Sägewerke auf dem Holzweg

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Das Sägewerkssterben: Ende einer Tradition. Noch vor zehn Jahren gab es in Bayern 1200 Sägewerke, heute sind es nur noch 800. Vor allem kleine Betriebe schließen. Das Geschäft mit Holz machen inzwischen ausländische Konzerne.

Das Sterben der Kleinen Betriebe

Das Sägewerkssterben: Ende einer Tradition. Noch vor zehn Jahren gab es in Bayern 1200 Sägewerke, heute sind es nur noch 800. Vor allem kleine Betriebe schließen. Das Geschäft mit Holz machen inzwischen ausländische Konzerne.

Von Klaus Wiendl

Tegernsee/Landsberg – „Nächstes Jahr hätten wir das 130-jährige Bestehen unseres Sägewerks feiern können, doch nun ist Schluss. Ende August hatten wir unseren letzten Schnitt“, erzählt mit einer gewissen Wehmut Rudolf Miller. Der Familienbetrieb in Tegernsee (Landkreis Miesbach) rentiert sich nicht mehr, „unsere Produktionskosten sind fünf- bis sechsmal so hoch wie in den hochtechnischen Großsägebetrieben. Da kannst du nicht mithalten.“

Die Millers konzentrieren sich jetzt auf den Holzhandel. Ihr Sägewerk war das letzte im Tegernseer Tal. „Mehr als zehn Sägler hat es hier einmal gegeben, alles Traditionsbetriebe“, erinnert sich Miller und beklagt, „nahezu das gesamte Rundholz im Tegernseer Tal kaufen inzwischen die Großbetriebe weitab von hier. Dieses Holz fehlte uns schon seit Jahren.“

Typisches Beispiel dafür ist, wie so oft, eine Forststraße, die zur Zeit auf die Holzer Alm in Bad Wiessee in den Wald geschlagen wird, 3000 Meter lang und gut 15 Meter breit. Naturschützer sprechen von einer Autobahn im Bergwald. Für die zuständigen Ämter geschehe dies zum Nutzen des Waldes: Schwerlasttransporter sollen sicher fahren können.

Gefällt werden dafür große Mengen an gesunden Bäumen, vor allem Fichten. Doch die bekommen nicht etwa die umliegenden Sägewerke. Wie auch schon Jahre zuvor profitieren bei solchen Eingriffen in den Wald meist die Großsägereien weit ab. Die Rede ist von dem österreichischen Unternehmen Binderholz mit einer Niederlassung in Kösching bei Ingolstadt und dem größten Multi unter den Sägewerken, der russischen Ilim Timber Industry Limited Liability Company, mit Sitz in Sankt Petersburg. Die Russen hatten vor drei Jahren die Klausner Holding Deutschland in Landsberg am Lech gekauft. Damit ist Ilim Timber nun der zweitgrößte Sägewerkskonzern Europas. Im weltweiten Ranking stehen die Russen auf Platz 12.

Mit einem solchen Giganten machen vor allem die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) gerne Geschäfte: 500 000 Festmeter Rundholz jährlich gehen nach Landsberg zu Ilim Timber. Mittlere und kleinere Sägewerke bekommen vom Hauptlieferanten Staatsforsten nur begrenzte Kontingente zugewiesen. „Das ist nicht der Rede wert“, schildert Michael Siller vom Sägewerk Pröbstl in Landsberg am Lech, „wir haben zigmal Eingaben gemacht, wir brauchen mehr Holz, aber da stößt du auf Granit. Als Mittelständler bleibst du auf der Strecke. Im Jahr 2000 hatten wir bundesweit noch 3000 Sägewerke, zehn Jahre später waren es nur noch 2150 Betriebe.“

Das Sägewerkssterben habe nicht nur mit der Mengenversorgung zu tun, es seien auch die Randbedingungen, so Siller, bei Pröbstl zuständig für den Rundholzeinkauf. Die kleinen Familienbetriebe könnten nicht mehr bei EU-weiten Normungen und Kennzeichnungen mithalten.

Ein weiterer Faktor sei, dass sie nicht mehr gegen Feuer versichert würden. „Aber natürlich sind es auch die Mengen, die an die großen Betriebe geliefert werden müssen, da bleibt für die Kleinen nicht mehr viel“, beschreibt Siller den Schrumpfungsprozess in der Branche, „wir hängen am Holzmarkt und erleben momentan, dass es einen Konzentrationsprozess zu den Großen hin gibt. Die Großen werden immer noch größer, die mittlere Sägerschicht bricht irgendwie raus, ein paar Kleine bleiben übrig, die regional verwurzelt sind. Wir erleben in unserer Branche derzeit den typischen Industrialisierungsprozess.“

Viele Säger sehen sich in ihrer Chance beschnitten. Am Ende würden nur wenige Großsägewerke übrig bleiben, die den Markt beherrschen und die Preise diktieren. Die so am Pranger stehenden Bayerischen Staatsforsten weisen den schwarzen Peter weit von sich. Man sei zwar für rund ein Drittel des Waldes in Bayern verantwortlich und ernte jedes Jahr rund 5,2 Millionen Festmeter Holz. „Mit dieser Menge können die Bayerischen Staatsforsten eine Grundversorgung gewährleisten“, so deren Sprecher Philipp Bahnmüller auf Anfrage, „doch diese Menge ist nicht ausreichend, um alle Sägewerke in Bayern zu versorgen.“ Sägekapazitäten wie bei Ilim Timber im süddeutschen Raum würden die Möglichkeit bieten, einen stabilen Holzabsatz innerhalb von Bayern zu gewährleisten. Bahnmüller: „Dadurch konnte der Export von Rundholz nach Österreich deutlich gesenkt und in dessen Folge die Wertschöpfung in Bayern erhöht werden.“ In der Bilanz der BaySF liest sich das so: „Der Jahresüberschuss 2012 beträgt 83,6 Millionen Euro. Das Geschäftsjahr verlief damit deutlich über Plan und hat sogar den Rekordwert des Geschäftsjahres 2011 nochmals übertroffen.“

Die Schuld für das Sägewerkssterben sei auch bei den Privatwaldbesitzern zu suchen. Laut Bahnmüller von den Staatsforsten „bleibt vor allem der Privatwald weit unter seinen Möglichkeiten und schlägt nur sehr zögerlich Holz ein. Und das trotz eines aktuell hohen Preises.“

Woher also soll das Holz für mittlere und kleinere Sägewerke kommen? Die Privatwaldbesitzer können nicht gezwungen werden, mehr Holz einzuschlagen. Wer jetzt kein Geld braucht, lässt die Bäume eben im Wald. Des einen Freud ist des anderen Leid.

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