Der Saccharin-Heilige

Dieser Johannes von Nepomuk ist ein imposanter Heiliger: 1,82 Meter groß und im Inneren vollkommen hohl. Die Einheimischen im niederbayerischen Bischofsreut direkt an der tschechischen Grenze haben der Figur allerdings einen wenig gottesfürchtigen Namen gegeben: den Saccharin-Heiligen.

Der Grund: Dieser Johannes von Nepomuk war ein Schmuggel-Versteck. Wilhelm Blöchl, der Besitzer, hat seinen mannsgroßen Heiligen jedes Jahr einmal singend und betend von Bischofsreut aus über die stark bewachte Grenze getragen – zu einem Kirchlein in Böhmisch-Röhren. Aber, was Blöchl im Sinn hatte, war keine Bittprozession, sondern ein ausgefuchster Schmuggel. Sein Nepomuk war randvoll mit Saccharin. Damals vor dem Ersten Weltkrieg galt der Zuckerersatz als „weißes Gold“. Die Zuckerindustrie bangte, als Saccharin Ende des 19. Jahrhunderts erfunden wurde, um ihre Existenz und ließ ihre politischen Kontakte spielen. Mit Erfolg: Die Einfuhr des Süßstoffs wurde 1902 für Deutschland, Österreich und Böhmen verboten. In den Jahren 1904 bis 1915 wurden über 1500 Personen bestraft – wegen Vergehen gegen das Süßstoffgesetz.

Kommentare