"Ich fühle, dass er da oben auf mich aufpasst"

Drei Monate nach Tod von Roy Horn: Siegfried vermisst seinen Partner "unendlich"

Tiger fällt Zauberer Roy an
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Roy Horn bei Dreharbeiten für einen Film mit einem weißen Tiger: Wilde Raubkatzen begleiteten seine gesamte Karriere.

Von der Tigerattacke in Las Vegas hatte sich Roy Horn nie richtig erholt. Der grausige Bühnen-Vorfall im Jahr 2003 hatte die Traumkarriere des Magierduos "Siegfried & Roy" jäh beendet. Drei Monate nach dem Tod von Roy findet sein Partner Siegfried Fischbacher erneut bewegende Worte.

Update 28. Juli

Magier Siegfried Fischbacher: "Ich vermisse Roy unendlich"

Berlin (dpa) - Fast drei Monate nach dem Tod des "Siegfried & Roy"-Magiers Roy Horn (1944-2020) hat sich Siegfried Fischbacher zum Verlust seines Partners geäußert. "Ich vermisse Roy unendlich. Aber ich fühle, dass er von da oben auf mich aufpasst. Die Erinnerungen an unsere schöne gemeinsame Zeit tragen mich", sagte der 81-Jährige der "Bild"-Zeitung. An eine Rückkehr von seinem Alterssitz in Las Vegas nach Deutschland denke Fischbacher demnach nicht: "Ich habe doch hier in "Little Bavaria" das Paradies! Und alles erinnert mich an Roy. Das möchte ich nicht zurücklassen."

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„Dass Roy nicht mehr lebt, bewegt uns sehr“: Erinnerungen an einen Besuch am Samerberg

Roy Horn war am 8. Mai in einem Krankenhaus in Las Vegas an den Folgen von Covid-19 gestorben. Er wurde 75 Jahre alt. Der in Nordenham bei Bremen geborene Dompteur und sein Partner Fischbacher waren als "Siegfried & Roy" für ihre Auftritte mit weißen Tigern und Löwen weltbekannt. Die Karriere des Duos in Las Vegas war im Oktober 2003 geendet, als ein Tiger Roy Horn bei einer Vorstellung schwer verletzte. Von den Folgen hatte er sich nie richtig erholt.

Siegfried und Roy bei einem Auftritt in Rosenheim.

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Update 10. Mai

Rosenheimer Neffe von Siegfried erinnert sich an Roy

Um 4 Uhr morgens erreichte die Nachricht vom Tode Roy Horns Marinus Fischbacher, den Neffen von Siegfried Fischbacher. „Meine Tochter kam ins Schlafzimmer und hat mir die traurige Botschaft überbracht, dass Roy tot ist“, sagt er.

In solchen Momenten werden Erinnerungen wach. An die erste Begegnung zum Beispiel. „1963 war das, da tingelten sie mit Zauber- und Tiertricks noch durch kleinere Theater. Roy war gerade einmal 18 Jahre alt“, erzählt Marinus Fischbacher. Seitdem sei der Bühnenpartner seines Onkels wie ein Familienmitglied gewesen.

„Es ist, als hätte ich einen Bruder verloren. Er war ein richtig toller Kerl, der sich auch abseits der Bühne immer tadellos verhalten hat.“ Sehr familienverbunden und fürsorglich sei Roy gewesen. „Als ich die beiden zum ersten Mal in Amerika besucht habe, hat Roy mich vom Hotel abgeholt.“ Noch so eine Erinnerung.

Bewegende Nachricht an Siegfried

Mit seinem Onkel habe er noch nicht sprechen können, aber in Gedanken sei er natürlich bei ihm. Zusammen mit dem Verein „Erlesene Oper“ hat Marinus Fischbacher eine Nachricht nach Las Vegas geschickt. Darin heißt es:

Lieber Siegfried,

mit großer Bestürzung haben wir erfahren müssen, dass unser aller geliebter Roy verstorben ist. Ein großartiger Mensch und fantastischer Künstler hat uns verlassen. Es fällt sehr schwer, diesen Abschied anzunehmen. Roy und seine Tiger, hat er doch die Welt so wunderbar verzaubert. Wir denken in großer Dankbarkeit an Roy zurück. Dirigent Georg Hermansdorfer und alle Künstler des Verein „Erlesene Oper“ trauern mit Dir. Auch wenn wir Dir Deinen unendlichen Schmerz nicht abnehmen können, sollst Du wissen, dass wir mit unseren Gedanken bei Dir sind und Roy auf seinem letzten Weg mit Gebeten begleiten. „Wir sind voll Verlangen nach Glück - und finden es doch nur in den wechselnden Gezeiten unseres Lebens: Zwischen Freude und Schmerz, Licht und Schatten.“

Rosenheims OB erinnert sich an persönliches Treffen mit Siegfried und Roy

Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März hat die Show von Siegfried und Roy zwei Mal in Las Vegas gesehen. Zunächst in den 1990er-Jahren, gemeinsam mit seinem Vater und seinen Schwestern. Es sei ein „grandioses Erlebnis“ gewesen, sagt März. Und erinnert sich, dass er, gemeinsam mit seiner Familie, im Anschluss an die Veranstaltung auch zu Gast sein durfte in der Wohnung des Magierpaares.

