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Sachsen vor Bayern

Die ostdeutschen Bundesländer haben Bayern bei einem Schülervergleich glatt den Rang abgelaufen. Die bayerischen Schüler sind in Mathematik und Naturwissenschaften immer noch gut, aber nicht mehr sehr gut. Wir klären die wichtigsten Fragen.

LÄNDERVERGLEICH MATHEMATIK/NATURWISSENSCHAFTEN

Die ostdeutschen Bundesländer haben Bayern bei einem Schülervergleich glatt den Rang abgelaufen. Die bayerischen Schüler sind in Mathematik und Naturwissenschaften immer noch gut, aber nicht mehr sehr gut. Wir klären die wichtigsten Fragen.

-Wer nahm am Ländervergleich teil?

Bundesweit 44 500 Schüler der neunten Klassen aller Schulformen in 1326 Schulen. In Bayern waren es über 2000 Schüler an 57 Schulen – darunter 17 Mittelschulen, zwölf Realschulen und 22 Gymnasien. Je Schule wurden ein bis zwei Klassen im Mai/Juni 2012 vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) getestet.

-Was wurde abgefragt?

Der Leistungsstand in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. In Mathematik beispielsweise wurden sechs Kompetenzformen untersucht, etwa „Probleme mathematisch lösen“ oder „Raum und Form“. Unterschieden wird auch zwischen „Fach-“ und „Erkenntnisgewinn“.

-Was sind die Hauptergebnisse des Vergleichs?

Die sächsischen Schüler belegen in allen vier Fächern Platz eins. Bayern ist beispielsweise in Mathematik auf Rang vier abgerutscht. Beim letzten Ländervergleich mit Schwerpunkt Mathematik im Jahr 2006 war Bayern noch Erster. Bayerns Ergebnisse seien insgesamt aber „erfreulich“, erklärte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle. Nicht jeder sieht es so: „Bayern hat den Spitzenplatz verloren – das muss man feststellen“, sagte der Bundesvorsitzende des Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger. Richtig erschreckend aber sind die Resultate etwa in Nordrhein-Westfalen sowie der Absturz Baden-Württembergs.

-Wo sind bayerische Schüler besonders gut?

Die Leistungen speziell der bayerischen Gymnasiasten liegen mit 610 Punkten weit über dem Durchschnitt und noch vor den Ergebnissen sächsischer Schüler. Das ist erstaunlich, weil Bayern an den Gymnasien weniger Mathematik-Unterricht hat – in der Regel vier, in der achten Klasse nur drei Stunden in der Woche. Allerdings betont die Studie, dass die reine Unterrichtszeit wenig über die gewonnene Kompetenz aussagt.

-Wo sind bayerische Schüler eher Durchschnitt?

In Biologie zum Beispiel ist die Leistung Mittelmaß – zusammen mit Schleswig-Holstein liegt Bayern auf Rang sieben. Auch in Physik und Chemie ist Bayern gut, aber nicht sehr gut. Eine mögliche Erklärung: An Gymnasien und Realschulen ist Biologie ein Randfach, Physik beginnt an der Realschule je nach Wahlpflichtfächergruppe teilweise erst in der 8., Chemie erst in der 9. Klasse. In den ostdeutschen Bundesländern wird mit diesen Fächern zum Teil wesentlich früher begonnen.

-Welche Erkenntnisse gibt es noch?

Die gut 400-seitige Studie bietet eine Vielzahl von Einzelbefunden. Zum Beispiel gibt es deutschlandweit eine erstaunliche Anzahl von Schülern mit schlechten Leistungen. 25 Prozent der Schüler verfehlen in Mathematik einen Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss. Auffällig sind auch Unterschiede zwischen Mädchen und Buben. Mädchen sind in allen Naturwissenschaften besser, im Fach Biologie beträgt ihr Leistungsvorsprung sogar mehr als 20 Punkte. Buben glänzen hingegen in Mathematik. Ferner bremst die soziale Kluft nach wie vor die Schulleistungen. Das erklärt zum Teil das schlechte Abschneiden von Bremen und NRW. Auch die Herkunft spielt eine Rolle: Türkischstämmige Jugendliche sind laut Studie eine Problemgruppe, gute Kompetenzen erreichen Schüler, die aus Osteuropa eingewandert sind.

-Welche Konsequenzen könnte die Studie haben?

Abzuwarten bleibt, ob jetzt ein Nachdenken über Stundentafeln und Lehrpläne einsetzt. „Das Ergebnis ist ein Signal an uns, mit Entrümpelung von Inhalten endlich aufzuhören“, mahnte der frühere Ministerialbeauftragte für die Realschulen in Oberbayern-Ost, Peter Peltzer. Auch die didaktische Ausbildung der Lehrer in Mathe und den Naturwissenschaften sollte verbessert werden, erklärte der Präsident der KMK, Stephan Dorgerloh. dirk walter

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