Objekte in Schnaitsee und Rosenheim durchsucht

Kinderporno-Razzia in Rosenheim und Schnaitsee - Bürgermeister zeigt sich schockiert

Kinderporno-Razzia in Deutschland am 26. Januar
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Insgesamt wurden bei der groß angelegten Razzia bundesweit 75 Objekte durchsucht.
  • Mathias Weinzierl
    vonMathias Weinzierl
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  • Sebastian Aicher
    Sebastian Aicher
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Bei einer bundesweiten Razzia in Bezug auf Kinderpornographie wurden insgesamt 75 Objekte durchsucht und mehr als 3200 Gegenstände sichergestellt. Auch ein Objekt in Schnaitsee und zwei in Rosenheim hatte die Polizei im Visier.

Rosenheim/Schnaitsee - In insgesamt zehn Bundesländern führte die Polizei am Dienstag, den 26. Januar, eine großangelegte Razzia wegen des Verdachts der Verbreitung, des Erwerbs und des Besitzes kinderpornographischer Inhalte durch. Insgesamt wurden 75 Objekte durchsucht und dabei mehr als 3200 Gegenstände sichergestellt, auch Diensthunde der Polizei halfen teilweise beim Aufspüren versteckter Speicherträger. 2900 Datenträger mit einem Volumen von 40 Terabyte wurden von den Beamten sichergestellt, ebenso wie mehr als 170 Mobiltelefone, teilte die zuständige Polizei mit.

Schnaitseer Bürgermeister zeigt sich schockiert

Auch in der Region wurden nach Angaben der Polizei drei Wohnungen durchsucht. So hatten die Ermittler zwei Objekte in der Stadt Rosenheim und ein Objekt in der Gemeinde Schnaitsee im Visier. „Das schockiert mich jetzt schon“, sagte Schnaitsees Bürgermeister Thomas Schmidinger (CSU), der erst über die Nachfrage der Redaktion vom Polizeieinsatz in seiner Kommune erfahren hatte.

Bei den deutschlandweit 65 Tatverdächtigen waren am Dienstag mehr als 1000 Polizeibeamte im Einsatz, jedoch gebe es bislang noch keine Hinweise, dass auch aktive Missbrauchstäter unter ihnen wären. Daher habe es auch keine Haftbefehle gegeben, erklärte die Polizei in Köln. Auslöser für die groß angelegten Durchsuchungen waren die seit 15 Monaten andauernden Ermittlungen rund um den Kindesmissbrauchskomplex Bergisch Gladbach (Plus-Artikel). Welche Gegenstände bei den Durchsuchungen in Rosenheim und Schnaitsee sichergestellt wurden, ist nicht bekannt. Eine Sprecherin der Kölner Polizei teilte mit, dass die Beweismittel im Moment noch ausgewertet werden und mit ersten Ergebnissen im Lauf der Woche zu rechnen sei.

„Von diesem Einsatz haben wir wirklich gar nichts mitbekommen“

In der Gemeinde Schnaitsee sei der Polizeieinsatz jedenfalls kein Gesprächsthema gewesen. „Ich habe davon überhaupt nichts mitbekommen“, sagte Schmidinger. Er könne sich nicht daran erinnern, dass Bürger aus seiner Kommune bislang in puncto Kinderpornografie für Schlagzeilen gesorgt hätten. „Auch unsere mit rund 4000 Einwohnern kleine Gemeinde bildet natürlich das gesamte Spektrum der Gesellschaft ab“, so Schmiderer, der sich in Hinblick auf den Grund der Durchsuchung dennoch „schockiert“ zeigte: „Der Vorwurf Kinderpornografie hat natürlich eine erschreckende Qualität.“

Was den Schnaitseer Rathauschef wundert, ist das Vorgehen der Ermittler. „Normalerweise werden wir bei Razzien durch die Polizei im Vorfeld informiert, berichtet der CSU-Politiker. Oftmals sei dann sogar ein Gemeindemitarbeiter mit vor Ort. Aber: „Von diesem Einsatz haben wir wirklich gar nichts mitbekommen.“

Bislang insgesamt 330 Beschuldigte identifiziert

In Ansbach (Mittelfranken) wurde ein 13-jähriger durch das Jugendamt in Obhut genommen, der sich in der Wohnung eines Beschuldigten aufhielt. Zum aktuellen Zeitpunkt sind jedoch noch keine genauen Umstände über das Aufhalten des Jungen bekannt. Die Polizei hat im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach nach eigenen Angaben bislang 330 Beschuldigte identifiziert. Sieben Personen sitzen in Untersuchungshaft, es gibt elf Anklagen und zehn Urteile. Im vergangenen Oktober wurde in Köln ein 43-Jähriger zu zwölf Jahren Haft verurteilt (Plus-Artikel). Der Mann aus Bergisch Gladbach gilt als Schlüsselfigur in dem Netzwerk.

aic

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