Rottweiler greift zwei Kleinkinder an

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Ein frei laufender Rottweiler hat in Eching zwei kleine Kinder angegriffen. Eines davon wurde so schwer verletzt, dass es operiert werden musste. Der Hundehalter hätte bis Ende des Monats ein Verhaltensgutachten für seinen Hund vorlegen müssen. Bis dahin bestand keine Leinenpflicht.

Fünfjähriger schwer verletzt

Von Katrin Woitsch

Eching – Eine Mutter aus Eching (Kreis Freising) musste mit ansehen, wie ihre beiden kleinen Kinder von einem Rottweiler angegriffen wurden. Ihre zweijährige Tochter und ihr fünfjähriger Sohn spielten am Montagnachmittag auf einem Erdhügel, sie war in Sichtweite entfernt. Aus dem Nichts kam plötzlich ein Rottweiler angerannt. Als der Bub aus Angst zu seiner Mutter laufen wollte, verfolgte ihn der Hund und biss ihn ins Gesäß und in den Oberschenkel. Auch das kleine Mädchen wurde mehrmals gebissen. Sie hatte jedoch zum Glück einen dicken Schneeanzug an, sodass sie kaum verletzt wurde. Der Arzt konnte lediglich Hautabschürfungen feststellen. Ihren Bruder hat der Hund deutlich schwerer verletzt. Er hatte tiefe Fleischwunden und musste noch am Montag operiert werden. In Lebensgefahr schwebt er nicht.

Dass es bei einigen Bisswunden blieb, verdankt der Fünfjährige auch seiner Mutter. Sie rannte sofort zu dem Erdhügel und versuchte, den Rottweiler von den Kindern wegzuziehen. „Auch sie war in Gefahr“, betont Andreas Aichele, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordbayern. Denn der 53-jährige Hundeführer, der ebenfalls herbeieilte, hatte große Mühe, das Tier unter Kontrolle zu bringen. „Die Mutter hat ihn panisch angeschrien, er solle das Tier wegbringen“, berichtet Aichele. Daraufhin hat der Mann sich mit dem mittlerweile angeleinten Hund entfernt, ohne seinen Namen zu sagen. Nachbarn holten ihn mit dem Fahrrad ein und ließen sich Name und Adresse geben. Außerdem alarmierten sie die Polizei. Gegen den Mann wird nun wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt, berichtet Aichele. Allerdings sei noch unklar, ob er sich vom Unfallort entfernt hat, um den Hund von den Kindern wegzubringen, oder um anonym zu bleiben. „Er war völlig neben der Spur, als die Polizei ihn kurz darauf antraf.“

Besitzer des Rottweilers ist der Sohn des 53-Jährigen. Für den Hund bestand keine Leinen- oder Maulkorbpflicht. „Der Rottweiler ist 17 Monate alt“, erklärt Brigitte Manglus vom Ordnungsamt. Rottweiler gehören zur Kategorie II der Kampfhundeverordnung. Das bedeutet, dass ihre Eigenschaft als Kampfhund zwar vermutet wird, eine gesteigerte Aggressivität aber durch ein Gutachten widerlegt werden kann. Dieses Gutachten müssen die Besitzer vorlegen, wenn ihre Tiere 18 Monate alt werden. Bis Ende des Monats wäre es bei dem Rottweiler fällig gewesen. „Die Aufforderung war bereits verschickt“, sagt Manglus. Der Hundesachverständige muss beurteilen, wie aggressiv ein Tier ist – je nach Ergebnis muss der Hund Leine oder Maulkorb tragen oder darf weiterhin frei laufen. „Wenn es vorher bereits Auffälligkeiten gibt, wird die Leinenpflicht früher ausgesprochen“, sagt Manglus. Bei diesem Rottweiler sei das nicht der Fall gewesen.

Der Hund werde nun intensiv begutachtet, erklärt Franz Breitsamer, der in Oberbayern als Hundesachverständiger im Einsatz ist. In der Regel wird für das Gutachten ein 20-minütiges Gespräch mit dem Hundebesitzer geführt, auch gehört eine zweistündige Gassi-Runde zu der Untersuchung. „Wir stellen dabei fest, wie aggressiv sich ein Tier verhält.“ Eine gewisse Wehrhaftigkeit liege aber im Naturell der Hunde, betont er. Rottweiler gehören zu den Hunden mit starkem Nervenpolster, erklärt Breitsamer. „Sie sind gelassener als Schäferhunde oder Dobermänner. Aber wenn sie sich verteidigen, sind sie sehr wehrhaft.“ Sie gehören zu den Kampfhunden, für die keine Genehmigung nötig ist. Bei Pitbulls zum Beispiel ist das anders.

Das Echinger Ordnungsamt hat dem Hundebesitzer noch gestern einen Bescheid zugestellt. Der Rottweiler darf nun ohne Maulkorb und Leine die Wohnung nicht mehr verlassen. Auch Bürgermeister Sebastian Thaler meldete sich zu dem Vorfall zu Wort. Er habe kein Verständnis dafür, dass potenziell gefährliche Hunderassen der Kategorie 2 bis zum 19. Lebensmonat in Bayern pauschal als ungefährlich eingestuft werden. Thaler appellierte an die Hundehalter, ihre Tiere in Wohngebieten anzuleinen. Er hoffe sehr, dass bei dem Bub keine bleibenden Schäden zurückbleiben, sagte er. Der Fünfjährige lag gestern noch im Krankenhaus. „Die Infektionsgefahr bei solchen Bisswunden ist sehr groß“, erklärt Aichele. Dennoch habe der Kleine Glück gehabt. Hätte das Tier ihn in Gesicht oder Hals gebissen, hätte der Angriff tödlich ausgehen können.

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