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Linke Schmierereien in Rosenheim: Polizei schnappt 4 mutmaßliche Täter

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Auch eine Mauer an der Mangfall wurde mit politischen Parolen beschmiert.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Beschmierte Straßenschilder, vollgesprühte Hauswände und linksradikale Parolen: Unbekannte haben in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Ortsteil Happing ihr Unwesen getrieben. Jetzt sprechen die Betroffenen.

Update 25. Juni, 15.44 Uhr

Polizei verhaftet mutmaßliche Farbschmierer

Mehrere öffentliche und private Gebäude sowie Denkmäler in Rosenheim waren in den vergangenen 14 ins Visier mutmaßlich linksextremer Farbschmierer geraten. Unter anderem wurde am frühen Sonntagmorgen, 21. Juni, laut Polizeimeldung das Ordnungsamt der Stadt Rosenheim in der Arnulfstraße in einer gemeinsamen Aktion von ca. zehn vermummten Personen mit mehreren mit Farbe befüllten Flaschen beworfen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind der Polizei über 50 Fälle von Sachbeschädigungen bekannt.

Martin Kupferschmid, Wirt im Happinger Hof, zeigt auf die großflächige Schmiererei. Schlecker

Nun sind die mutmaßlichen Täter offenbar der Polizei ins Netz gegangen. Ein Anwohner habe am Mittwochmorgen (24. Juni) gegen 2.25 Uhr in Happing die Polizei alarmiert, als er in der Umgebung mehrere frische Graffitis entdeckt hatte, die zu den bisherigen Fällen passen.

Die Polizei nahm sofort mit einem großen Aufgebot die Ermittlungen vor Ort auf und nahm laut Meldung drei junge Erwachsene fest, zwei Frauen (18 und 19) und einen Mann (19), die laut Polizei frische Farbspuren an der Kleidung hatten. Außerdem seien weitere Beweismittel gesichert worden. Die drei Tatverdächtigen wurden an Ort und Stelle vorläufig festgenommen.

Wenig später nahm die Polizei einen weiteren Mann (20) fest, der sich unter einem parkenden Wagen versteckt hatte. Ein Polizeihubschrauber suchte in der Folge ergebnislos nach weiteren Tatverdächtigen in der Gegend.

Die vier vorläufig festgenommenen Personen sind laut Polizei deutsche Staatsangehörige und in der Stadt bzw. dem Landkreis Rosenheim wohnhaft. "Sie sind der aktiven Szene des linksradikalen Spektrums zuzuordnen", heißt es in der Mitteilung.

Die vier Verdächtigen sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß, müssen aber mit einer Anklage für die Farbschmierereien in Rosenheim rechnen.

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Die Erstmeldung von 12.40 Uhr

Rosenheim – Martin Kupferschmid (51) ist seit 30 Jahren Wirt im Happinger Hof. Eine Situation wie diese hat auch er noch nicht erlebt. „Ich bin entrüstet“, sagt er. Am Telefon erzählt er von besprühten Hauswänden, von mit Stickern beklebten Straßenschildern. Davon, dass linksradikale Parolen wie „Nazis raus“ oder „Fck AfD“ seit Dienstagnacht auf der gelben Hauswand direkt am Eingang des Happinger Hofes prangen. „Das ist ein Riesenschaden“, sagt Kupferschmid. Er muss die Fassaden säubern, die Sticker von den Schildern kratzen lassen. Das alles soll, geht es nach Kupferschmid, so schnell wie möglich passieren. „Man kennt solche Vorfälle sonst nur aus der Zeitung. Jetzt ist es direkt bei uns“, sagt er. Die Fassungslosigkeit hört man auch Tage später noch in seiner Stimme.

An den Holzzaun eines 51-Jährigen Anwohners haben die Unbekannten die Worte „Nazis raus“ gesprüht.

Nachbar hat Kupferschmid informiert

Dass sich die Vorfälle in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ereignet haben müssen, davon ist Kupferschmid überzeugt. Die letzten Gäste seien Dienstagnacht, gegen halb eins, nach Hause gegangen. „Da war noch nichts zu sehen“, sagt der Wirt. Am nächsten Morgen habe ihn ein Nachbar telefonisch über die Schmierereien informiert.

Ein beschmiertes Schild in der Nähe des Happinger Dorfplatzes.

Kein Verständnis für Graffiti-Spray

Besagter Nachbar wohnt nur weniger Meter vom Happinger Hof entfernt. Er ist 51 Jahre alt, will seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Auch an seinem Haus haben sich die Unbekannten verewigt. An seinem Holzzaun steht in weißer Schrift der Satz „Nazis raus“, an der Hauswand die Worte „Fight Fascism“ (Faschismus bekämpfen), aufgemalt mit schwarzem Graffiti-Spray. „Ich habe dafür einfach kein Verständnis“, sagt der Rosenheimer.

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Er habe Verwüstungen „in diesem Umfang“ noch nie erlebt. Er vermutet, dass sich die Tat irgendwann zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens ereignet haben muss. „Um 23 Uhr bin ich von der Arbeit nach Hause gekommen. Da war noch nichts“, sagt er. Gegen 6 Uhr habe er das Haus verlassen, die Schmierereien sofort bemerkt. „Ich habe die Polizei informiert und Anzeige gegen unbekannt erstattet“, sagt er.

Auch Kirche St. Martin betroffen

Auch vor der Kirche St. Martin in der Inntalstraße machten die Unbekannten nicht Halt. Wie der Verwaltungsleiter Florian Weindl (40) mitteilt, sei auch die Kirchenmauer „mit verschiedenen Farben“ beschmiert wurden. Er spricht von einem „größeren Schaden“. Seit vier Jahren arbeitet er in der Verwaltung, einen solchen Fall habe er noch nicht erlebt.

Verdächtige bereits festgenommen

Auch Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, spricht von „einer größeren Sache“. So seien die Graffiti-Sprayer nicht nur in Happing unterwegs gewesen, sondern im gesamten Rosenheimer Stadtgebiet. Die Ermittlungen hat die Kripo Rosenheim übernommen. Laut Sonntag wurde sogar mit einem Hubschrauber nach den mutmaßlichen Tätern fahndet. Einige Verdächtige seien bereits festgenommen wurden. „Die Untersuchungen laufen“, sagt er. Wie hoch der Schaden ist und wie viele Fälle es insgesamt gab, darüber konnte Sonntag noch nichts sagen.

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