Die S-Bahn will besser werden

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Eine verbesserte Handy-App liefert Echtzeit-Infos zu allen Bahnhöfen. Auf unserem Beispiel sieht man, dass gestern Nachmittag die S4 ab Grafrath Richtung München fünf Minuten Verspätung hatte. Die darauffolgende S-Bahn fiel gleich ganz aus. Foto: Klaus Haag

Mit 80 Einzelmaßnahmen will die S-Bahn die Pünktlichkeit verbessern und Großstörungen vermeiden. So das Versprechen. Mitten in die Ankündigung platzt indes die nächste Panne – drei vereiste Weichen legen den Ostbahnhof lahm.

MITTEN IN ANKÜNDIGUNG PLATZT DIE NÄCHSTE STÖRUNG

von dirk walter

München – Ein Jahr ist der S-Bahn-Chef Heiko Büttner nun im Amt – und er hatte sich seine Jahresbilanz sicher etwas anders vorgestellt. Eine Großstörung am Montag, etliche kleinere Pannen am Dienstag und Mittwoch – die S-Bahn steht mal wieder im Kreuzfeuer der Kritik. „Unsere Fahrgäste erwarten mehr von uns“, sagt Büttner. Unter dem Stichwort „Zukunft S-Bahn München“ sollen Schwachstellen ausgebügelt werden. Büttner nannte folgende Themen:

-Information: Eine verbesserte App liefert Echtzeit-Informationen zu allen Zügen – gerade auch im Störungsfall, sagt Büttner. Sie kann im App Store unter dem Suchbegriff „München Navigator“ kostenlos heruntergeladen werden. Dazu ist die App mit den GPS-Daten der S-Bahn-Züge verknüpft. Allerdings: Auf den Anzeigetafeln der 150 S-Bahn-Stationen ändert sich vorerst nichts, auch die Durchsagen werden nicht für jeden Bahnhof individuell gestaltet. „Mobil first“, sagt Büttner. „Auf den anderen Kanälen müssen wir nachziehen.“

-Zäune: Die Stammstrecke Pasing bis Hackerbrücke soll möglichst komplett eingezäunt werden. Zu 97 Prozent ist das schon geschehen, erklärte der Münchner Regionalchef von DB Netz, Kai Kruschinski. Der Rest soll in diesem Jahr folgen. 320 Störfälle „Personen auf und am Gleis“ gab es im vergangenen Jahr, sagte Büttner. Das müsse weniger werden.

-Einstiegslotsen: DB-Mitarbeiter am Hauptbahnhof (ab April) und am Marienplatz (ab Sommer) sollen Gedrängel am Bahnsteig vermeiden und so zur Pünktlichkeit beitragen. Das war schon im vergangenen Jahr kurz getestet worden – nun soll es im Berufsverkehr dauerhaft diese Lotsen geben.

-Kürzere Haltezeiten: Je nach Station darf eine S-Bahn an den Stammstrecken-Bahnhöfen nur 30 oder 40 Sekunden lang halten. Viele Lokführer aber überschreiten die Zeitvorgabe. Deshalb bekommen sie Sekundenzähler (die Bahn spricht von „Counter“) im Führerstand installiert. Das könne zwei Sekunden Zeitgewinn je Halt bringen.

-S-Bahn-Modernisierung: Schon angekündigt wurde im vergangenen Jahr eine Innenraum-Modernisierung der gesamten S-Bahn-Flotte mit 238 Zügen. Die ersten drei Züge werden nun in die Werkstätten Nürnberg und Hagen geschickt, bis Ende des Jahres sollen 50 umgebaut sein.

Während Büttner das Maßnahmenpaket in der S-Bahn-Werkstatt Steinhausen vorstellte, flaute draußen langsam eine neue Panne ab. Drei vereiste Weichen hatten gegen 8 Uhr den gesamten S-Bahn- und Regionalverkehr gestoppt. Trotz Weichenheizung und neuer Antriebe könnten solche Störungen bei starkem Frost eintreten, meinte DB Netz-Chef Kruschinski. Da helfe nur ein schneller Bautrupp, der die Weichenzunge „freirüttele“ oder mit einer Art Bunsenbrenner nachhelfe. In der Tat war die Störung nach einer Stunde behoben, was allerdings nicht hieß, dass die Züge danach wieder nach Plan fuhren.

Auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die die S-Bahn tags zuvor schon gegenüber unserer Zeitung kritisiert hatte (wir berichteten), verschärfte gestern die Tonart. Allein im Januar und Februar habe es „über 130 infrastrukturbedingte Störungen“ gegeben, kritisierte BEG-Chef Johann Niggl. Das sei „unzumutbar“. Die DB Netz AG wurde aufgefordert, einen konkreten Maßnahmenplan vorzulegen. Konkrete Sanktionen allerdings erwähnte Niggl nicht.

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