BAYERN & SEINE GESCHICHTEN

Wo der Schienenbus rumpelte

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Ein Schienenbus-Trio überquert die Königswarter Innbrücke (nördlich von Wasserburg) mit ihrer eindrucksvollen Stahlkonstruktion. Der Neubau ist nicht mehr so filigran.

Für Nostalgiker: Die schönsten Nebenstrecken der Bahn

Wenn der Schienenbus gemütlich über die Innbrücke schepperte, dann schlug das Eisenbahnerherz von Markus Schmid aus Kiefersfelden höher. Schmid, heute 49, besuchte als Kind oft seine Großeltern in Soyen. Da musste er sich jedes Mal in Rosenheim in einen roten Schienenbus setzen und auf einer der damals zahlreichen Nebenstrecken nach Norden gurken. Es muss eine gemütliche Fahrt gewesen sein – die zulässige Höchstgeschwindigkeit 80 km/h war eher die Ausnahme denn die Regel. Reiseerlebnisse dieser Art haben Schmid zu einem Eisenbahnfan und Nostalgiker gemacht, was nun in einen rein bebilderten Band über die schönsten Nebenlinien in Ost-Oberbayern mündete (Eisenbahnreisen in Oberbayern, Eisenbahn-Fachbuchverlag, 48 Euro).

Es ist ja auch ein Jammer mit der Bahn. Früher gab es Bahnverbindungen in abgelegene Gefilde. Man konnte zum Beispiel von Rosenheim nach Samerberg fahren und dann weiter nach Frasdorf. Oder von Bad Aibling nach Bad Feilnbach, von Dorfen nach Velden und von Grafing ins kleine Glonn. Alles vorbei – die Bahn hat die unrentablen Nebenstrecken längst eingestellt. Ein langes Kapitel widmet Schmid der Strecke des Filzenexpresses Ebersberg-Wasserburg – klar, dass er der aufgelassenen Strecke von Wasserburg-Bahnhof in die Stadt hinterher trauert. Immerhin floriert der Filzenexpress wieder. Überhaupt gibt es manchmal Gegenbewegungen. Die Strecke Wasserburg-Mühldorf – dort, wo Schmid als Kind so gerne fuhr – wurde 1985 eingestellt. Neun Jahre später folgte mit Böllerschüssen und Blasmusik die Wiedereröffnung.

Je mehr man sich in Schmids Buch vertieft, desto mehr trauert man mit ihm mit, dass es diese kleinen Nebenstrecken nicht mehr gibt. Und damit sind auch merkwüdige Dinge aus dem Eisenbahnleben verschwunden. Zum Beispiel der Schrankenposten 14 zwischen Soyen und Gars. Es handelte sich um eine sogenannte Anrufschranke, die immer unten war. Wer mit dem Auto über die Gleise wollte, musste anrufen – dann eilte die Schrankenwärterin aus ihrem Haus und kurbelte die Schranke hoch. Ganz schön altmodisch – aber auch irgendwie liebenswert.

Schmid kennt den Unterschied zwischen Einfahr- und Ausfahrsignal, er schwärmt für alte Zugzielanzeiger aus Blech und weiß auch alles über den Puffertellerwarnanstrich. Natürlich klärt Schmid auch über die ganzen Fahrzeuge auf, die so über die Nebenstrecken rumpelten. Vor allem die roten Schienenbusse waren früher ein Charakteristikum im Landschaftsbild. Es gab mehrere Hersteller, viele kamen aus einer Fabrik in Uerdingen und hießen im Volksmund „Uerdinger“. Auch Dampfloks gab es noch ab und an. Bei Schmid findet sich dazu der unnachahmliche Zusatz, dass eine Dampflok „mit ihrem schwarzen Steinkohlequalm für stilvolle Patina“ sorgt. Spätestens jetzt weiß man, dass hier ein Eisenbahnromantiker spricht. dirk walter

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