Aufruf in der Gastronomie

Verein startet Aktion „Die Hütte brennt“: Einige Restaurants in der Region nehmen teil

Das VEBWK will mit ihrer Protestaktion „Die Hütte brennt“ auf die derzeitige Situation der Gastronome aufmerksam machen. dabei wird in der Nacht zwischen den 4. und 5. Februar in den Betrieben das Licht angelassen. Es soll als Zeichen der Stärke, aber auch als Mahnmal für die Politik dienen.
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Das VEBWK will mit ihrer Protestaktion „Die Hütte brennt“ auf die derzeitige Situation der Gastronomen aufmerksam machen. Dabei wird in der Nacht zwischen dem 4. und 5. Februar in den Betrieben das Licht angelassen. Es soll als Zeichen der Stärke, aber auch als Mahnmal für die Politik dienen.

Seit Monaten leiden die Gastronomiebetriebe besonders unter den Lockdown-Bedingungen der Corona-Pandemie. Der Verein zur Erhaltung der bayerischen Wirtshauskultur ruft deswegen die Betreiber dazu auf, in der Nacht vom 4. auf 5. Februar die Lichter in den Restaurants brennen zu lassen.

München - Die Hütte brennt – und das bereits seit Monaten. Die Gastronomie ist so schwer wie kaum eine andere Branche von der Coronakrise betroffen. Der Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) will jetzt auf die verheerende Situation für Selbstständige, Mitarbeiter und indirekt Betroffene in der Gastronomie aufmerksam machen.

Viele Betriebe müssen aufgeben

„Die Gastronomiebranche ist am Ende“, fasst VEBWK-Geschäftsführerin Dr. Ursula Zimmermann die derzeitige Situation treffend zusammen. Laut einer aktuellen DEHOGA-Umfrage denkt bereits jeder vierte Gastronom über eine Geschäftsaufgabe nach. Damit verbunden: Existenzen von Mitarbeitern, Zulieferern, Verpächtern, Reinigungsservices – die Liste ist lang.

„Resignation, Wut, Hoffnungslosigkeit und enorme Zukunftsängste bestimmen seit nun fast einem Jahr das Leben aller, die direkt oder indirekt mit der Gastronomiebranche verbunden sind“, sagt Dr. Zimmermann, „einschneidende Beschränkungen, strenge Hygieneauflagen, verbunden mit kostspieligen Investitionen und monatelange Schließungen ohne Perspektive auf eine Verbesserung der Lage. Das macht einfach nur noch mürbe.“

Gastronomen brauchen Perspektive

Während immer mehr Gastronomen keinen Ausweg mehr aus der derzeitigen Situation sehen, kämpft der VEBWK weiter für eine klare Exit-Strategie der Politik aus den strengen Lockdown-Maßnahmen und eine baldige Öffnung der Betriebe. „Wir lassen uns nicht unterkriegen und setzen uns weiterhin mit aller Kraft für eine Zukunft unserer bayerischen Gastronomie ein“, so die Geschäftsführerin. „Wir nehmen die willkürlichen und unverhältnismäßigen Beschränkungen durch die verantwortlichen Politiker nicht einfach schweigend hin.“

Darum fordert der Verein, die Gastronomie unter Einhaltung der AHA-Regeln spätestens ab dem 1. März wieder zu öffnen. „Es ist einfach genug“, so Dr. Ursula Zimmermann, „wir brauchen jetzt eine Öffnungsperspektive!“

Betreiber sollen „sichtbar“ bleiben

Der VEBWK ruft daher jetzt zu einer großen Protest-Aktion auf. Unter dem Motto „Die Hütte brennt“ werden alle Gastronomen dazu aufgerufen, das Licht in ihren Betrieben in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar brennen zu lassen. „Wir bleiben in der Krise sichtbar“, sagt Dr. Ursula Zimmermann, „füreinander, für die Kunden und für alle Politiker, die nicht sehen können oder wollen, welche fatalen Folgen ihre Tatenlosigkeit und ihre Entscheidungen haben.

Auch in der OVB24-Region machen einige Restaurant-Besitzer bei dieser Aktion mit. In Siegsdorf ist das Bistro und Café Papillon bei der Protestaktion mit dabei. Über einen Post auf Instagram machte das Restaurant seinen Followern klar, dass auch sie sich nicht von der Corona-Krise einschüchtern lassen wollen. In den Kommentaren bekommen sie viel Zuspruch und Unterstützung.

