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Wie gerecht ist der Lockdown für Geimpfte?

Lesermeinung: Geimpft und trotzdem im Lockdown: „Fühle mich belogen und betrogen“

Ein Schild mit der Aufschrift „Zur Zeit gibt`s nix“ ist im Fenster von einem Restaurant in der Innenstadt zu sehen.
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Derzeit haben neun bayerische Landkreise eine Inzidenz von über 1000 (Stand 22.11.21, Quelle RKI)
  • Isabella Schweiger
    VonIsabella Schweiger
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Der Frust bei den Menschen wächst. Nach einem sorglosen Sommer, in dem die Politik nur wenig Vorkehrungen traf, holt uns die Realität jetzt ein. Die Corona-Infektionen erreichen täglich neue Höchststände, Ministerpräsident Markus Söder hat in Landkreisen ab einer Inzidenz von 1000 für alle einen erneuten Lockdown angeordnet. Geimpfte fühlen sich hinters Licht geführt, Gastronomen sind verzweifelt. Wie gerecht ist dieser Lockdown? Schreibt uns Eure Meinung.

Intensivstationen, die keine Patienten mehr aufnehmen können, vollkommen erschöpftes Pflegepersonal in den Kliniken. Die derzeitige Corona-Lage lässt sich nicht beschönigen und auch nicht klein reden. „Blocken, bremsen, boostern“ heißt das Motto, das Ministerpräsident Markus Söder vergangene Woche ausgerufen hat: Die epidemische Lage in Bayern wird festgestellt, dazu gibt es Kontakteinschränkungen für Ungeimpfte und deutlich schärfere 2G- und 2G-Plus-Regelungen. So fallen Friseur, Kino oder Restaurantbesuche für Ungeimpfte künftig flach. Sämtliche Christkindlmärkte werden abgesagt, Clubs und Bars wieder geschlossen. Für die Betreiber ein herber Schlag.

Für einige Landkreise kommt es sogar noch dicker: Dort wo die Inzidenz über 1000 steigt, kommt es erneut zum Lockdown. Ein Schreckgespenst, das die meisten nicht mehr erleben wollten. Zwar bleiben Schulen, Kitas und Handel offen; Restaurants, Hotels, Sport, Kultur, Friseure – sie alle müssen wieder zusperren, Verzweiflung macht sich breit. In der Region betroffen sind derzeit die Landkreise Traunstein, Mühldorf am Inn und Berchtesgadener Land, Rosenheim und Altötting stehen kurz davor (Quelle/Stand: RKI, 22. November, 3.12 Uhr).

Für diese drei von vier Erwachsenen, die sich haben impfen lassen, wird es keinen erneuten Lockdown geben.

Jens Spahn am 10. August 2021 in einem ARD-Extra

Viele haben sich also darauf verlassen, dass man mit ausreichendem Impfschutz von derartigen Einschränkungen verschont bleibt. Noch im August sprach Gesundheitsminister Jens Spahn in einem ARD-Extra klar davon, dass Geimpfte sicher sein können, dass es für sie zu keinen neuen Beschränkungen mehr komme. Ein Umstand, der somit auch die Gerichte wieder beschäftigen dürfte, denn juristisch ist das Ganze eine Gratwanderung: Angesichts der großen Zahl an vollständig Geimpften droht nämlich die Gefahr, dass zu einschneidende Maßnahmen für alle von den Gerichten umgehend wieder kassiert werden.

Regensburger Weihnachtsmarkt sträubt sich

Ein Weg, den auch der Betreiber des Regensburger Weihnachtsmarktes am Schloss Thurn und Taxis nicht ausschließt. „Solange mir keine rechtsverbindliche schriftliche Untersagung vorliegt, werden wir den Markt weiter betreiben“, teilte Veranstalter Peter Kittel mit. Es gehe nicht um Rebellion und auch nicht darum, die Corona-Pandemie zu leugnen. Es würden sehr straffe 2G-Regeln (geimpft und genesen) umgesetzt, man sei im Freien und auf einem weitläufigen, durchgehend umwehrten Privatgelände. „Wir haben kein Verständnis dafür, dass ein Fußballspiel mit Zuschauern stattfinden kann, aber unser Markt in Frage gestellt wird“, sagte Kittel. Es gehe um viele Existenzen.

Aber: Ein völliger Freifahrtschein ist die Impfung wohl nicht (mehr). Auch das müssten Gerichte bei möglichen anstehenden Entscheidungen berücksichtigen. Denn es ist ja inzwischen auch allgemein bekannt, dass Geimpfte zwar vor schweren Verläufen und dem Tod zigfach besser geschützt sind, dass sie sich aber sehr wohl infizieren und andere anstecken können.

Die Rechtsprofessorin Anna Katharina Mangold von der Universität Flensburg, die im Frühjahr selbst eine Verfassungsbeschwerde gegen die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen unter der Bundes-Notbremse verfasst hat, hält aktuell „flächendeckende und kontaktbeschränkende Maßnahmen gegenüber der gesamten Bevölkerung“ für zulässig – „also gegenüber geimpften wie ungeimpften Personen“. Denn überfüllte Intensivstationen bedrohten potenziell die Gesundheit aller Menschen. Die Juristin Andrea Kießling von der Ruhr-Uni Bochum meint dagegen, es müsse differenziert werden. „Einfach pauschal irgendwelche Dinge anordnen, die dann für alle Personen uneingeschränkt gleich gelten, das geht nicht mehr“, sagte sie gegenüber „Zeit Online“. Wie die Gerichte letztlich entscheiden, weiß niemand.

