte Fuhrpark abgerufen wurde. Um Mitternacht seien die Einsatzkräfte vorgedrungen. Die Autobahn sei bis Freitagmittag enteist worden.

Die dramatischen Folgen des Wintereinbruchs zeigten sich bei einem tödlichen Unfall am frühen Donnerstagabend im Landkreis Ebersberg. Ein 32-Jähriger aus dem Landkreis Rosenheim geriet mit seinem Auto bei Zorneding auf der glatten Fahrbahn ins Schleudern und stieß mit einem VW zusammen. Der 32 Jahre alte Mann wurde eingeklemmt und starb noch an der Unfallstelle. Die zwei Erwachsenen und zwei Kinder im VW wurden leicht verletzt. In anderen Landkreisen, wie in Fürstenfeldbruck, kam es zu Unfällen aufgrund der winterlichen Verhältnisse, bei denen Menschen l schwer verletzt wurden.

Ein tragisches Ende nahm eine Schlittenfahrt in Tutzing (Kreis Starnberg). Mit dem Verdacht auf eine Querschnittslähmung wurde eine 25-Jährige aus dem Kreis Weilheim-Schongau mit dem Hubschrauber ins Klinikum München-Harlaching geflogen. Die junge Frau war mit einem 24-Jährigen beim Schlittenfahren am Johannishügel. Als sie mit einem Zipfelbob allein den steilen Hang herab rodelte, geriet sie auf eine Treppe und stürzte. Sie überschlug sich und stürzte auf den Rücken, so die Polizei. Durch den Aufprall erlitt sie einen Bruch an der Wirbelsäule. Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg zeigte sich geschockt über den Unfall: „Das ist furchtbar.“

Kommentare