850 Tests: Schlachthof-Arbeiter in Ampfing und Waldkraiburg werden auf Corona untersucht

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In einem Zelt auf dem Betriebsgelände der Südfleisch in Waldkraiburgwerden heute und morgen rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getestet. Die Abstriche führen Mitarbeiter/Innen des Gesundheitsamtes durch. Sie werden unterstützt von einem Team des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Auch bei der Süddeutschen Truthahn AG in Ampfing wird diese Woche eine Reihentestung durchgeführt. re
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    Hans Grundner
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In Ampfing und Waldkraiburg werden rund 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den beiden Schlachthöfen auf eine Corona-Infektion getestet. „Die Durchführung der Reihentestung in so kurzer Zeit ist eine enorme logistische Herausforderung“, erklärte Landrat Max Heimerl.

Waldkraiburg/Ampfing – Die schlechte Unterbringung der Schlachthof-Mitarbeiter, die in der Regel aus Osteuropa kommen und von Subunternehmen mit Werkverträgen ausgestattet werden, hat zu konzentrierten Corona-Fällen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen geführt, die fast die gesamte Belegschaft betroffen haben.

Rund 800 Mitarbeiter in den Schlachthöfen

Damit sind auch die Schlachthöfe in anderen Bundesländern im Fokus. Im Landkreis Mühldorf gibt es zwei Großbetriebe: den Rinderschlachthof in Waldkraiburg und den Puten-Schlachthof in Ampfing. Die Südfleisch Waldkraiburg GmbH beschäftigt nach eigenen Angaben rund 400 Mitarbeiter, davon sind 240 mit Werkverträgen ausgestattet, die Süddeutsche Truthahn AG in Ampfing hat rund 600 Mitarbeiter.

Die Mitarbeiter des Waldkraiburger Schlachthofes am Zerlegeband. Klemm

Bayerische Staatsregierung will Tests in Großbetrieben

Jetzt reagieren auch die bayerischen Behörden. Alle Mitarbeiter der großen Schlachthöfe werden auf eine mögliche COVID-19-Erkrankung getestet - das wurde heute nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts bekannt. Im Landkreis Mühldorf haben die Reihentestungen auf Anordnung von Landrat Max Heimerl am Dienstag in Waldkraiburg begonnen. Bislang sind an beiden Schlachthöfen im Landkreis keine Corona-Fälle oder Verdachtsfälle aufgetreten, heißt es von Seiten der Behörden.

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NGG-Gewerkschaftssekretär Manuel Halbmaier würde es nicht wundern, wenn Mitarbeiter positiv getestet würden. „Gesetzliche Lücken und Verfahrenslücken lassen den Subunternehmen und Schlachthofbetreibern noch immer zu viele Spielräume, sanktionsfrei Regeln zu umgehen“, sagt Halbmaier.

Gewerkschaft kritisiert Qualität der Masken in Schlachtbetrieben

Der Gewerkschaftssekretär kritisiert, dass gegen das Arbeitszeitgesetz und den Arbeitsschutz verstoßen werde und Betriebe gesetzliche Lücken zu ihren Gunsten und gegen die Beschäftigten ausnutzen, auch beim Thema Unterbringung und Mietzahlungen. Das sei jetzt auch der Hintergrund für die Probleme in der Corona-Krise.

Und Halbmaier bemängelt, dass in Waldkraiburg nur billige Stoffmasken und keine FFP2-Masken verwendet würden. „Eine gute Schutzmaske gibt dem Träger eindeutig mehr Schutz als eine Stoff-Maske.“ Simone Kppf vom Pressebüro des Mühldorfer Landratsamtes erklärt: „Das Gesundheitsamt in Mühldorf schreibt nicht vor, welche Masken der Betrieb seinen Mitarbeitern zur Verfügung stellt.“

Waldkraiburger Geschäftsführer: Mitarbeiter gut untergebracht

Dagegen stellt Klaus Erber, Geschäftsführer des Waldkraiburger Schlachthofes, der zum Vion-Konzern gehört, heraus, dass seine Mitarbeiter ordentlich untergebracht seien. Auch habe der Schlachthof in Zusammenarbeit mit dem Mühldorfer Landratsamtein ein Hygienekonzept entwickelt. „Das Gesundheitsamt steht mit den Betrieben in einem engen fachlichen und konstruktiven Austausch. Die Unternehmen haben Hygienekonzepte für die verschiedenen Bereiche vorgelegt“, bestätigt Landrat Max Heinmerl.