Pandemie der Ungeimpften? Nein, aber...

In einem sind sich viele Wissenschaftler, Intensivmediziner und auch das Robert Koch-Institut (RKI) einig: Die Corona-Impfung schützt effektiv vor schweren Verläufen oder Tod. „Viele schwere Erkrankungen und Todesfälle hätten verhindert werden können, wenn die Zielgruppen früher und vollständiger geimpft worden wären“, sagt der Braunschweiger Epidemiologe Gérard Krause. Auch der Infektiologe Mathias Pletz vom Uniklinikum Jena betont: „Das Hauptproblem sind nach wie vor die schwer erkrankten Ungeimpften, denn der Flaschenhals, das sind die Intensivstationen.“

Viele Experten machen aber auch klar: Wer geimpft ist, kann trotzdem zum Pandemiegeschehen beitragen. „Es ist in diesem Herbst und Winter trügerisch zu glauben, dass ein Geimpfter sich nicht infizieren kann und das Virus nicht an seine Großmutter weitergeben kann, die vielleicht noch keine Booster-Impfung bekommen hat“, sagt etwa der Bonner Virologe Hendrik Streeck. Auch wenn es am Anfang vielleicht so ausgesehen habe, aber der Begriff „Pandemie der Ungeimpften“ sei nie richtig gewesen. Alle Menschen seien Teil dieser Pandemie.

Umfrage: 2G-Regel und Ausgangssperre für Ungeimpfte

Dennoch bleibt der Lockdown für Geimpfte umstritten: Angesichts der steigenden Corona-Zahlen will mehr als die Hälfte der Bürger in Deutschland einer Umfrage zufolge eine Ausgangssperre für Ungeimpfte. 57 Prozent der Befragten sprachen sich für die Maßnahme aus, wie sie seit Wochenbeginn etwa in Österreich gilt. Menschen ohne Corona-Schutzimpfung dürften dann ihr Zuhause nur noch aus zwingenden Gründen wie für den Weg zur Arbeit oder tägliche Einkäufe verlassen. Großen Zuspruch findet der Umfrage zufolge auch der Vorschlag, das öffentliche Leben – ob Gastronomie, Einzelhandel oder Veranstaltungen – mit einer 2G-Regelung weitestgehend nur für Geimpfte und Genesene zugänglich zu machen. (Quelle:„Trendbarometer“ von RTL und ntv, für den das Meinungsforschungsinstitut Forsa rund 1000 Menschen befragt hatte)

Leserbrief: Wir fühlen uns verarscht und belogen

Leser Florian Schramm aus Unterwössen hat gegenüber chiemgau24.de seinem Ärger über de Lockdown in seinem Landkreis Luft gemacht:

„Liebes Chiemgau24 Team. Wir sind keine Corona Leugner, sind als Familie mittlerweile alle komplett bzw. schon 3-fach geimpft und verstehen auch die kritische und schwierige Lage in den Krankenhäusern. Trotzdem fühlen wir uns jetzt von Herrn Söder und der CSU belogen und betrogen. Ständig hieß es mit der vollständigen Impfung erhalten wir unsere Freiheit und Leben zurück. Noch vor ein paar Tagen wurde gesagt, dass ein Lockdown für Geimpfte nicht kommt und verfassungsrechtlich schwierig ist. Und dann kommt gestern Herr Söder und setzt sich über die Verfassung hinweg. Leider wohnen wir in Bayern in einem aktuellen Hotspot mit Inzidenz über 1000 und schon wird man als Geimpfter, der alles Mögliche getan hat, um sich und andere vor Corona zu schützen mit bestraft. Gaststätten, Weihnachtmärkte im Freien und weiteres muss schließen, unsere Kinder dürfen wieder nicht zum Sport usw. Wir fühlen uns wortwörtlich verarscht und belogen. Die Position der Ungeimpften wird sogar noch gestärkt. Warum soll ich mich impfen lassen, wenn Geimpfte jetzt vieles auch nicht mehr dürfen. Ich bitte Euch als große unabhängige und freie Internetplattform für Nachrichten in Bayern dieses Thema öffentlich anzusprechen, wie man sich und vermutlich viele Tausende in Bayern jetzt fühlen.“

Wie sehr Ihr das? Hat er recht? Ist es unverhältnismäßig in manchen Landkreisen Geimpfte erneut in einen Lockdown zu schicken, Gastronomie und Hotels zu schließen, Sport und Kultur wieder still stehen zu lassen? Oder ist der Impfstatus völlig egal, weil es um das große Ganze geht, nämlich Bayern vor dem Kollaps unserer Krankenhäuser zu bewahren, der ja letztlich alle in einer Notsituation treffen würde?

Schickt uns Eure Leserbriefe:

Schreibt uns zum Thema per Mail an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort: „Geimpft im Lockdown“ im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort – und am besten auch ein Foto von Euch. Die Redaktion veröffentlicht Eure Leserbriefe samt kompletten Namen und Wohnort anschließend in einem Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

si/dpa

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