Der Vater habe Siegfried Fischbacher gut gekannt, sagt März. Er selbst habe die Show dann in den 2000er-Jahren ein weiteres Mal gesehen, zusammen mit seiner Frau. Es sei schade, dass Roy Horn später den schlimmen Zwischenfall gehabt habe und nun gestorben sei. Beide Magier, vor allem aber Siegfried Fischbacher, habe er als sehr bodenständige Menschen in Erinnerung.

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Las Vegas / Rosenheim - Seine Ärzte nannten es "ein Wunder", dass Roy Horn die schweren Verletzungen nach dem Angriff seines weißen Tigers Mantecore überhaupt überlebte. Im Mirage-Hotel in Las Vegas hatte der in Nordenham bei Bremen geborene Dompteur und Magier am 3. Oktober 2003 in seinen 59. Geburtstag hineingefeiert. Wenige Stunden später lag der dunkelhaarige Zauberer bei der abendlichen "Siegfried & Roy"-Show lebensgefährlich verletzt auf der Bühne. Nach schwerem Blutverlust, Schlaganfällen und einer Gehirnoperation hatte er sich nie mehr vollständig erholt. Sein langjähriger Partner, der in Rosenheim geborene Siegfried Fischbacher, wurde zum Betreuer.

Der Magier Roy bei einem Auftritt in Rosenheim.

Covid-19 kostet den Kämpfer Roy Horn das Leben

Nun hat Roy Horn die Lungenkrankheit Covid-19 das Leben gekostet. Horn starb am Freitag (Ortszeit) in Las Vegas an den Folgen einer Coronavirus-Infektion, wie Sprecher Dave Kirvin der Deutschen Presse-Agentur sagte. Er wurde 75 Jahre alt. "Heute hat die Welt einen der Großen der Magie verloren, aber ich habe meinen besten Freund verloren", sagte Fischbacher (80) in einer Mitteilung.

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Der tragische Tiger-Unfall hatte die vielfach preisgekrönten "Meister des Unmöglichen" in den vorzeitigen Ruhestand gezwungen, es war das abrupte Aus für das gefeierte Magier-Duo "Siegfried & Roy", das in der amerikanischen Casino-Stadt mit ihren Illusionen und Tier-Tricks über Jahrzehnte Millionen Fans begeistert hatte. Roy Horn war nach dem Unfall halbseitig gelähmt.

Siegfried und Roy machen gesundheitlich schwere Zeiten durch

Der Entertainer lernte langsam wieder gehen, wenn auch schleppend und auf einen Stock gestützt. Bei seltenen öffentlichen Auftritten war er auch im Rollstuhl zu sehen. Im Mai vorigen Jahres hatte das Duo noch Siegfrieds Münchner Heimat und den Tegernsee besucht. Horn machte dort eine Stammzellentherapie mit Eigenblut. "Wir hoffen, dass er sich durch die Therapie wieder besser bewegen kann", sagte Fischbacher damals der "Bild"-Zeitung.

Immer wieder besuchten Siegfried Fischbacher (links) und sein Partner Roy Horn auch Bayern. 

Fischbacher selbst musste sich im vergangenen Jahr einer schweren Herz-OP unterziehen. Offenbar hatte er einen Herzinfarkt erlitten, als er gerade seinen Freund Roy zu einem Arzt begleitet hatte. In einem dreistündigen Eingriff retteten ihm Ärtze damals wohl das Leben. Nur eine Woche später ließ er sich schon wieder gut gelaunt mit Fans an der Aussichtskapelle am Samerberg fotografieren – sein Freund Roy war allerdings nicht dabei.

Roy Horn nur noch selten in der Öffentlichkeit

Außerhalb seines Domizils in der Wahlheimat Las Vegas wurde Horn in den letzten Jahren immer seltener gesehen. Ausnahmen waren der traditionelle Fassanstich zum Oktoberfest im Hofbräuhaus der Casino-Stadt oder ein Besuch bei den exotischen Großkatzen im "Secret-Garden"-Gehege des Mirage-Kasinos, das längst zur Touristenattraktion geworden ist.

