S-Bahnjahr 2015: Totalsperren und verschärfte Kontrollen

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München – Nach MVG und MVV konkretisiert jetzt auch die S-Bahn ihre Drohung: „Wir werden die Kontrollen verschärfen“, sagt S-Bahn-Geschäftsleiter Bernhard Weisser. Dafür werde man „spürbar“ mehr Personal einstellen.

Auch so genannte Vollkontrollen sind geplant. Dafür sperren die Kontrolleure einen S-Bahnhof komplett ab und postieren sich an den Ausgängen. Wer dann raus will, aber keinen gültigen Fahrschein hat, zahlt 40 Euro – und bald sogar 60 Euro. „Die Gesetzesvorlage ist in Arbeit“, kündigt Weisser an.

Nachdem man sich in den vergangenen Jahren um Pünktlichkeit und Baustellen gekümmert habe, will Weisser jetzt mehr Gerechtigkeit für den Fahrgast. „Es kann nicht sein, dass einer zahlt und der andere nicht.“ Und die Schäden durch Schwarzfahrer gingen in die Millionenhöhe.

Im Jahr 2015 wird es auch einige Großbaustellen geben. Besonders hart trifft es die Strecke der S8 Westkreuz-Herrsching. Sie ist von vom 27. März bis zum 11. April komplett gesperrt – während der Osterferien. Weitere große Maßnahmen im Überblick:

Stammstrecke: Von 39. März bis 29. Juni, immer in den Nächten Montag auf Dienstag und Donnerstag auf Freitag fährt auf der gesamten Stammstrecke nur die S8 zum Flughafen.

S8 West: Totalsperrung Westkreuz-Herrsching, Gleise und Weichen müssen neu gemacht werden.

S7 Ost: Totalsperrung zwischen Giesing und Neubiberg, Anfang bis Ende August, wegen Brückenarbeiten.

S4 West: Von Mitte Mai bis Mitte September immer wieder Ausfälle auf der ganzen Strecke zwischen Pasing und Grafrath wegen Gleiserneuerungen. Die Strecke zwischen Fürstenfeldbruck und Pasing ist teils komplett gesperrt.

Und die S1 zwischen Neufahrn und Freising fällt vom 6. Oktober bis zum 1. November aus. Auch gibt’s neue Gleise. Bei allen Totalsperren fährt ein Schienenersatzverkehr. Ferner hält die S1 von 29. Juni bis 11. September nicht mehr am Besucherparkplatz des Flughafens.

Um den Fahrgast-Ärger etwas abzumildern, hat sich der S-Bahn-Chef dafür was ganz besonderes ausgedacht: Die S-Bahn wird persönlich. Bald sollen Eigennamen jeden Triebwagen schmücken.

Und sie sind ja auch etwas beliebig, die Münchner S-Bahnen. Ein roter Zug wie der andere. Sie unterscheiden sich nur durch die Digitalanzeige. Aber das ist ja kein Name, nur die Funktion für den aktuellen Tag. Heute S8, morgen S1, übermorgen – wer weiß? Der Fahrgast tut sich schwer, eine Beziehung zu den wenig greifbaren roten Triebwagen aufzubauen. Gerade, wenn er als Heimatverbundener von Endhaltestellen wie Erding, Freising, oder Holzkirchen in Richtung München aufbricht.

Daher will Bernhard Weisser mindestens zwei Züge im Jahr taufen lassen. Den Anfang hat die Bahn schon im Dezember mit der neuen Strecke Dachau-Altomünster gemacht. Zur Eröffnung taufte Dachaus Altlandrat Hansjörg Christmann eine Bahn auf den Namen „Markt Altomünster“. Der Namen steht vorne am Führerhaus. Daneben prangt das Wappen der Gemeinde.

Auch für die Zukunft schweben S-Bahn-Chef Weisser Ortsnamen vor. Die getauften S-Bahnen werden im ganzen Netz eingesetzt. Zu Verwirrungen werde das nicht führen. „In anderen Städten wird das schon lange praktiziert.“

Sein Bekenntnis zur Region möchte das Unternehmen damit unterstreichen. Motto: Wir verbinden München mit seinem Umland. Nicht nur Gemeinden, auch Münchner Stadtteile sollen Namensgeber werden: „Wir machen das ganz paritätisch.“ Vielleicht, überlegt Weisser, könne man auch den Fahrgast bei der Namenwahl mit einbeziehen.

Und vielleicht bringt es das Münchner Umland ja tatsächlich näher an die S-Bahn – wenn gerade der neue Kontrolleur um die Ecke kommt.

Klaus-Maria Mehr

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