Was die S-Bahn aus dem Takt bringt

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Erklärt, warum‘s nicht immer läuft: Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp vor einer Weiche an der Donnersbergerbrücke. goe

Ausfallende Züge, Weichenstörungen, Stammstrecken-Sperrungen: Kälte und Eis haben dem S-Bahnverkehr vergangene Woche stark zugesetzt. Entwarnung kann Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp trotz des Tauwetters nicht geben.

zugausfälle im winter 

von ramona weise

Zugausfälle, langes Warten am kalten Bahnsteig. S-Bahn-Pendler kennen das zur Genüge. Vergangene Woche traf es sie wieder hart. Nun taut es, aber die Bahn hat weiter reichlich zu tun. So sei man bei der Zugwartung noch im Rückstand, sagt Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp.

840 000 Fahrgäste passieren täglich die Stammstrecke. Und die sei inzwischen schlicht überlastet, sagt Honerkamp. Schon im Normalbetrieb, also im störungsfreien Zustand, fahre die S-Bahn unter der Woche fast täglich im Berufsverkehr pro Stunde und Richtung eine Verspätung rein. Etwa durch Türen, die nicht schließen, weil jemand in der Lichtschranke steht, oder wenn viele Menschen ein- und aussteigen. Kommt noch eine Störung dazu, liegt schnell die gesamte Stammstrecke Zeit brach – mit Folgen, die oft den ganzen Tag zu spüren sind.

Die S-Bahn unterscheidet drei Arten von Störungen: Einmal die, die die Bahn selbst verursacht, etwa durch kranke Lokfahrer oder kaputte Fahrzeuge. „Technische Störung“ nennt die Bahn das. Sie machten 10 bis 15 Prozent aller Störungen aus, sagt Honerkamp. Auch „betriebliche Gründe“ betrachtet die Bahn als selbst verursacht. Dahinter stecken meist Maßnahmen, um zu viel Verspätung zu vermeiden. „Wenn wir sieben Minuten Verspätung auf der Stammstrecke erreicht haben, müssen wir etwas tun“, erklärt Honerkamp. Zum Beispiel den 10-Minuten-Takt ausfallen lassen.

Hinter den Ausfällen des 10-Minuten-Takts bei einigen Linien vergangene Woche verbirgt sich aber auch etwas anderes. Die S-Bahn hatte frostbedingt nicht genügend Züge. Denn: Alle der 253 S-Bahnen sind in streng vorgeschriebenen Abständen zu warten. Wegen des Frosts mussten viele Züge dafür erst enteist werden – das kann bis zu drei Stunden dauern. Die S-Bahn-Werkstatt Steinhausen setzte mehr Personal ein, machte Überstunden, kam aber trotzdem nicht nach.

Zweite mögliche Art von Störungen: Es gibt Probleme an der Infrastruktur – Weichen, Oberleitung, Signale. Besonders mit Weichen hat die S-Bahn in einem kalten Winter zu kämpfen. Unter den Zügen bilden sich Eisblöcke. Fährt die Bahn über eine Weiche, ruckelt es – und die Blöcke fallen mitunter in die Weiche und blockieren. „Da hilft auch die beste Weichenheizung nichts, da muss ein Mensch hin und den Eisblock entfernen“, sagt Honerkamp.

Auch an Bahnübergängen gibt es Probleme: Oft liege das daran, dass eine Schranke zwar schließe, aber durch überfrorene Kontakte eine Störung angezeigt werde, sagt Honerkamp. Dann bekommt der Zugfahrer das Signal, dass er nicht weiterfahren darf.

Störungen der dritten Art werden auch durch Dritte ausgelöst. „Personen im Gleis“ oder „Notarzteinsatz“ nennt die Bahn das zum Beispiel. Probleme mit Personen im Gleis würden zunehmen sagt Honerkamp. 300 Meldungen waren es vergangenes Jahr. Zusätzlich sei von einer nicht geringen Zahl ungemeldeter Vorfälle auszugehen. „Viele Leute springen auch leichtsinnig vom Bahnsteig aufs Gleis, um ihren Weg abzukürzen. Das geht oftmals so schnell, dass es niemand mitbekommt und deswegen in keiner Statistik auftaucht.“

Seit etwa zwei Jahren hat die S-Bahn mit der Bundespolizei eine Absprache, dass bei der Meldung „Personen im Gleis“ nicht mehr automatisch der gesamte Zugverkehr lahmgelegt werden muss. „In bestimmten Fällen kann auf Sicht gefahren werden.“ Zum Beispiel, wenn erwachsene Personen neben, aber nicht im Gleis laufen.

Notarzteinsätze sind ebenfalls Störungsbringer. Rund 200 sind es pro Jahr. „Wir haben immer mehr Fahrgäste – und deswegen auch immer mehr dieser Einsätze, bei denen Fahrgäste zum Beispiel ohnmächtig werden“, sagt Honerkamp. Auch Personenunfälle kommen leider immer wieder vor, rund 50 mal im Jahr. Das Überfahren eines Menschen führt in der Regel zu einer zwei- bis dreistündigen Sperrung aller Gleise. „Notarzteinsatz im Gleis“ nennt die Bahn den tragischsten aller Störungsfälle.

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