Siegfried und Roy auf Familienbesuch in Rosenheim (von links): Siegfried Fischbacher, Schwester Dolore, Roy Horn, Herta Fischbacher, Marinus Fischbacher, Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer.

Auch Rosenheim, dem Heimatort seines Freundes Siegfried Fischbacher, stattete Roy Horn gelegentlich einen Besuch ab. Das letzte mal möglicherweise im Jahr 2017. Da war das weltberühmte Magierduo auf Familienbesuch bei der Diamantenen Hochzeit von Herta und Marinus Fischbacher – dem Bruder von Siegfried.

Siegfried und Roy lernen sich auf Kreuzfahrtschiff kennen

Auf Facebook postete Horn für seine Fans gelegentlich Fotos von ihrem Alterssitz "Little Bavaria" am Stadtrand von Las Vegas, einem riesigen Anwesen mit zahlreichen Raubkatzen und anderen Tieren.

Der Beginn einer großen Karriere: Das Magierduo Siegfried und Roy mit dem Gepard Chico.

Seine Liebe zu exotischen Tieren hatte der am 3. Oktober 1944 geborene Uwe Ludwig Horn schon früh entdeckt. In den Nachkriegsjahren flüchtete er in eine Tier-Traumwelt. Ein Gepard namens "Chico" im Bremer Zoo wurde zu seinem besten Freund. Nach dem Abbruch der Schule heuerte er als Steward auf einem Kreuzfahrtschiff an, wo er Fischbacher traf.

Magier werden zu Superstars in Las Vegas

Zusammen tingelten sie mit Zauber- und Tiertricks durch kleinere Theater, bis ihnen in den Sechzigerjahren in Monaco der internationale Durchbruch gelang. 1967 kamen sie erstmals nach Las Vegas, ab 1970 waren sie dort drei Jahre im Stardust zu sehen. Im Jahr 1982, damals schon weltberühmt, stattete das Magierduo Siegfrieds Heimatstadt Rosenheim einen Besuch ab. Tausende feierten Siegfried und Roy, als sie im offenen Wagen durch die Bahnhofstraße fuhren.

Siegfried und Roy mit begeisterten Fans in der Bahnhofstraße in Rosenheim.

1988 handelten sie mit dem Mirage-Hotel den bis dahin dicksten Millionen-Deal in der Geschichte der Kasinostadt aus. Mit einem explosiven Mix aus Zauberei und exotischen Tieren, darunter seltenen weißen Tigern, hielt das Duo in den Jahren 1989 bis 2003 Millionen Fans in Atem.

Roy gab niemals dem Tiger Mantecore die Schuld

Roys Liebe zu den Wildkatzen war ungebrochen, auch nach dem Angriff von Mantecore. Er gab dem weißen Tiger keine Schuld - im Gegenteil. Nach dem Tod der Raubkatze im Jahr 2014 schrieb der Dompteur auf Facebook, sein "geliebter 17 Jahre alter weißer Tiger, Freund und Bruder" sei gestorben. 

In Pose mit einem majestätischen Tiger: So wurden die Magier Siegfried Fischbacher (links) und Roy Horn weltberühmt.

"Er war es, der mich in Sicherheit gezogen hat, nachdem mir auf der Bühne wegen schwachen Blutdrucks schwindlig geworden war. Er hat mich da rausgeholt, so dass mir die Notärzte helfen konnten." Mantecore habe ihm nur zur Hilfe kommen und ihn wegtragen wollen, beteuerte er in Interviews.

Ein letztes Mal Siegfried und Roy im Jahr 2009

Mit einem letzten Zaubertrick hatte sich das Duo im März 2009, im gleichen Jahr feierte Siegfried seinen 70. Geburtstag, endgültig vom Showbusiness verabschiedet. Nur zehn Minuten dauerte die magische Show bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Hotel-Casino Bellagio.

Mit schleppenden Schritten trat Horn in einem schwarzen Umhang und einer Maske vor dem Gesicht auf die Bühne. Der weiß gekleidete Fischbacher betrat einen von zwei leeren Glaskäfigen, die verhängt wurden. Als Horn die Tücher wegzog, befand sich der Tiger Mantecore an seiner Stelle in dem Behälter, Fischbacher saß im anderen Käfig. Am Ende zogen Siegfried und Roy ihre Masken ab, winkten ins Publikum und warfen Handküsse. Große Abschiedsworte gab es nicht.

(Von Barbara Munker, dpa. Artikel ergänzt mit Informationen und Fotos des Oberbayberischen Volksblattes)

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