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„Die Mitarbeiter des Werkvertragspartners in Waldkraiburg sind in privat angemieteten Unterkünften und Werksdienstwohnungen untergebracht“, erklärt auf Anfrage Vion-Pressesprecher Karl-Heinz Steinkühler. Das Unternehmen zähle zu den Erstunterzeichnern der in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschafts- und Bundesarbeitsministerium erarbeiteten Selbstverpflichtungserklärung der Branche aus dem Jahr 2015. Darin ist unter anderem festgelegt, dass die Unternehmen der Fleischbranche sich für die soziale und wirtschaftliche Stärkung und Integration der ausländischen Mitarbeiter einsetzen.

Mindeststandards im Wohnbereich der Schlachthof-Angestellten

Vion habe diese Verabredungen mit der Bundesregierung in seine Verträge mit den Dienstleistern übernommen, so der Pressesprecher weiter. „Alle Werkvertragsbeschäftigten sind in Deutschland sozialversichert und werden nach deutschem Arbeitsrecht beschäftigt."

Die Einhaltung des Mindestlohns einschließlich der Abführung der Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuern würden monatlich durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. Und: Die Unternehmen seien „vertraglich verpflichtet, Mindeststandards auch im Wohnbereich der Werkvertragsbeschäftigten einzuhalten“.

Schutzmaßnahmen gegegen Corona-Ausbreitung in den Schlachthöfen

Steinkühler: „Soweit Anhaltspunkte bestehen, dass die Unterbringung nicht diesen vereinbarten Standards entspricht, veranlasst Vion die Kontrolle durch ein unabhängiges Wirtschaftsprüfungsunternehmen.“

Seit Anfang März sind nach seinen Worten bei Vion umfassende Schutzmaßnahmen zur Verhinderung von Infektionsketten durch das Corona-Virus am Arbeitsplatz eingeführt worden. „Die Corona-Hygieneanforderungen wurden von uns umgesetzt. Auch der Mindestabstand an den Bändern von 1,50 Metern ist im Waldkraiburger Schlachthof gegeben“, betont Betriebsleiter Erber.

Hygiene-Vorgaben werden eingehalten

Ähnlich äußert sich Georg Kirchmeier, Prokurist der Süddeutschen Truthahn AG in Ampfing: „Die Hygiene-Vorgaben der Coronabestimmungen werden im Putenschlachthof eingehalten. Das Konzept ist mit dem Mühldorfer Landratsamt abgesprochen. Die Unterbringung unserer Mitarbeiter erfolgt in Wohnungen und nicht in Massenunterkünften“, stellt er den Unterschied zu Betrieben in anderen Bundesländern heraus.

Ein Großteil der Mitarbeiter der Schlachthöfe lebt in Waldkraiburg, Ampfing und der nächsten Umgebung. Hinweise auf Massenunterkünfte hat auch NGG-Sekretär Halbmaier nicht. Er sieht aber die Unterbringung auch in kleineren Wohnungen, wo die Schlachter auf engstem Raum leben, äußerst kritisch.

Problem ist nicht der Schlachthof

Das Problem sei nicht der Schlachthof, meint Landtagsabgeordneter Marcel Huber, „sondern die schlechte und in manchen Fällen schon menschenunwürdige Unterbringung der Arbeitnehmer der Schlachthöfe“.

Huber weiter: „Für mich ist das auch ein gesellschaftliches Problem, wenn es nur noch um billig geht. Die Folge sind dann die Zustände in den Unterkünften, die zu massiven Corona-Infektionen führen.“

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