Im Gespräch mit ovb24.de äußert sich der Besitzer Robert Krininger zur derzeitigen Situation der Restaurants. Er meint, die Aktion „Die Hütte brennt“ sei ein „Zeichen der Solidarität“. Ihm sei aber sehr bewusst, dass die Aktion nicht viel an der Situation der Gastronomen ändern wird. Er habe Verständnis für den Lockdown und spricht sich für die Beschränkungen aus.

Trotzdem fehlt das Verständnis, dass Restaurants, obwohl Hygienekonzepte und neue Gerätschaften vorhanden sind, noch immer nicht öffnen dürfen. Krininger befürchtet sogar, dass die Gastronomie bis Mitte 2021 geschlossen bleiben könnte. Für die Wirte, die für Hygienestandards zusätzlich investiert haben, seien die Schließungen ein Schlag ins Gesicht.

Der Geschäftsinhaber Robert Krininger in seinem Bistro „Papillon“. Robert Krininger äußert sich zu der Aktion „Die Hütte brennt“. Auf den sozialen Medien teilte er den Beitrag des VEBKW, um für die Aktion zu werben. Er wolle damit ein Zeichen der Solidarität setzen und auf die Situation der Gastronomen aufmerksam machen.

Das Hotel „Neuer am See“ in Prien schließt sich ebenfalls der Aktion an. Andreas Neuer, der das Hotel samt Restaurant sowie Café und Konditorei vertritt, spricht von einem „symbolischen Akt“. Auch er vermutet, dass eine Öffnung der Gastronomie-Bereiche weiterhin aussichtslos scheint und es kein richtiges Konzept seitens der Politik gibt, um aus dieser Situation herauszufinden.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen das „größte Kapital“ dar. Seit dem Lockdown zahlt die Familie Neuer immer noch mit einem Eigenanteil von 60 Prozent die Löhne. So ermöglichen sie dem Team, ein paar Tage in der Woche vor Ort zu sein und den Gästen Gerichte sowie Kuchen und anderes Gebäck „To Go“ anzubieten. Außerdem hat der Betrieb für Geschäftsreisende nach wie vor geöffnet. Andreas Neuer betont, dass er auf den Post des Kollegen in Siegsdorf aufmerksam geworden ist und den Schritt sehr bewundernswert findet, auch wenn dieser wahrscheinlich wenig bezwecken wird.

„Man sollte sich nicht zu Hause verkriechen, sondern gegenseitig unterstützen“, bekräftigt er im Gespräch. Ohne zu zögern und durch die gemeinsame Verbundenheit teilte er deshalb ebenfalls den Beitrag des Café-Bistro Papillon mittels der Instagram-Story-Funktion und machte mit.

Andreas Neuer in seinem Familienbetrieb „Neuer am See“ in Prien. Auch er unterstützt die Aktion „Die Hütte brennt“ als symbolischen Akt und möchte damit ein Zeichen setzen.

Im Gegensatz zu den anderen Betrieben hat der Betreiber des „Unertl Bräustüberls“ nicht über die sozialen Medien von dieser Aktion erfahren, sondern über einen Newsletter des Vereins. Tim Frische ist „generell ein Freund des Wirtshauses“ und will mit diesem Protest bewirken, dass „jemand wieder an die Gastro denkt“. Zudem möchte er, wie die anderen Betreiber, ein Zeichen setzen und die Politik wachrütteln.

Im Telefongespräch äußerte er auch, dass er vermutlich nicht nur das Licht im Wirtsbereich brennen lassen möchte, sondern auch in den Gästezimmern des Hauses. Schließlich sei nicht nur die Gastronomie von der Problematik betroffen, sondern auch andere Bereiche des Lebens. Darüber hinaus habe die Brauerei mit Verlusten zu kämpfen, da die Menschen ihr Bier nicht aus der Heimat, vielmehr aber von den überregionalen Brauereien kaufen und konsumieren würden.

Hinzu kommt noch, dass sich Tim Frische aufgrund der Corona-Krise mit einer Versicherung auseinandersetzen muss. Er meint: „Es reicht einfach!“. Trotzdem bezweifelt er, dass die Gastronomie nicht als letzte Instanz öffnen wird.

Nicht zuletzt ist auch die Pizzeria „Il Caminetto“ in Haag bei der Aktion mit dabei. In diesem Zusammenhang sind alle Gastronomiebetriebe im Umkreis dazu eingeladen, sich an der Kampagne „Die Hütte brennt“ zu beteiligen.

Die Familie Frische betreibt seit 13 Jahren die Traditionswirtschaft der „Unertl Brauerei“ und bekommt die Folgen der Corona-Pandemie hart zu spüren. In der Brauerei sind mit dieser noch die Wirtschaft und die Gästezimmervermietung von den Restriktionen betroffen.

Aisha Noack und Michaela Syrek/Pressemitteilung Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur

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